5. February 2006

Wer ist hier die Karikatur?

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Man kommt um Gewalt und Dummheit in unserer Welt offensichtlich nicht drumherum. Keine Bange, ich werde mich nicht einreihen in die Gruppe derjenigen, die ihre Stimme gegen die islamistischen Unruhestifter erhebt, die bislang in 2 arabischen Städten 3 Botschaften in Brand gesteckt haben. Ganz im Gegenteil, und trotzdem auch nicht ganz ohne Widerrede. Die Leute, die Jugendlichen, die solchen gewalttätigen Bockmist verzapfen sind dumm und naiv, aber, sie hören auf ihr Gefühl und blenden den Verstand dabei vollends aus. Die Frage ist: Können wir sie dafür verurteilen? Ähnlich der Vorgänge in Frankreich vor einigen Wochen, als Jugendliche Randalierer Nacht für Nacht Randale betrieben und Häuser, Fahrzeuge und noch viel mehr Brennbars in Flammen setzten, muss man den Tatsachen ins Auge gucken.

Das geht jedoch nicht, wenn man wie viele selbsternannte Vertreter des Westens sich aufschwingen und als neunmalkluge Besserwisser aufzutreten wissen, sich im Grunde jedoch lieber an die eigene Nase packen sollten. Nichts und niemand kann die Konflikte rechtfertigen, deshalb sollten aber alle vor ihrer eigenen Haustür kehren. Ich werde nicht mit dem Finger auf Leute zeigen, die sich in irgendeiner Weise in diesem Fall schadhaft gehalten haben. Wozu? Das tun doch schon die anderen. Ich kann mir jedoch nicht ganz verkneifen, die Borniertheit mancher Journalisten zumindest an den Pranger zu stellen. Darüber richten mag dann jeder für sich.

Oben deutete ich ja bereits an, dass man ebenso gut mit Verständnis, statt mit Wut auf die Geschehnisse reagieren könnte. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Wenn wir so weiter machen, wird unsere Spezies dauerhaft keinen Fuß mehr vor die Haustür, geschweige denn auf andere Planeten setzen. Gnade den noch unbekannten Wesen, die es vielleicht irgendwo gibt vor einem Zusammentreffen mit uns dummen Menschen. Wut, kennt jeder, auch Angst, und trotzdem hält sich der eine für was Besseres und der andere seine persönliche Angst immer für wichtiger, als die des anderen. Jeder, der schon ein Mal mit einem lieben Menschen, vielleicht seinem Partner, seiner Partnerin in einem Streit geriet und auseinanderging, jeder, der schon ein Mal Schmerz empfand, und Schmach und Demütigung obendrein, der kann nachempfinden, wie es ist, wenn man sich mehr als nur auf den Schlips getreten fühlt. Und doch kann jeder sagen, weil es so leicht ist, der Einzelne würde aus einer Mücke einen Elefanten machen. Doch ach, wenn wir für uns Recht in Anspruch nehmen, dann ist es unsere Pflicht, dies auch anderen Menschen und anderen Kulturen zuzugestehen. Ein Journalist, der bei den öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten angestellt ist, formuliert sehr vermessen in einem Kommentar die Frage:

Heiliger Krieg wegen läppischer Karikaturen? (ebd.)

Er möchte als Europäer, insbesondere als deutscher Landsmann von mir, die Bedeutung der Karikaturen, die sie zweifellos erlangt haben, schmälern, er möchte vor allen Dingen dem Hass so manches Islamisten, und der Wut, die in den Leuten hochkommt, herabwürdigen. Mehr ist es doch am Ende nicht, was dieser Sebastian (H.-K.) selbstgefällig zu tun versucht. Sicher kann man sich aufschwingen und so tun, als wüsste man es besser. Günter Grass’ schildert in seiner Novelle Katz und Maus eine Szene, die aus dem Alltag gegriffen scheint und die man daher als Exemplifikation für einen Typen gerne aufgreift. Die Situation, die Grass beschreibt, ist folgende: Ein neuer Klassenkamerad wird auf die Schule verwiesen und zeigt Talent im Malen und Zeichnen, besonders jedoch im Zeichnen von Karikaturen. Ein Mal jedoch zeichnet er mit Kreide eine Karikatur eines Klassenkameraden an die Tafel, der ihn, als er jene entdeckt, anfängt zu würgen und wütend, seinem Gefühl der Lächerlichkeit preisgestellt worden zu sein, entsprechend reagiert.

Ein Mitmensch verletzt uns mit seinen Worten und wir werden darüber wütend. Wut ist ein egoistisches Gefühl, das hatte ich an anderer Stelle schon ein Mal bemerkt, und jeder, der sich an die eigenen Nase fasst, wird das nachvollziehen können. Man blendet in dem Moment viel Ratio aus und handelt gefühlgeleitet. Aber so wie wir jetzt die Reaktionen aus Teilen der arabischen Welt verurteilen, müssten wir jedes Mal mit uns selbst ins Gericht gehen, ehe wir jetzt dazu berechtigt wären belehrend den Finger heben zu wollen.

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Kategorie Glocal, Media, Politics · Autor · 18 Kommentare


18 Kommentare

  1. Pingback von Ansichten eines Clowns » Blog Archive » Karikaturen, Hoffnung und Wahrheit…
    February 5, 2006 · 4:29 pm

    [...] … mit diesen drei Worten verbindet man nicht unbedingt dauerhaft das weltpolitische Geschehen, doch zumindest in diesen Tagen ereignen sich Dinge, die dazu Anlass geben, die genannten Worte mit ebendiesem Maßstab in Verbindung zu bringen. Sajonara.DE setzt sich zugleich kritisch, aber auch anders mit der Berichterstattung der letzten Tage über die Welt bewegende Themen des Karikaturstreits und der Eskalationen darüber, sowie dem Atomstreit der westlichen Welt mit der Regierung in Teheran auseinander. In einem ersten Artikel versucht der Redakteur die andere Seite zu verstehen, wenn sich über sie lustig gemacht wird, und erläutert, warum jeder von uns, der bereits ein Mal Wut und Enttäuschung empfand, dies selbst gut genug nachempfinden könnte (müsste). Außerdem appeliert der Redakteur in einem zweiten Artikel daran, die positiven Signale, die aus Teheran im Atomstreit kommen, nicht vollends in den Wind zu schießen, weil sie die Hoffnung hoch- und fortleben lassen und warum er gleichzeitig mit den Kommentaren aus dem Iran über eine Kritikrede Angela Merkels auf einer Münchner Sicherheitskonferenz sehr gut leben kann. Explore posts in the same categories: KRITISCHes [...]

  2. Kommentar von CS
    February 6, 2006 · 5:23 pm

    Sicher hat jeder das Recht seinen Standpunkt zu definieren. Nur weil uns eine Karikatur “läppisch” erscheint, muss das nicht zwangsläufig auch für andere gelten. Aber vor der eigenen Haustür kehren löst das Problem nicht und auch zukünftige nicht. Solche Probleme werden immer vom Stärkeren gelöst. Wer ist denn nun im Recht? Welche Wünsche und Bedürfnisse sind wichtiger? Meine natürlich. Und wenn ich die Stärke habe, dann mache ich den anderen platt. So funktioniert es nunmal. Und selbst wenn der stärkere nachgibt, dann niemals ohne Grund. Man verspricht sich in naher Zukunft einen Vorteil dadurch. Egoismus ist die treibende Kraft. Man kann nur versuchen diese umzulenken.
    Als Atheist scheiße ich sowohl auf Mohammed als auch auf Jesus. Viele sind dadurch beleidigt. Aber bin ich beleidigt weil ihr an Gott glaubt? Nein. Es geht mir am Arsch vorbei. Von meiner Seite also entsteht kein Konflikt. Vielleicht sollten wir nicht so anmaßend und borniert an die Sache gehen. Aber vielleicht ist das auch das Recht des Stärkeren. Manchmal muss man nämlich auch auf die Wünsche des anderen scheißen um seinen Frieden zu haben. An dieser Stelle sei ein Zitat von Birkenbihl angebracht: “Ein Konflikt ist niemals beendet”. Das stimmt auch. Da wir aber in einem Konstrukt aus Konflikten leben macht es auch keinen Sinn diesen zu beenden. Stark zu bezweiflen ist auch ob ein solcher Versuch gelingen würde.

  3. Kommentar von ATrust
    February 6, 2006 · 5:35 pm

    Der Stärkere ist nur der, der das unbedingt sein will. Es gibt eine Welt, in der das alles Nichts ist. Die kann jeder für sich selbst schaffen, oder es bleiben lassen. Es ist, hm… schau dir Literatur zum Schreiben von Frauen an, dort wird ein wenig etwas thematisiert, was in die Richtung geht. Ich gehe den Weg wie Gandhi, ob es den anderen gefällt oder nicht. Ich weiß ja, dass du gerne anders sein würdest, aber am Ende trotzdem immer nur das akzeptierst, was alles um uns herum ausmacht, von daher sind deine Schlüsse hier für deine Welt nur folgerichtig, ja.
    Konflikte sind nur dort, wo wir sie haben wollen. Wir selbst haben den Maßstab doch in der Hand. Wir können über den Furz des Nachbarn glücklich sein, oder über 10.000€ netto im Monat und noch nicht mal das. Die Lust am Leben gewinnt nicht der, der sich aus allem raus hält. Stiller Protest rulez! ;) “Ein Insider.”

    P.S.: Ganz besonders unverständlich ist der Satz: “So funktioniert es nunmal.” Nichts funktioniert einfach so.

  4. Kommentar von CS
    February 6, 2006 · 8:18 pm

    Zunächst einmal hat Gandhi’s Revolution nicht das geschafft was es eigentlich wollte. Nämlich eine gewaltlose. Er hat keine Gewalt angewandt, ja. Aber viele andere, die diese begleitet haben. Gandhi hat dennoch nicht still sondern einfach gewaltlos protestiert.
    Ja man kann sich auch zurückhalten. Man muss nicht der Stärkere sein. Aber dann ist es automatisch der andere. Gibt es dann nicht immer einen Stärkeren? Dann gewinnt nicht das Christinetum sondern der Islam, oder umgekehrt. Je nachdem wer wer ist. Und deshalb “funktioniert es nunmal so”. Streiten sich zwei, freut sich der Dritte….usw.
    Du müsstet schon ein soziales Konstrukt erschaffen welches deine Annahme beweist. Eine Gesellschaft aus Altruisten von mir aus. Dann glaube ich dir. Dann akzeptiere ich jegliche Kritik bezüglich unserer Gesellschaft und auch Verbesserungsvorschläge.

  5. Kommentar von CS
    February 6, 2006 · 8:28 pm

    Bezüglich deinem Kommentar zur Literatur mancher Frauen ist mir etwas eingefallen.
    In Mexiko gibt eine Stadt, oder Region, ich weiß nicht mehr genau, da haben die Frauen das Sagen. Es kommt daher, dass die Männer auf dem Feld Arbeiten und die Frauen später auf dem Markt verkaufen was sie ernten. Die Frauen verfügen über das Geld. Wie auch immer. Gleichberechtigung herrscht auch da nicht. Oh welch Wunder. Den Frauen gefällt es nämlich die mit mehr Macht zu sein und nutzen das auch aus.
    Willkommen in der Realität.

  6. Kommentar von ATrust
    February 6, 2006 · 8:35 pm

    Ja, auch Bourdieu hat solche Frauen beobachtet, und solche sozialen Lebensräume analysiert. Und?! Hab ich davon gesprochen? Nein… ich spreche nicht von Gleichberechtigung. Zu dem anderen? Muss es einen Sieger geben und Verlierer? Wenn du dein Denksystem nicht ummodeln kannst, dann ist das halt so. Aber es ist dein Maßstab, der auch der Welt zugrunde liegt. Wenn man keinen Maßstab hat, kann man nichts vergleichen, aber wenn man das nicht will, dann ist man so auch glücklich. Und bei allem was ich sage, tust du immer so, als wäre es meine Meinung. Du musst nicht mich, sondern die Meinung ansprechen. Wozu zum Teufel bin ich so genau in dem, was ich schreibe und auch darin, was ich versuche zu lesen? Damit nachher nicht ein jeder sagen kann, er wüsste, was er von mir zu denken hätte. ;) Dein Dorf der Anti-Gleichberechtigung, halte ich nur fest, hat nix mit der Literatur von Frauen zu tun, wo es eine Form des Schreibens gibt, die quasi Selbstzweck ist und keine Ziele verfolgt, die keinen Rahmen braucht, weil es ihn nicht geben muss. Nicht in dem Leben dieser Frauen. Gleichberechtigung ist ein Quark mit Senf, Birnen statt Äpfel, zumindest aber der poststrukturalistische Feminismus ist derartiges. Wer wer ist, entscheidet jemand, wenn niemand entscheiden will, muss auch niemand jemand sein. Du tust immer Rollen zuweisen, die du in der Gesellschaft und der Welt vorfindest. Wenn du anfängst, das nicht zu tun, gehst du einen Schritt weiter. Du würdest es als Gleichgültigkeit vielleicht noch am Ehesten gelten lassen, aber für mich würde sich dahinter noch viel mehr verbergen. Man muss sich nämlich nicht aus allem raushalten um nirgends dabei zu sein. ;) Ein wenig ist es wie das Prinzip des Haiku… etwas sagen ohne etwas zu bedeuten. Es ist in unserer Welt eben schwer nachzuvollziehen, dass man mit dem anderen die Hüllen fallen lässt und ihn nicht bewertet, wenn ich nicht der Bessere sein will, lass es den anderen, okay. Aber wenn Gandhi nichts erreicht hat, dass ist Aristoteles umsonst gestorben. ;)

  7. Kommentar von CS
    February 6, 2006 · 8:58 pm

    Sehr oft habe ich das Gefühl wir reden aneinander vorbei…

    “etwas sagen ohne etwas zu bedeuten”…ja das ist gut. Philosophischer Firlefanz. Wir sind eben nicht transzendent sondern immanent. Versteh mich nicht falsch. Es macht Spaß über den ganzen Kram zu philosophieren. Aber er hat nichts mit dem was unser Leben ausmacht zu tun (zumindest nich so, dass wir in der Lage wäre es zu beeinflussen). Deshalb ist das was du sagst immer “von Bedeutung”.

  8. Kommentar von ATrust
    February 6, 2006 · 9:09 pm

    Hm, ich habe in dem Psychoseminar zuletzt eine interessante Sichtweise kennen gelernt, dass nämlich Sprache eine patriarchale Erfindung ist, und Bedeutung im Grunde in Gegensätzen entsteht, die von Grund auf stark und schwach scheiden wollen… die das eine nur gelten lassen, wenn sie dafür das andere abwerten. Das Schreiben dieser Frauen möchte gerade diese Sprach ad absurdum führen. Wie unser Leben verläuft, das bestimmen am Ende wir selbst. Du sprachst von Transzendenz, das ist ein schöner Steilpass. Ich vergaß nämlich vorhin anzumerken, dass man das ganze auch als eine Art Religion verstehen wollen könnte. Man muss daran glauben, um es akzeptieren zu können. Wenn du den Firlefanz glaubst, den diese Welt produziert, kannst du mit Sicherheit nicht offen sein für etwas Anderes. By the way habe ich beinahe nirgends noch angedeutet, wie ich zu diesem Thema stehe. ;) Aber – vielleicht kannst du dir das ja denken.

  9. Kommentar von CS
    February 6, 2006 · 11:52 pm

    Was soll das heißen? Das ist ja dann von dir sehr anmaßend zu behaupten, die Welt würde Firlefanz produzieren und du aber durchblicken. Ich fühle mich ein wenig verletzt im Bezug auf deine Aussage ich sei nicht offen =). Nein im Ernst. Ich liebe neue Ideen. Du kannst mir jede deiner Ideen gerne erzählen. Auch wenn sie den Weltfrieden beinhalten. Manchmal wirft eine Idee dein ganzes Leben um. Allerdings bin ich ein Freund von dem was man anfassen kann, weil zumindest ich in einer Welt lebe, die ich anfassen kann. Über transzendentale Einflüsse mache ich mir unter der Dusche Gedanken, oder bei einer andere Diskussion, jedoch nicht wenn ich z.B. eine politische Entscheidung hinsichtlich der Karikatur treffen müsste.

    Welches Thema jetzt genau? Wir haben mal wieder einiges behandelt…
    Wenn du deinen Artikel meinst, dann fand ich schon einige Anhaltspunkte die deine Meinung spiegeln.

  10. Kommentar von ATrust
    February 7, 2006 · 12:06 am

    Hm, richtig, und wenn’s nur ist, dass sie sich indirekt spiegelten. Aber ich bin vorsichtig geworden, weil ich oft über Dinge rede, die nicht meiner Meinung entsprechen, aber eben auch manchmal mit Dingen argumentiere, die nicht meiner Meinung entsprechen. Ich finde es interessant, Dinge auf dieser Art zu erfahren, nämlich was andere davon halten – was ich selbst dazu denke, weiß ich ja schon.
    Am Donnerstag haben wir noch eine Sitzung in dem Psychoseminar und nach dem Semester hab ich wohl auch Zeit, mal in die Literatur zu gucken, wenn ich dazu noch einen Gedanken finde, oder ein gutes Beispiel für diese Literatur von Frauen, die nicht bewerten wollen, dann teile es dir mit.

    By the way… du legst mir in den Mund, weil du in deinem System denkst, ich würde mich auchschwingen durchzublicken. Ich habe DAS z. B. nie behauptet. Du tust meine Rede, in Gegenrede stellen um für dich Bedeutung zu produzieren. Dass ist das System, was diese Frauen, und vielleicht sogar auch andere anprangern. Dass man eben alles durch diese Brille sieht, und da nicht raus kann. Du hast das Wort Firlefanz benutzt und ich habe es aufgegriffen, aber mir war es am Ende nicht so wichtig, welches Wort ich benutze. Der Knackpunkt ist der… hm… wie soll man es begreifbar machen. Stell dir Startrek vor… ein Borg und ein Terraner… angenommen der Mensch würde eine Aktion des Borg so deuten, wie er es tut, unter seinen Voraussetzungen und es als Drohgebärde deuten. Es gäbe Krieg, bla blub… für den Borg wäre es aber gar nicht so gewesen. Die Sache ist die, dass, wenn wir versuchen, auf einen Nenner zu kommen, müssten wir uns vorher über die Bedeutung von Wörtern, von Sprache einig werden. Was diese Frauen da versuchen, ist ja gerade dort auszubrechen… in unserem Seminar meinten welche, ja aber die geben doch ihren Kritikern Futter. Und ich, als halbe Frau, meinte… aber was, wenn ihnen das egal ist, wenn sie ja gerade keine Bewertung wollen, die nicht anstreben, es selbst aber auch nicht tun. In einer anderen Situation, da gab’s Kritik… einer derjenigen, die so “anders” schreiben wollten, würde zwar so darüber schreiben, aber ihre Literatur wäre nicht anders als die von Männern. Da hab ich mir dann gedacht: Vielleicht hat sie das Herz einer Frau, aber den Verstand eines Mannes, und kommt deshalb nicht über die patriarchale Sprache hinweg. Sobald man anfängt abzugrenzen, scheidet man… und das wollen ja eben diese anderen nicht. Wie sich Bedeutung erzeugt, ob es das überhaupt muss… am Ende könnte jemand, der so denkt wie wir sagen: Nutzlos… total nutzlos. So what? Ich hab keine Ahnung. ;)

  11. Kommentar von ATrust
    February 7, 2006 · 12:07 am

    Ach noch eins: Diese Art der Kommunikation, bei der der eine darauf wartet, dass der andere antwortet, bevor er Replik gibt, dürfte doch den Makel, den du letztens als Kritik an unseren Diskussionen geäußert hast wettmachen, oder?

  12. Kommentar von CS
    February 7, 2006 · 1:37 am

    Ja _dieses_ Problem der Kommunikation wäre “gelöst”.
    Wenn du mit etwas argumentierst was nicht deiner Meinung entspricht…was macht das für einen Sinn? Feldversuch? Dann weise das auch bitte aus, denn spare ich mir Kommentare. “Ich glaube an Gott (Achtung ist nicht meine Meinung)”
    Und wenn wir alles relativieren, dann müssen wir gar nicht diskutieren. Dann kannst du auch ruhig bei der Deutschen Bank arbeiten.

  13. Kommentar von ATrust
    February 7, 2006 · 1:48 am

    Ganz so einfach, wie du dir das immer denkst, ist es nun freilich nicht, aber gerade du, der du denkst, es gibt nichts, was es nicht schon gab… Ts… Frevler… Mörder! Mörder! ;) Es ist doch so, dass ich in vielen Dingen vielleicht eine Meinung habe, aber die meisten Thesen, mit denen ich Leuten begegne stammen nicht von mir, es interessiert mich aber sehr wohl, was sie davon halten. Irgendwann, wenn ich genug Diskurs getrieben habe, werd ich mich entscheiden und kann dann auch guten Gewissens sagen, dass ich dahinter stehe und es meine Meinung ist. Aber ohne, dass ich mit dir oder anderen über etwas spräche, könnte ich nicht dorthin gelangen. Du verstehst? Wenn ich z. B. schreibe… Es gibt, oder man weiß… oder prinzipiell ist es doch so… wenn etwas meine persönliche Meinung ist, dann mache ich das schon kenntlich. Meine eigene Meinung wird aber auch immer mit dem zu tun haben, worüber wir gerade reden. Vor allem in den Artikeln, die ich schreibe steckt oft genug meine eigene Meinung, aber ich bin nicht jemand, der so vermessen ist, all das Wissen der Welt auf seinem Mist gewachsen zu sehen.

  14. Kommentar von CS
    February 9, 2006 · 12:47 am

    Ja man sollte niemals nie sagen. Nach heutigen Wissen (welches glaube ich bereits überholt ist) kann man nicht schneller als die Lichtgeschwindigkeit reisen. Diese Annahme basiert auf _irgendwelchen_ anderen Annahmen. Da dies aber der heutige Stand unseres Wissens ist, kann ich ruhigen Gewissen jemanden in den Arsch treten der behauptet er würde schneller als das Licht reisen können. Er muss es schon beweisen.
    Wenn du jetzt also darüber schreibst, wie du gerne das Licht einholen würdest, dann kann ich und andere auch sehr wohl mit der heutigen Erkenntnis ankommen.
    Deshalb zu sagen ich würde erst wenn ich mich weiterbilde, eine Meinung manifestieren, ist Utopie. Du wirst bis an dein Lebensende Neues erfahren.
    Eben deswegen verstehe ich nicht wie du etwas thematisierst was du nicht explizit als reine Theorie angibst. Folgerichtig nehmen dann Leute wie ich an du würdest diese Meinung vertreten. Selbst wenn es nur eine Möglichkeit unter vielen anderen ist, die du in Erwägung ziehst, so stehst du dieser positiv gegenüber. Also bist du dafür. Also spiegelt der Artikel deine Meinung.

  15. Kommentar von CS
    February 9, 2006 · 12:49 am

    Und wenn es _wirklich_ nicht deine Meinung ist, dann haben wir ein Kommuniaktionsproblem.

  16. Kommentar von ATrust
    February 9, 2006 · 1:00 am

    Hm, ja, ich kann dir jetzt nicht, die ganzen theoretischen Abhandlungen dieser vorwiegend französischen Frauen hierhin kopieren. Die haben ihre Position mehr als deutlich gemacht und ich hatte nur die Möglichkeit mal den Gedanken kennen zu lernen, finde ich nicht völlig abwegig. Aber vor der vorlesungsfreien Zeit komme ich nicht dazu, die Texte selbst vielleicht mal zur Hand zu nehmen. Wir haben es wohl nur angerissen, und ein jemand hatte ein Referat über eine der Frauen gehalten, die aber gleichwie von dreien oder vieren, wie er und der Dozent meinten, wohl eher diejenige war, die zwar (und das sind jetzt meine Worte) das Herz einer Frau, aber den Verstand eines Mannes hatte. Weil sie eben in ihrem Schreiben das nicht so deutlich machen konnte, sagten die anderen, (ICH hab’s NOCH nicht gelesen), wie eben die anderen (von denen hab ich aber auch noch NICHTS gelesen). ;) Ich diskutiere ja hier nicht um etwas, was man beweisen kann oder muss. Diese Frauen haben eine ideologische Diskussions eröffnet und suchen einen Weg… meinen auch, ihn gefunden zu haben, DU-Weg-ist-das-Ziel-Mensch ;) . Ich für meinen Teil halte es für möglich. Das ist genauso, als würde man jemandem, der etwas geträumt hat sagen, DAS kann nicht sein, das glaube ich dir nicht. Wie soll denn derjenige das beweisen?! Bzw. wer maßt sich an, jemandem abzusprechen, er hätte eine Idee, bzw. einen Traum. Diese Frauen haben diese Idee, wenn du den Gedanken für ausgeschlossen hältst, dich damit nicht anfreunden kannst, nun ja… so haben auch andere in unserem Kurs gesprochen, allein, mich hat das nicht davon abgehalten, mir selbst mal Gedanken noch dazu zu machen, und ich habe mir ein paar Gedanken zurecht gelegt, wie ich mir vorstelle, dass es gehen könnte. Aber da muss ich wie gesagt in den Ferien (hust) mal was mehr zu lesen. Denn am Ende stellt sich raus, ich sympathisiere doch nicht damit, oder, oder…

  17. Kommentar von ATrust
    February 9, 2006 · 1:06 am

    Du könntest auch hingehen, und mich als eine Art Verteidiger oder Mediator auffassen, und die Position dieser Frauen ist gewissermaßen das Objekt, was zur Disposition steht. Ein Anwalt kann jemanden verteidigen, oder Argumente pro und contra sammeln, ohne dass er auch persönlich der Überzeugung sein müsste. Ich beschäftige mich mit den Dingen, aber ich sage in den wenigsten Fällen, es sei meine Meinung. Denn z. B. zum Thema Lichtgeschwindigkeit – ich denke nicht, dass das das Maß aller Dinge ist, bzw., ich nehme mir ein Beispiel an Ideen und Theorien um unsere Universum, etc., pp. ABER, schlussendlich ist es eher so wie beim Glauben, obgleich ich nicht an Gott glaube, stehe ich doch irgendwie zu dieser Welt, in einem Glaubensverhältnis. Ich hab halt meine eigene Vorstellung davon. Und angenommen, ich würde mit dir über “solche” Dinge reden, würdest du von mir ja auch nicht verlangen, ich sollte meinen Standpunkt beweisen. Hast du jedenfalls noch nie. Du hast nie gesagt: Beweise, dass es nach dem Tod noch was gibt. Wenngleich ich eben annehme, dass es etwas gibt, und wenngleich ich auch fester Überzeugung bin, dass eben viel Forschung mitunter zu wenig kreativ ist und die sich an Formeln langhangeln, die ihre Bewegungsmöglichkeiten enorm einschränken. Ich denke, dass man auch eine Überzeugung haben kann, und versuchen, nach der Lösung, oder dem Beweis zu suchen. Solange man ihn nicht hat, nun ja… was will man dann machen, deiner meinung nach tun? Ich halte mich mit eigener Meinung eben zurück. Ihr haltet mich ja schon für spinnert, wenn ich sage, ich sterbe mit 73. Warum sollte ich dann meine Konzepte von der Welt ausbreiten, wenn ich eh nur auf Missverständnisse stoße bei dem, was ich in seltenen Fällen von mir gebe.

  18. Kommentar von ATrust
    February 9, 2006 · 1:11 am

    Es hat übrigens noch einen Vorteil, wenn man solche Gedanken an diesem Ort ausdiskutiert. Man kann darauf zugreifen. Also andere können davon profitieren, aber ich selbst könnte z. B., anders als wenn ich ICQ neu installiere und die History weg ist – also ich habe am Ende eine Art Fundus, auf den ich für meine Geschichten bauen kann. Weil, du wirst lachen, oder vielleicht es anerkennend finden, dass ich auch die Positionen anderer in meine Geschichten einbaue, wenn, ja wenn ich finde, dass man sie vertreten sollte. Ich spreche also durch meine Geschichten nicht immer nur für mich, von mir, etc. ;)

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