1. March 2006

Werteverfall? Von wegen!

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Werteverfall ist eine Neverending-Story, ist etwas, das durch die Bank weg, als beliebtes(tes) Topos des Intergenerationskonflikts angesehen werden kann. Leben wir alle nur noch in einer Spaßgesellschaft und sind Egoisten?! Zumindest werden Fragen wie diese derzeit in Deutschland heftig und emotional diskutiert, mag man denn der geballten Kompetenz und Reputation der Apotheken Umschau glauben schenken.

Von einem generellen Werteverfall speziell unter Jugendlichen zu sprechen, ist nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann „sachlich falsch“. „Es gibt eine Verschiebung von Werten“, erklärt der Professor an der Universität Bielefeld im Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau. „Der Begriff Verfall ist aber nicht objektiv und wird mit Vorliebe von einer Generation verwendet, die sich durchaus fragen sollte, was denn zu diesem so genannten Verfall geführt hat“, erklärt der Experte. Wie die 14. Shell-Jugendstudie gezeigt habe, sei die jetzige Jugendgeneration die erste, die den Bogen des Aufbegehrens nicht weiterspanne, so Hurrelmann, „sondern die bereits bekannte und bestehende Werte ihrer Eltern und Großeltern aufgreift und sie konstruktiv zu einem neuen Wertecocktail mischt.“ Erstmals zeichneten sich die heute 12- bis 25-Jährigen eher durch Pragmatismus als durch Protest aus. Das sei neu in der Geschichte und angesichts der bevorstehenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen auch nicht verwunderlich. „Viele Jugendliche sehen sich um ihre Zukunftsperspektiven betrogen. Sie fühlen, dass ihr Eltern in wirtschaftlich unbekümmerten Zeiten über die Stränge schlugen und sie selbst nun das Nachsehen hätten, würden sie die Genusskurve weiter nach oben treiben.“ So seien Sicherheit, Leistung und Einfluss Werte, die wichtiger geworden wären.

Quelle: Apotheken Umschau 2/2006

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Kategorie Glocal, Politics, Science · Autor · 5 Kommentare


5 Kommentare

  1. Kommentar von otti
    March 26, 2006 · 10:41 am

    Wenn es einen Werteverfall gibt, so beginnt er oben. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Das ist das Problem in unserem Land.

  2. Kommentar von ATrust
    March 26, 2006 · 3:06 pm

    Da mag ich zustimmen wollen, doch ich sehe prinzipiell eher keinen Werteverfall. Entweder gab ihn dann schon immer, oder aber es gibt keine normativen Wertvorstellungen, die über alle Zeiten hinaus gültig sind. Die ersten soziologischen Studien in Amerika haben z. B. gezeigt, dass sogar die Mafia (Verbrecher) ein sehr geordnetes System von Regeln und Werten haben. Sie entsprechen nicht dem Common Sense, weichen von der Meinung vieler ab, aber das rechtfertigt nicht, von einem Werteverfall zu reden. Wir leben immerhin in einer Demokratie, und selbst in den Banden einer Diktatur sind nicht alle Gedanken gleichgeschaltet.

  3. Kommentar von lyriost
    April 13, 2006 · 6:52 am

    Du meinst als beliebter oder beliebtester Topos, nicht wahr?

  4. Kommentar von lyriost
    April 13, 2006 · 6:59 am

    Du meinst sicher auch des Intergenerationskonflikts. Oder …konfliktes. Ich glaube, für deinen nachlässigen Umgang mit Fremdwörtern und Grammatik bist du selbst verantwortlich – und nicht der Werteverfall. Wir selbst müssen, jeder bei sich, Werte setzen und bewahren.

  5. Kommentar von lyriost
    April 21, 2006 · 7:05 am

    Wenn der Topos auf den Locus (communis) geht, schnipp, schnapp, Männlichkeit ab.

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