Lech Walesa: Falscher Nationalismus
Der ehemalige polnische Staatspräsident Lech Walesa, er ist seit einigen Jahren nicht mehr gut auf seinen Nachfolger im Amt, Lech Kaczynski, zu sprechen. Die neuesten Maßnahmen im Land werden den – beinahe schon – Elder Statesman, Walesa, nicht dazu bewegen, seine Meinung zu verändern. Die Kaczynski-Brüder sind von den Polen samt ihrer Partei gewählt worden. Walesa interpretierte dies als Abstrafung für die anderen Parteien in Polen. Er räumte sogar eigene Fehler ein.
Für neuen Zündstoff indes sorgt eine Untersuchung, die vom polnischen Kulturministerium in Auftrag gegeben wurde. Man wolle, so heißt es, die Zahl der anonymen polnischen Toten zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs untersuchen. Merkwürdig erscheint, dass der polnische Kulturminister von sich aus abwiegelte, man würde dieses Wissenschaftsprojekt nicht etwa in Gang setzen, weil man zum westlichen Nachbarn ein problematisches Verhältnis habe. Gemeint ist Deutschland. Der ehemalige Präsident und Arbeiterführer Walesa sprach schon in der Vergangenheit davon, dass die Regierung Kaczynski eine sehr nationale Sichtweise und beschränkte Orientierung in ihrer Außenpolitik an den Tag lege.
So soll jetzt zwar das Verhältnis zum Nachbarn nicht als Impuls angesehen werden, dennoch würden die Ergebnisse
Bedeutung in der allgemeinen europäischen Diskussion mit unserem westlichen Nachbarn haben
, gab der Kulturminister, Kazimierz Ujazdowski zu verstehen (vgl. Artikel in der NZ). In Polen stößt derzeit eine Ausstellung in Berlin auf nicht besonders viel Gegenliebe. Organisiert wurde sie vom Bund deutscher Vertriebener. “Erzwungene Wege” heißt sie, und lässt die Nationalisten in Polen fürchten, Deutschland wolle sich in diesem speziellen Fall gänzlich in die Opferrolle hinein begeben. Auch um dies zu verhindern wurde wohl das neue Wissenschaftsprojekt von der polnischen Regierung initiiert. Polnische Zivilisten, die die Ausstellung besuchten konnten nicht in die Kritik ihrer Regierung einstimmen (vgl. Artikel in der NZ).
So kümmert sich am Ende jeder um seine eigene Sichtweise. Diese Handlungsweise ist legitim. Einzig die Frage steht unbeantwortet im Raum, ob derlei Aktionen wirklich immer den erwünschten Zweck erzielen. Jeder, der gelernt hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, wird vielleicht sogar denken, dass es sich nicht geziemt, sich selbst in der Vordergrund zu drängen.
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Tags Kaczynski, Polen, Walesa
Kategorie Glocal, Politics · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare
