26. October 2006

Es geht auch anders?!

Vielleicht? Oder, auf gar keinen Fall? Wir haben erlebt, wie es mit BenQ-Siemens gelaufen ist, wir hören von Massenentlassungen. Auch die Telekom hat aktuell noch ein Projekt laufen, das bis 2008 massive Einsparungen vorsieht. Der Chef der T-Com, Kai-Uwe Ricke stellt sich im BILD-Interview den Fragen des Boulevards. Es scheint, als hätte Ricke so etwas wie ein soziales Gewissen, als sei er keine Heuschrecke. Der Vorstand habe bereits – in der Zeit, in der Ricke das Unternehmen führt – auf Gehälter verzichtet, und man könnte sich vorstellen, es wieder zu tun. Wie viel dahinter steckt, bleibt abzuwarten. Was sein wird oder nicht, zeigt sich erst in der Zukunft.

Mit einem allerdings hat Ricke vollkommen Recht: Die Löhne und Gehälter in Deutschland sind zu teuer. Im Umkehrschluss muss man dann allerdings auch die Preisspirale deutlich nach unten korrigieren. Arbeiter aus den Ostblockländern sind zwar billiger, aber umgekehrt muss man formulieren, sind wir zu teuer. Im Zuge der Europäisierung entsteht im Binnenmarkt, wie auch außerhalb ein Wettbewerb, der die Löhne anpasst. Ricke möchte in Verhandlungen mit den Gewerkschaften ein Gehaltsgefüge schaffen, dass man sich noch leisten kann. All die Führungsgurus von Deutsche Bank und Co. Kg. sollten sich eine Scheibe abschneiden, denn immerhin könnten sie auch ebensogut auf 250.000 Euronen im Jahr verzichten, wenn dies bedeuten würde, dass damit einige hundert Angestellte über Jahre hinweg weiter bezahlt werden könnten. Was Deutschland noch nicht begriffen hat, ist, dass es dem Land “zu gut” ging. Wenn die Deutschen und ihre Manager mit Schrecken auf Frankreich blicken, weil dort in den Vororten das Proletariat auf die Straße geht und den Bürgerkrieg anzettelt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Zeichen heute bereits erkannt werden können. Die Schraube “Sozialneid” wird in diesem Land überstrapaziert.

Es geht nicht darum, wieviele hundert Millionen Euro ein Schumacher auf dem Konto hat, wenn die Leute wissen, dass er sich – in welcher Form auch immer – um die Leute verdient gemacht hat und weiterhin verdient machen wird. Ein ähnliches Beispiel dürfte Bill Gates abgeben. Niemand neidet diesen Menschen irgendetwas. Wenn die Topmanager nun anfangen, sich um ihr Land und ihre Leute verdient zu machen, wird auch niemand etwas dagegen haben, dass er oder sie selbst nur Leberwurst aufs Brot kriegt, während der andere eben zu Kaviar greift. Jedem das Seine.

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