6. December 2006

Argumente (4)

Erst einen Tag ist es her, dass das StudiVZ nach einigen Tagen der Wartung wieder on Air ging. Noch ehedem erneuerte Don Alphonso seinen Nachdruck, dass es sich bei alledem nicht um einen Gewinn handeln könnte. Man dreht das Blatt und wendet es. Mitunter wird aus dem Blatt die Medaille, und selbst die hat zwei Seiten. Immer wieder führt der Don auch die spätere Zukunft der naiven Informationsspender ins Feld, wenn er an die Vernunft der Studenten im akademischen Feld appelliert. In seinem letzten Beitrag, vom 04. Dezember heißt es dazu auszugsweise:

Abbildung eines Fernglases“Nehmen wir mal an, eine Firma hat eine Stelle zu vergeben [...] , die zufälligerweise die Daten hat, die bei StudiVZ so offen rumstehen. Nichts gehackt, nichts explizit illegal gekauft, einfach das, was da ist, mit einem kleinen Prgramm letzte Woche abgegrast und gespeichert. Diese Firma erhält nun die Namen der Bewerber mit der Bitte, sich die Leute doch mal genauer anzuschauen und Empfehlungen abzugeben, wer von denen was taugt. Nehmen wir mal an, von den 150 Bewerbern sind 100 in deren Datenbank. Die Firma stellt sich nicht hin und sagt: Den einen einladen in die Endrunde und den anderen nicht. Was die machen, ist sehr viel feiner. Sie erstellen Charts und gewichten die Eigenschaften je nach Anforderung des Kunden. StudiVZ ist da eine wunderbare Grundlage, denn hier zeigt sich der künftige Arbeitnehmer, wie er wirklich ist – und das herauszufinden, ist ja eigentlich die Aufgabe der HR, nicht das abnicken der geschönten Vita, sondern zu eruieren, wer für die Anforderung die beste Leistung für den besten Preis erbringt. [...]” (blogbar)

Der Don spielt dann einige Eckpunkte durch, von denen er denkt, dass Personalabteilungen (oder wie Don erklärt, auch HR, kurz für Human Ressources) zum Beispiel diese anhand von Daten aus dem StudiVZ eruieren könnten.

Während es im Bildungssystem erwiesenermaßen nicht nach Leistung geht, sind die Kriterien der HR von Beginn an immer auch auf soziale Kompetenzen, neben der eigentlichen Leistungsfähigkeit, ausgelegt. Ich behaupte (einfach Mal), dass das StudiVZ hier eine prima Aufgabe leisten kann. Es übernimmt Funktionen, die früher das Fach Betragen in einer Schulnote zu bewerten suchte, jedenfalls aus der Perspektive einer HR kann sie so etwas leisten. In diesem Punkt erachte ich die weltweite Datenschleuder als äußerst hilfreich.

Doch wie bereits angemerkt ist das ein zweischneidiges Schwert. Wenn “ich” mir nichts vorzuwerfen habe (ich stehe zu meinem Wort, meine StudiVZ-Mitgliedschaft ist gekündigt), dann heißt es aber auch, dass ich mein Leben lang danach schauen muss, eine reine Weste zu behalten. Niemand ist fehlerfrei. Davon ein Mal abgesehen möchte niemand sich verpflichten auf Spaß zu verzichten und ständig unter Beobachtung zu stehen. Wegen mir sollen die Darianis dieser Welt sich bei der Jobsuche mit ihrer medialen Prostitution ins eigene Fleisch schneiden. Ein wenig Schelte hat noch niemandem geschadet. Mir auch nicht.
Was tun, wenn man Otto-Normalbürger ist? Der Durchschnittsbürger hat nur einen unterschwelligen Hang zum Exhibitionismus. Die HR könnte zur Abteilung für Voyeurismus verkommen, in den Fällen, da Hinz und Kunz private Fotos vorhalten. Ist das schlimm?! Nun, nicht, wenn wir lernen, damit umzugehen und das als selbstverständlich erachten. Dann müsste es jedoch heißen: Gleiches Recht für alle. Man kann nicht manchen Leuten einen Nachteil dadurch entstehen lassen und im nächsten Fall drüber hinwegsehen wollen. Doch was die StudiVZ-Macher nicht konnten — wieso sollten es die Personaler von Unternehmen beherzigen?! Dariani und Holtzbrinck oder die Samwer-Brüder sind doch trotz allem zueinander gekommen und haben sich offensichtlich mit dem Fehlverhalten arrangiert. Wenn Michel Friedmann wieder im Fernsehen zu sehen ist; wenn Christoph Daum wieder auf Kölns Trainerbank Platz genommen hat — alles deutet darauf hin, dass verzeihen selig sein kann und vor allem hilfreich.

Geste der Entschuldigung, Foto v. Laura KennedyVerzeihen bedeutet jedoch nie vergessen. Demenz führt zum Vergessen, doch bis die Studis von Heute mal so weit sein werden, wird noch viel passieren. Wenn er schon nicht über den Firmen-Blogschatten hinaus springen kann, dann reiche man Ehssan Dariani vielleicht die Hand?! Gibt es dort draußen keinen Kritiker, der sich bereit erklärt, sich mit ihm an einen virtuellen Tisch zu setzen, zu einem Gespräch unter Bloggern? Vielleicht gibt es Presseorgane, die Dariani die Chance bieten, sich “öffentlich” zu entschuldigen. Die Medien könnten ein eigenes Verantwortungsbewusstsein erkennen wollen, noch ehe sie dem Angeklagten kein Unrechtsbewusstsein attestieren. Und wenn es eben sein muss, dass sie ihm in einem Interview die richtigen Fragen stellen, damit er die richtigen Antworten geben kann. Sei’s drum, die Zeit, sie geht um, so oder so.

Hinzufügen zu del.icio.us, Mr. Wong, LinkARENA, SEOigg
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