10. December 2006

Der große Bruder Europa und das Verbot von Killerspielen in Deutschland

EuropaflaggeMeistens, so heißt es, komme es anders, als man denke. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dieser Spruch recht regelmäßig seine Erfüllung in der realen Welt sucht und dabei oft auf fruchtbaren Boden fällt. Zwei Einschränkungen in einem Satz. Zwei Einschränkungen, die darauf hinweisen, dass es manchmal eben doch so kommt, wie man denkt. Aus diesem Grund möchte ich im Folgenden vorstellen, was ich denke, weil ich denke, dass es kommen wird, wie ich denke. Genug der Wortklauberei.

Zunächst aber eine Position, von der ich meine, dass sie durchaus verbesserungswürdig sei: Gemeint ist die Position des byrischen Innenministers Beckstein, der mit Vehemenz ein Verbot von Killerspielen fordert. Mein Augenmerk gilt allerdings den Ausführungen von Florian Müller, denen ich nur beipflichten kann. Müller war einst Mitarbeiter der Spieleschmiede Blizzard. In letzter Zeit jedoch trat er eher als Lobbyist auf. Wie es bei Golem heißt, hätte er sich einen Namen gemacht dadurch, dass er (wirksam) gegen die Einführung von Softwarepatenten in Europa plädierte.

Nun gab Müller in einem Gespräch mit der Zeitschrift IGM seinen Senf zum Thema Verbot von Killerspielen ab. Bereits der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) sieht in dem Vorstoß von Bayerns Innenminister Probleme mit geltendem Recht.

“Der Vorstoß aus Bayern [...] stellt aus unserer Sicht einen unangemessenen und rechtswidrigen Eingriff in die Grundrechte der Produzenten, Anbieter und auch der Nutzer von Unterhaltungssoftware in Deutschland dar.”

Müller hingegen denkt über die Grenzen der BRD hinaus. Ein kluger Gedanke, denn im Zuge der Europäisierung hat Brüssel den Deutschen (und anderen selbstredend ebenso) immer wieder Brocken vor die Füße geworfen, wenn es um isolierte, für ganz Europa nicht praktikable Gesetzesvorhaben ging. Das EU-Parlament hat ebenso immer wieder selbst Projekte angestoßen, die Neuregelungen und neue Gesetze für das gesamte EU-Land bedeuteten.

Müller ist der Ansicht, und ich bin es ebenso, dass ein isoliertes Gesetzesvorhaben, ein Verbot von Killerspielen, von der EU relativ unmittelbar als Aufforderung zum eigenen Handeln aufgefasst werden könnte. Ein ein Mal eingeführtes Gesetz müsste dann, bei einem eigenen gesamteuropäischen Vorschlag, wohlmöglich recht bald verändert werden. Müller empfindet Becksteins Vorschlag und die Position Deutschlands in dieser Frage generell als eine Extremstellung. Er kann sich nicht vorstellen, dass solch eine Position besonders viele Befürworter in Brüssel haben wird. Für ihn ist ein Vorschlag der EU zu einer Regelung in dieser Sache nur eine Frage der Zeit. Diese Zeit, so ist Müller der Ansicht, sollte Deutschland lieber in eine solide Diskussion um das Thema stecken, anstatt irgendwelche Schnellschüsse zu planen. Letzteres ist realtiv frei interpretiert und deckt sich vor allem mit meiner eigenen Meinung.

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Kategorie Glocal, Media, Politics · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare


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