StudiVZ: Wenn Eltern ihre Kinder überwachen

Veröffentlicht am  22. Dezember 2006 von  

StudiVZ LogoWas hatten wir nicht schon alles im Kontext von StudiVZ erwähnt? Sicherheitslücken, null Privatsphäre dank Supersuche, Sexismusvorwürfe dank Stalkern, zudem unglücklich Verliebte (männlich wie weiblich), einen längeren Ausfall des Studiverzeichnisses, u. v. a. m. Zudem hat sich die Presse in die Berichterstattung eingemischt und nicht immer mit Ruhm bekleckert. Wir berichteten von StudiVZ-Mitgliedern, die schlimm waren, aber sich selbst trotzdem diese rhetorische Frage in aller bloggenden Öffentlichkeit stellen mussten. Und das ist beileibe noch nicht alles, worüber wir in diesem Kontext berichteten.

Doch jetzt müssen wir Tacheles reden schreiben: Andreas Solf, 48, aus Potsdam hat sich bei StudiVZ angemeldet. Woher ich das weiß? Nun, der Familienvater hat sich in seinem Blog darüber ausgelassen.

Neulich habe ich – weil ich mich für das Leben meiner Töchter interessiere – bei StudiVZ eingetragen. Das ist so etwas ähnliches wie Stayfriends von Oliver Thiel, nur weniger nervig und darüber hinaus kostenlos. Prima Idee das Web 2.0, kann man doch zugleich auch Netzwerke erkunden. Sag mir, wer dein Freund ist und ich sage dir wer du bist, – wir kennen alle den Spruch.

Also lese ich und entdecke: Die jungen Menschen und Studenten sind alle unpolitisch!!! (A. Solf)

Die Töchter Solf, falls sie irgendwelche Peinlichkeiten verbergen wollten — nun ist es zu spät. Bemerkenswert ist dieser Umstand schon irgendwie. Ich glaube, der gute Herr Solf hat allerdings auch nicht gedacht, dass sein Blogeintrag in der Blogosphäre herum gereicht werden würde. Die meisten Leute denken eher lokal als global, was die Ausmaße ihres Tuns im Internet angeht. Bislang jedenfalls wurde sein Blogeintrag schon einige Male zitiert. Ich bin gespannt, ob die Solfs das Mal bei Tisch ausdiskutieren. Seine Töchter, die studieren in Leipzig, vielleicht Wirtschaftswissenschaften. Woher ich das jetzt weiß? Nun, weil besagter Vater gleich noch einen Blogbericht darüber verfasste, wie er eine WiWi-Vorlesung besuchte.

5 Kommentar(e) bisher

  1. Andreas says:

    Na “ausgelassen” ist ja wohl ein bisschen übertrieben.
    In dem zitierten Beitrag unter dem Titel “Was ist eigentlich normal?” geht es um Verhaltensmuster einer Generation. StudiVZ ist innerhalb des Eintrages eher nebensächlich, – hier ist im Übrigen auch nichts gefakt. Mehr noch: Meine Töchter haben mich sogar in ihrer Freundesliste verlinkt. Nurmalnebenbei.
    Und der Blogbericht einer WiWi Vorlesung in Leipzig besagt nichts darüber, ob da wer aus der Familie in Leipzig studiert, – was ja auch nicht stimmt, wie man in StudiVZ nachlesen kann.
    Ich war zufällig in Leipzig und mir war kalt, – da habe ich mich in einer Vorlesung aufgewärmt, habe dabei niemandem einen Platz weggenommen und auch nicht gestört. Und ich berichtete darüber. Was bitteschön soll denn daran schlimm sein, sich zu interessieren?
    Und bloggt man nicht um gelesen zu werden?
    Soll es mich nun stören “herumgereicht” zu werden?
    Im Gegenteil.

  2. @Herrn Solf: Ja, deswegen schrieb ich ja “vielleicht”. Sie müssen wissen, dass ich, obwohl Student, kein Mitglied von StudiVZ bin. Ich habe meine Mitgliedschaft gekündigt.

    Ich hab nicht gesagt, dass es sie stört, herumgereicht zu werden. Aber manche Leute unterschätzen dies eben. Erwähnte, verlinkte unglücklich Verliebte (M und W, s. o.) zum Beispiel, die sich selbst ihre Sache kaputt machen, wenn man als der oder die Angehimmelte die Blogbeiträge liest. Ich denke nicht, dass diese wirklich wollen, dass zumindest die Angehimmelten ihre Beiträge lesen. Dass sie selbst es erst theoretisch möglich machen scheinen sie dabei zu vergessen.

    Wissen Sie es gibt sogar Senioren-Studienplätze, und ich finde das eine gute Einrichtung. Ich werde nach dem Ausscheiden in Aachen, sobald ich Geld verdiene mir so einen besorgen, einfach weil ich den Zugang zu Bibliotheken und Informationen sehr gut finde.

    Empörung ist nicht hausbacken, sie ist eher gespielt, zumindest in diesem Fall. ;) Ich formuliere gerne derart herausfordernd, weil die Leute dann auch oft sich zu Wort melden. Im richtigen Leben tue ich dies auch. Ich weiß, dass die Leute eine Meinung haben, nur die meisten eben nicht damit rausrücken. Deshalb schadet es nicht, sie ein wenig zu kitzeln. ;)

    Ich bin im Web aber z. B. auf jemanden gestoßen, der sich wirklich über alte Leute in Vorlesungen aufgeregt hat. Ich persönlich finde das und vor allem die Argumentation der Person sehr niederträchtig. Sie zeigt, dass dort jemand nur an sich selbst denkt und vor allem nicht im Sinn gehabt hat, dass solche Leute tatsächlich auch in jedem Alter ein Studium absolvieren dürfen und auch einen Abschluss machen können. Besagte Dame hatte nur gedacht, dass die Leute sich nur als Lehrer dort aufhalten könnten und sich deshalb gewundert, warum solche “alten” Lehrerinnen noch nicht aus dem Dienst ausgeschieden seien. Ich persönlich fand, die Beschränktheit in der Perspektive sprach für die ganze Person.

  3. Ach ja, und vielen Dank für Ihren Wortbeitrag Herr Solf.

  4. anna solf says:

    um auch mal kurz ein statement abzugeben:
    ich bin eine der besagten töchter. mir gehts gut, ich finds schade, dass unser vater sich wieder abgemeldet hat, denn irgendwie wars witzig. zumal im studivz mitlerweile eh alle(s) egal ob studen oder nicht angemeldet ist/sind. aber interessant zu lesen, welche weiten die geschilderte situation zieht…wenn andre sich meinen kopf zerbrechen, brauch ich es ja nicht mehr tun ;-)

  5. Nun, das sollte schon jeder selbst tun, aber davon ein Mal abgesehen… wird es wohl nicht verboten sein, zu grübeln. ;)


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