Arrington und Co beweihräuchern altbackene Erfindungen
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Alles wird zum Hype stilisiert, überall wird so viel gepusht als nur irgendmöglich. Warum? Nun, weil es oft um Geld geht. Wie zu Zeiten der New Economy werden Dinge so schön geredet, dass irgendwann die Blase platzt, weil sie so viele hohle Euphemismen, lauter leere Lippenbekenntnisse eben nicht aushält.
Timo Heuer berichtet über Techcrunch und Michael Arrington. Dort wird jüngst ein österreichisches Produkt angepriesen, dass es ermöglicht, alle Computerdaten auf dem heimischen Rechner zu “taggen”. Das bedeutet, man hat die Möglichkeit Dateien Stichworte zuzuweisen, über die man sie später auch wieder indizieren und suchen lassen kann. Metadaten. Eine Säule des Web 2.0. Allerdings ist das jetzt angepriesene Tag2Find-Projekt die Wirbel nicht wert. Es bietet mehr Vereinheitlichung, mit Sicherheit. Doch es ist nicht das, als das es angepriesen wird, nämlich revolutionär und einzigartig.
Betriebssysteme wie BeOS (auch das heutige Zeta), MacOS, oder manches Unix-Derivat, aber beispielsweise auch das (noch) Hobby-OS SkyOS verfüg(t)en über Dateisysteme, die es den Nutzern erlaub(t)en, Metadaten in die Datei zu integrieren. Die Implementierung in SkyOS funktioniert tadellos und Besonders interessant war das für Multimediasysteme, da es die Arbeit mit Fotos, Musik und Video erleichterte. Lediglich das proprietäre Windows, das allerdings von vielen als Standard-Betriebssystem verwendet wird, bietet diesen Luxus nicht. Da kommt es gerade recht, wenn Arrington Tag2Find als Windows-Rettung ankündigt:
Austria-based Tag2Find, though, has created a nifty application that allows tagging for any type of desktop file. It only works with Windows machines running XP or Vista, and it relies on the .NET framework. In our testing on a XP machine, it did very well. (Techcrunch)
Wie gut, dass man bei Timo Heuer (TH) folgenden Informationsschnipsel findet:
Übrigens: Markus Hübner von Brandflow berät diese Applikation. Dann muss das einfach gut werden! (TH)
Abgesehen von der persönlichen Meinung Heuers von Herrn Hübner, wirkt es dann doch sehr irritierend, dass Hübner als Berater des Projekts folgenden Kommentar auf Techcrunch hinterlässt:
I do like this tool a lot! It’s a great time-saver and convenient to use.
Along with the recommendation-tag support this reveals the right information and files I am looking for. (Markus Hübner)
Entschuldigung, wenn ich diesen Wortbeitrag als Lobhudelei abtue, aber subjektiver kann ein Kommentar nicht wirken, bei derlei Verstrickungen. Lobhudelei im Übrigen, die ich unnötig finde. Das Produkt — ich selbst finde die Idee begrüßenswert — kann selbst jeder testen, sobald es aus der private Beta in den öffentlichen Teststatus gesetzt wird, und wird feststellen, ob es für ihn oder sie einen Gewinn darstellt. Den Machern von tag2find lässt sich im Moment noch zugute halten, dass das Produkt kostenlos angeboten wird. Ob es kapitalisiert wird, steht noch in den Sternen, aber dank des Berichts in Techcrunch könnte es bald dazu kommen.
Start-Ups, die gepusht werden, weil es um Geld geht. Das erinnert an Zeiten der New Economy. Wenn die Entrepreneure an der Börse mit dem Geld über solche Start-Ups spekulieren möchten, bitteschön. Aber bitte, bitte lasst mit den Euphemismen den kleinen Mann in Ruhe, der sehr viel Geld an der Börse verbraten hat, weil er auf Windeier wie Arrington und Börsengurus reingefallen ist. Leute ohne Verantwortungsgefühl, mit dem Sinn fürs schnelle Geld. Es steht Arrington frei, sich aus dieser Schublade selbst zu befreien. Doch in der Vergangenheit ist er eher negativ aufgefallen.
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Tags Arrington, Markus-Hübner, SkyOS, tag2find, Techcrunch, Timo-Heuer
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 3 Kommentare

Austria-based 
December 29, 2006 · 6:28 pm
Hallo Herr Trust, ich glaube in dem Beitrag werden einige Dinge vermischt.
Zu den einzelnen Themen:
a) Techcrunch
Der aktuellen Stellenwert von Techcrunch sowie das Standing von Michael Arrington ist gewiss ein eigenes Kapitel. Vor allem im Zusammenhang mit Vecosys & Co.
Hier bin ich zu wenig involviert um hier einen Überblick über die gesamte Entwicklung haben zu können.
b) tag2find
Dieses Projekt nun als Aufhänger für “das Gepushe” von Techrunch zu nehmen weil sich die Dinge in letzere Zeit zugespitzt haben, ist glaube ich dem Projekt gegenüber unfair.
Vor allem weil es mehr kann und innovativer ist als Sie es in Ihrer Darstellung darstellen. Es geht nicht nur um das “taggen” von Computerdateien. tag2find beschäftigt sich auch intensiv mit tag recommendation, automatisierten Vorschlägen, um den User zu unterstützen, mobility tagging (tags auf externen Devices) etc. Eine Reihe von weiteren Features stehen in Kürze zur Verfügung und werden in Anlehnung an die Entwicklung im Social Networking Bereich für weitere Synergien / Begeisterung sorgen.
Gerade für eine offene und transparente Berichterstattung sehe ich es unerläßlich sich genauer mit den Dingen zu beschäftigen und auch das ganze Bild wieder zu geben.
Sich das Tool auch einmal in der Praxis anzuschauen, hilft für einen tieferen Eindruck sicherlich auch gut.
Das ganze Thema verleitet sicherlich alte, heiße Eisen in der IT-Szene wieder aufleben zu lassen. Betriebsystem X gegen Y (man erinnere sich nur an die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen Windows & Linux Anhängern) und warum das eine Betriebssystem eigentlich eine größere Verbreitung verdienen würde und was daraus hätte entstehen können usw.
c) mein Beitrag
Ich finde meinen Beitrag alles andere als irritierend sondern transparent. Natürlich ist er subjektiv, genau darum geht es wohl auch in einem persönlichen Kommentar.
Wir unterstützen Unternehmen und Projekte weil wir daran glauben und auch die Begeisterung dafür mitbringen. Ich tue dies offen kund, ob auf Techcrunch, sonst wo online oder offline – in Gesprächen etc.
Ich handle aus Überzeugung und spreche auch offen darüber. Im Gegensatz zu einigen Stealth Marketing Initiativen wo mit verdeckten Mitteln / Identitäten versucht wird irgend ein Bild vor zu gaukeln.
Bin schon gespannt auf die weitere Entwicklung und freue mich auf einen spannenden Austausch mit allen Interessierten.
d) Aktuelle Situation rund um Web 2.0 & Capital Investors
Aufgrund der derzeit wieder aufgeflammten Begeisterung für New Economy in Verbindung mit Web 2.0
nun plötzlich alles in einen Topf zu werfen ist denke ich nicht der beste Ansatz. Gerade in diesen
Zeiten gilt es mehr denn je sich Zeit zu nehmen und die Dinge genauer zu begutachten. Dann trennt
sich auch sehr schnell die Spreu vom Weizen.
Bei tag2find sind verschiedene Ausgbaustufen in Planung. Es wird eine Home-version geben, die immer kostenlos zur verfügung steht.
Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Vorschläge nach einem Test des Tools.
Wünsche noch einen guten Rutsch ins neue Jahr und auf einen weiterhin anregenden Austausch.
December 29, 2006 · 7:32 pm
@Herrn Hübner: Zu a) muss ich nichts hinzufügen. Da stimme ich wohl weitgehend auch mit Ihnen überein.
Zu d) Ich bin Windows-Nutzer, habe diverse Systeme ausprobiert, aber bin ein pragmatischer Mensch, für meinen Arbeitsalltag brauche ich meine Tools, und nicht irgendwelche Dinge, die erst in Zukunft miteinander harmonieren werden. Aus diesem Grund “beobachte” ich viele Dinge, z. B. Betriebssysteme und alle Nase lang gebe ich ihnen eine Chance. SkyOS hat eine enorme Entwicklung gemacht, käme aber für mich derzeit nicht in Frage. Ich denke trotzdem nicht, dass Windows der Weizen ist, und der Rest nur die Spreu. Ein Tool wie Firefox hat bewiesen, dass es kompetitive Alternativen gibt.
Ob ein Produkt kostenlos ist, oder für Geld bezahlt werden muss, ist für mich kein Qualitätskriterium. Bzw. ist für mich im Text und auch sonst kein Argument, etwas “schlecht” zu finden. Ich habe einige Tools aus dem Sharewarebereich kostenpflichtig registriert, in anderen Teilen nutze ich Open Source-Anwendungen und aber auch vollwertige Software. Wenn das Projekt tag2find irgendwann Marktreife erlangt, könnte ich mir vorstellen, den Machern ein Interview anzubieten.
zu c) Ihr Beitrag ist “für mich” insofern irritierend, da Sie als “Berater” der Firma tätig sind. Das liest man bei Timo Heuer, das weiß man bestimmt auch, und man merkt es im Ansatz, wie Sie hier dazu Stellung genommen haben.
Wenn man sich ein wenig näher mit dem Projekt beschäftigt, wird man diesen Fakt wohl ebenso feststellen. Das sehen aber nicht sofort alle auf den ersten Blick, die Ihren Kommentar bei Techcrunch wahrnehmen. Ich weiß, der Vergleich wird jetzt ein wenig hinken, aber für Gewinnspiele gibt es z. B. die Regelung, dass Mitarbeiter der Firma von der Teilnahme ausgeschlossen sind. – Jede Meinung ist subjektiv, meine ja nicht mehr oder weniger als ihre, oder die von Herrn Heuer oder von Michael Arrington. Das empfinde ich auch nicht als problematisch. Aber wie Sie bei Timo im Blog bereits kommentierten, hat sich Arrington aus freien Stücken dazu entschlossen, das Projekt vorzustellen und zu bewerten. Ob Sie nun noch so sehr schwören, aus demselben Beweggrund gehandelt zu haben, es wird durch Ihre Nähe zum Projekt immer auch ein Rest-Verdacht übrig bleiben. Nennen Sie es bei mir die grundsätzliche Portion Skepsis. Selbiges würde aber ja auch für mich gelten, und das würde ich genauso interpretieren, wenn ich z. B. über meine Webseite berichte, oder mich in einem Interview zu meinen Projekten äußere. Ich wollte lediglich darauf hinweisen. Ironie oder Zynismus sind mir dabei die liebsten Helfer. Das ist, als wäre es mir in die Wiege gelegt worden. Es führt dann und wann zu Missverständnissen, aber auf jeden Fall bewegt es. Die Leute reagieren, sind aufgerüttelt. Das ist mir lieber, als wenn stillschweigend Gras über eine Sache wächst, und niemand Stellung beziehen möchte. Mein Internetprojekt trug mal den Untertitel: Welcome to discourse. Ich präferiere den Diskurs und so sehr man mit der Nadel stochert, so oft kann man trotzdem eine Lösung finden. In der Tat ist das vielleicht für den Mainstream ein wenig gewöhnungsbedürftig.
Ich bin auch gespannt auf die Entwicklung des Projekts, und möchte feststellen, dass Sie also mit Herzblut bei der Sache dabei sind. Wenn Sie in dem Projekt nicht nur eine Gelddruckmaschine sehen, dann ist es ja gut so. Denn dann kann man gesellschaftlichen Mehrwert erzeugen und muss nicht immer nur auf das Geld sehen.
Zu b) Das Wordpress-Plugin, das ich verwende, erzeugt auch mithilfe von Yahoo Vorschläge für Tags. Ich habe von dieser Option noch nie Gebrauch gemacht, weil mir der Sinn nicht danach steht, meine Kreativität von einer technischen Hebamme in den Würgegriff zu nehmen.
Sie sehen, wie ich die Situation wieder zuspitze. Aber auch hier wieder nur für mich selbst. Es gibt bestimmt viele Leute, die froh sind über Vorschläge, weil ihnen selbst nichts einfällt. Ergo ist aber zumindest dieser Punkt keiner, mit dem Sie mich locken könnten. *G* Ein Blog nimmt nicht für sich in Anspruch offen und transparent zu sein. Im Fall StudiVZ habe ich wenig Augenmerk auf den Datenschutz gelegt, als vielmehr auf die persönlichen Eskapaden der Macher. Letztere waren der Grund, warum ich dem Projekt entstagte und mich abmeldete. Ich habe die Wahl solche Leute zu unterstützen, oder eben nicht, und ich wollte sie nicht unterstützen.
Wenn Sie sich den Titel anschauen, dann ist er sehr reißerisch, er wühlt auf, er schlägt an. Aber dort geht es nicht darum, tag2find schlecht zu machen, sondern das Prinzip Techcrunch aufs Korn zu nehmen. Überhaupt wird dort nur wenig davon (tag2find) geschrieben. Im Falle der medialen Prostitution durch Arrington, nun, gibt es in einem Satz sehr viele Einschränkungen, und dann wird sehr schnell verallgemeinert auf Start-Ups. Die Entwicklung wird zeigen, wohin der Weg gehen wird.
Ich denke, dass Herr Heuer mich auf die offene Beta-Phase aufmerksam machen wird und wünsche Ihnen ebenso einen beschwingten Jahresausklang.
December 29, 2006 · 7:44 pm
Hallo Herr Trust, dann sind wir uns ja soweit einig
Was tag2find betrifft, da werden in den nächsten Wochen und Monate noch zahlreiche Features folgen und ich bin mir sicher, dass dann auch für Sie einige Highlights dabei sein werden. Was zählt ist das Produkt für sich selbst und dafür werde ich mein Möglichstes beitragen, vor allem auch den entstehenden weltweiten Input in die Entwicklung aktiv einfließen zu lassen (ganz unabhängig von Business Plänen & Co.)
Liebe Grüße!