Erste Synergien zwischen Fernsehen und Social Web: nun auch in Deutschland!
{1}IPTV wird mittelfristig beide Medien, Fernsehen und Internet, miteinander verschmelzen helfen. Auf dem Weg dorthin werden wir allerdings noch einige Synergien miterleben. Synergien in beide Richtungen. Das Web hält Einzug im TV und umgekehrt finden TV-Bilder ihren (legalen) Zugang ins Web. In Japan gibt es schon eine Weile eine Technorati.
Umgekehrt schließen Fernsehstationen mehr und mehr Verträge mit Social-Web-Plattformen wie YouTube oder MySpace, bieten dort ihre Inhalte an. Zunächst war der Gedanke, dass man aktiv gegen den Missbrauch von Urheberrechten vorgehen wollte. Dass das kein Selbstläufer ist zeigt sich seit kurzem. Es geht um Geld, genau genommen um Werbeeinnahmen. Berichten zufolge planen amerikanische Medienunternehmen (Fox, Viacom, CBS und NBC Universal) ihr eigenes YouTube-Pendant, um möglichst selbst von den massiven Werbegewinnen zu profitieren.
Die Bewohner Deutschlands sind in mancher Hinsicht keine Trendsetter mehr, wohl aber Nutznießer von Trends aus dem Ausland geworden. Im Fernsehen oder der Elektronik- und Videospielbranche zumindest macht das Ausland den Deutschen alle Nase lang etwas vor. Showformate wie DSDS, Big Brother, die Traumhochzeit, Jeopardy … alles schon ein Mal dagewesen, nur eben erst mit Verzögerung in unserer Republik. Das Tamagotchi war in den 90er Jahren ein ähnliches Phänomen, das Deutschland erst erreichte, als in Asien bereits die nächste Generation dieser elektronischen Haustiere sich für einen virtuellen Spaziergang herausputzte. Aiboo von Sony zum Beispiel; Nintendo brachte Jahre später die DogZ auf das mobile Videospielgerät DS und schickt sich an, mit der Wii Zeichen zu setzen. Wir mochten die Ninja Turtles und liebten die Klempnerbrüder Mario und Luigi, verschmähten auch den virtuellen Oberaffen Donkey Kong nicht. Produkte “Made in Germany” sind in ganz anderen Wirtschaftsbereichen angesagt und dort mitunter auch Trendsetzer, dies jedoch eher in Branchen, die nicht derart medial prostituiert werden, dass auch Hinz und Kunz davon Wind bekommen.
Was die Entwicklungen im und um das Internet herum anbelangt, so fungiert hier der Informationsfluss global. “Außer” in den ärmsten Ländern der Welt – ich schreibe das mit sehr viel Zynismus – und in jenen Ländern, da der Internet-Datenfluss absichtlich (der Link wurde nachträglich entfernt, da die Readers Edition keinen Wert auf die Blogosphäre legt) zensiert (der Link wurde nachträglich entfernt, da die Readers Edition keinen Wert auf die Blogosphäre legt) wird, gibt es kein Entrinnen. Also hat der typisch deutsche Internet-Konsument keine Chance, nicht mit den Hypes infiziert zu werden. Besonders das Web 2.0 funktioniert “viral”. Alles breitet sich aus, in Windeseile, wie eine Epidemie.
Was Technorati für Japan, das ist seit kurzem MyVideo für Deutschland. Zum einen gehören 30% der Anteile an dem Internet-Videoportal der ProSiebenSat.1-Media AG, und zum anderen wurde das Internet-Format zum 22. Dezember mit einer eigenen Sendung bei Sat.1 in die Fernsehwelt gehievt. Annika Kipp moderiert die Show und präsentiert die jeweils für den Zeitraum besten 25 Videoclips von myvideo. Die deutschen Fernsehzuschauer allerdings, sie müssen sich noch an derlei Synergien gewöhnen. Daniel Richter von TVBlogger hat für das Format nur vernichtende Worte übrig. Ganz offensichtlich ist er zudem nicht von solchen Video-Communitys und deren Inhalten überzeugt. Die Top 25 von MyVideo sind nach Richter durchaus “sinnfrei”. Außerdem sei der Konsum der Sendung “unsinnig”, und das ganze Konzept charakterisiert er als “Nonsens”. Doch Richters Kritik geht noch weiter: Die Moderatorin böte “keine glanzvolle Figur”, und letztendlich handele es sich lediglich um Crosspromotion. Folgerichtig startete die erste Folge mit einem schlechten Marktanteil von nur 6,3% (1,13 Millionen Zuschauern).
In den Kommentaren zum Eintrag bei TVBlogger wird außerdem von einem Armutszeugnis gesprochen, dass das deutsche TV sich mit diesem Konzept ausstelle. Diese Meinung teile ich nicht. Dabei geht es nicht darum, dass ich einen Großteil dieser MyVideo- oder YouTube-Privatproduktionen selbst eher als Nonsens ansehe. Sendeformate wie “Die witzigsten Werbespots”, “die dümmsten Diebe”, oder eine ganze Reihe weiterer Homevideo-Spaßsendungen haben mal mehr und mal weniger Zuschauer vor den TV gelockt. Klar kann man von Crosspromotion sprechen. Aber man darf nicht vergessen, dass das Internet als Informationslieferant fungiert.
Egal um welche Videocommunity es sich dreht, das Angebot ist riesig, und wahrscheinlich unerschöpflich. Die Fernsehmacher hatten vorher das Problem, dass sie auf Einsendungen angewiesen waren. Blieben diese aus, konnte man keine Sendung gestalten. Dieses Problem gibt es in Zeiten der Web 2.0-Produktionsgesellschaft nicht mehr, in denen jeder von passiven Rezipienten in gewisser Weise zum aktiven Produzenten aufgestiegen ist. Die Generation Web 2.0 hat eine äußerst niedrige Hemmschwelle und ein großes Bedürfnis nach Selbstdarstellung. In dem ganzen Wust finden sich dann und wann sogar Perlen der Kreativität.
Die Quoten der zweiten Sendung lagen bei 6,7% (1,26 Millionen Zuschauern). Gerade in der werberelevanten Zielgruppe erreichte man für den Sendeplatz von 23:15 Uhr mit 930 000 Zuschauern einen Marktanteil von 10,8%. Richter ruderte aus diesem Grund ein wenig von seiner ersten Stellungnahme zurück. Seine Meinung über die Sendung allerdings bleibt unverändert.
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Tags Big-Brother, DSDS, Internet, Jeopardy, MyVideo, Synergie, Tamagotchi, Trend, TV, TVBlogger, Web-2.0, YouTube
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar

July 2, 2008 · 8:49 pm
[...] Videobilder ?!!!!!! (DSDS-Casting-Ausschnitt, RTL) dazu ein, solche Angebote zu unterbreiten. Ob MyVideo, die ja nachweislich von der Konkurrenz betrieben werden darüber besonders schnell stolpern [...]