StudiVZ: Gründerszeneblog gratuliert dem Unternehmertum?!
{1}“Glückwunsch & vielen Dank an das StudiVZ Team und alle Unterstützer für den gelungenen Exit. Ich freue mich auch über das damit verbundene Mutmach-Signal an die gesamte Unternehmerzunft…” (gründerszene)
So liest sich das Gründerszene-Blog heute. Der “Exit” ist in der Tat gelungen, ging doch das StudiVZ für, wie es an vielen Stellen heißt, ungefähr 100 Millionen Euro über den Tisch. Ich kann die Glückwünsche im Kern nachvollziehen, aber absolut nicht nachempfinden, wie man in diesem Fall von positiven Signalen für die Unternehmerzunft schreiben kann. In meinen Augen bietet der gesellschaftliche Kontext der BRD einen Unterschied an zwischen Unternehmertum und Entrepreneurship. Es ist nicht dasselbe, zumindest nicht hierzulande (ausführlich werde ich diesen Gedanken für das Webprojekt “Webrausch” noch zu gegebener Zeit ausformulieren).
Und so kann ich eben kein Signal für die “Unternehmerzunft” darin erkennen wollen. Es ist eines, sich und andere für das schnelle Geld zu verkaufen, es ist etwas anderes, ein Unternehmen verantwortungsvoll “selbst” zu führen und in der Folge “eigene” Gewinne damit zu erwirtschaften. Jeder Unternehmer kann bestätigen, wie aufwändig es sich gestaltet, eine eigene Firma zu leiten. Wenn nun das kurze Anzünden und schnelle Wegwerfen ein Dienst für die Unternehmerzunft sein soll, dann allerhöchstens ein Bärendienst.
Die Zeit, in der Ehssan Dariani gezwungen wurde — weil er es musste —, ein Unternehmen zu führen, sie begann erst, als die Blogosphäre ein Auge auf das Treiben bei StudiVZ warf, allen voran Rainer Meyer alias Don Alphonso. Diese Zeit begann auch erst, als die Idee aus 2005 ein Jahr später ein Schub bekam, der aus einem virtuellen Spielplatz ein waschechtes Unternehmen machte, weil es die Umstände (explosionshaft wachsende Benutzerzahlen und mediale Aufmerksamkeit) erforderten. In St. Gallen mit besonders viel Naivität wirtschaftlicher Kompetenz ausgestattet, wussten die Macher von Beginn an, wohin sie das Schiff zu steuern hatten, Richtung Ausgang “schnelles Geld”. Das hat nicht im Mindesten etwas mit einer “Unternehmerzunft” zu tun, wie ich sie verstehe.
Kein Mensch dort (bei StudiVZ) hatte den Überblick darüber, was für Ausmaße das Potenzial dieser Plattform eigentlich annehmen könnte, wie die Macher einige Male dezent im hauseigenen Blog zum Besten gaben. Niemand hatte im Kopf, Leute in Arbeit zu bringen und einer Million Studenten einen Mehrwert zu generieren. Das sind Dinge, die ganz von selbst geschahen (aus einem Bug ein Feature werden zu lassen), weil es nicht anders möglich war. Mehr Aufwand erforderte mehr Ressourcen. Die (medial prostituierte) Koordination allerdings ließ Stückwerk vermuten und keine glasklaren Strukturen.
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Tags Dariani, Gründerszene, StudiVZ
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar

January 4, 2007 · 1:29 am
[...] Wiederholt erweckten die Gründer in der Vergangenheit den Eindruck, sich nicht der unternehmerischen Verantwortung bewusst zu sein, die eine schnell wachsende Netz-Community erfordert. Dies gilt umso mehr, da Sicherheitslücken zunächst geleugnet wurden. Erst nachdem die Unsicherheit von Nutzerdaten bei StudiVZ in Blogs demonstriert worden war, wurde durch das Engagieren von IT-Experten nachgesteuert. [...]