10. January 2007

Heuschrecke Doc Morris

Doc Morris-LogoErst letzte Woche bat mich ein Familienmitglied, ich möge doch mal im Internet nach “Doc Morris” schauen. Im Radio hätten sie davon gesprochen, sei eine Internetapotheke und sehr günstig. Gesagt, getan. Ich öffnete also vor den Augen des Großvaters den URL von Doc Morris in einem Browserfenster. Doch ich hatte bereits vorher beschwichtigend und ergänzend vorgetragen, dass ich diese Internetapotheke kennen würde, zumindest vom Namen nach.

In der Vergangenheit hatte ich für die Familie einige Male über eine Internetapotheke Bestellungen aufgegeben, bei einer Apotheke meines Vertrauens. Damals lieferte sie aus den Niederlanden noch versandkostenfrei, heute gibt sie mir unerklärlichen Sofortrabatt, der die Versandkosten wieder egalisiert, die man nun offensichtlich berechnen “muss”. Ich sollte eine Art Gesundheitskapsel, so etwas wie ein nahrungsergänzendes Präparat bestellen. Da ich gewohnt bin, immer auch Preise zu vergleichen, habe ich zu der mir bekannten auch noch einige andere Internetapotheken in die Suche mit einbezogen. Die Ernüchterung beim Familienmitglied stellte sich erst langsam ein, nachdem ich erläuterte, dass Doc Morris abgeschlagen am oberen Ende der Preisskala läge. Bestellt hab ich das Präparat an dem Tag trotzdem, aber bei der Internetapotheke meines Vertrauens. Inklusive Versandkosten und Sofortrabatt war diese nämlich um bald 3 Euro billiger.

Nachträglich werde ich freudig gestimmt, dass ich diesem durch Heuschrecken (Kapitalinvestoren) gestützten Mini-Mammut der Branche nicht zusätzliche Erträge besorgt habe. Die Analogie zwischen Heuschrecken und Kapitalinvestoren stammt von strappatos Site “Stationäre Aufnahme”. Dort erfährt man so Einiges über Zahlenspiele, PR und leere Versprechungen, die einen sehr unseriösen Rahmen für ein Unternehmen bilden, das im Gesundheitssektor tätig ist. Doch Doc Morris ist am Ende vielleicht nicht mehr als eine vom Kapital getragene Marke, mit deren Namen Geld verdient werden soll. Davon abgesehen, dass man den Pillendrehern (Pharmakonzernen) kein Beinchen stellen kann (Report Mainz berichtete am Montag in der ARD von den Machenschaften der Pharmaindustrie: “Wie Generikahersteller die Politik vorführen“), so etwas ist gesellschaftlich nicht vertretbar. Gesundheit und Bildung sind und bleiben in meinen Augen zwei Bereiche, in denen nicht neoliberale Wirtschaftlichkeits-Kriterien den Primat bilden sollten.

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