Einen Mann für unter die Erde
Ein bisschen PR in Lyssas Sache hat Don Alphonso betrieben, indem er einen Verweis auf die Internetseite dieser dunkelhaarigen Powerfrau unter einen seiner Artikel mischte. Es sei ihm verziehen, immerhin ist Lyssa eine Augenweide. Wer Lyssa wirklich ist, werden wir auf Anhieb nicht erfahren, da ihrem Internetauftritt das Impressum fehlt. Gehen wir davon aus, Lyssa sei nur eine fiktive Kunstfigur, obwohl wir bei Robert Basic erfahren können, dass es anders ist. Hinter der Figur gibt es eine Person, die im wirklichen Leben Chefin der WAZ online ist. Auf den Seiten von Lyssas Lounge findet sich eine Erzählung über einen Arztbesuch, denn Lyssa ist krank, und Freunde, Familie und sonstige Personen um sie herum, wollten nicht locker lassen, sie zum Arztbesuch zu drängen. An dessen Ende steht der Kommentar einer alten Dame aus einem Wartezimmer, in dem Lyssa gesessen ist: “Ach je, Sie müssen ja erst mal einen Mann finden, den Sie dann unter die Erde bringen können.” (Lyssas Lounge)
Was hat es mit diesem Ausspruch auf sich? Warum zitiere ich ihn hier? Nun, er zeigt sehr schön, wie Leute es manchmal gut meinen, und damit trotzdem negative Saiten zum Klingen bringen. Der Ausspruch dieser alten Dame schürt ein Vorurteil, das sich einreiht in einen ganzen Komplex von Ressentiments, die allesamt ins selbe Horn stoßen. Die kränkliche, alte Dame impliziert mit ihrer Aussage nämlich, dass es das Normalste von der Welt ist, wenn Lyssa einen Mann findet. Nicht, dass Lyssa — das Foto auf der Website zeigt eine unheimlich attraktive Frau — nicht einen Mann finden könnte. Aber wer sagt, dass Lyssa überhaupt einen Mann finden will? Was, wenn Lyssa auf der Suche nach einer Frau ist? Das ergraute Frauenzimmer aus dem Wartezimmer hat damit, vielleicht sogar ungewollt, ihr Unbehagen gegenüber Homosexualität ausgedrückt.
Da ich von einer Kette von Vorurteilen sprach, wollte ich noch auf einen Artikel in der Readers Edition hinweisen, der dazu einlädt, einen Teil dieser Vorurteilskette zu diskutieren. Holger Much schrieb darüber ob, und wie Kinderlose in der BRD diskriminiert werden (der Link wurde nachträglich entfernt, da die Readers Edition keinen Wert auf die Blogosphäre legt). Im Kommentarstrang zu dem Artikel finden sich Aussagen, die analog zu jener gesehen werden können, die die alte Dame im Wartezimmer tat. Denn immer implizieren sie ein Vorurteil. Ob sie es nun gut meinten oder nicht. Einer der Kommentierenden beispielsweise formuliert den Gedanken, dass das Bild einer Familie mit Kindern eben das Normalste von der Welt sei. Man vergisst schnell, dass eine Familie kein Selbstzweck ist, und dass es durchaus auch rationale Überlegungen geben kann, die einer derartigen These Rückhalt bieten.
Ein wenig flapsig formuliert, findet sich nämlich in der RE an der Stelle ein weiterer Kommentar von Marco Kanne (der Link wurde nachträglich entfernt, da die Readers Edition keinen Wert auf die Blogosphäre legt), der Kinderkriegen ganz pragmatisch im Hinblick auf die Alterssicherung (auch indirekt via Einzahlung in die Rentenkasse) charakterisiert. Das ist jedoch schon der einzige Gedanke von Herrn Kanne, den ich in diesem Kontext anbringen kann. Und selbst in dieser Sache ist, anders als Herr Kanne es formuliert, die ökonomische Notwendigkeit nicht die Freiheit, die er an diesem Punkt gerne sehen möchte. Die “Alimentierung”, von der Kanne schreibt, sie hingegen ermöglicht, zumindest in diesem Kontext die freie(re) Wahl in puncto Nachwuchs zeugen. Allerdings sind wir alle nicht frei von Vorurteilen. Die Dinge, die uns dazu bringen, sie als “Ideale” zu betrachten (sie sind hinterher das Normalste von der Welt), bilden erst den Ursprung für unsere Ressentiments. Der Primat der Vollzeitarbeit und der ganzheitlichen Beschäftigung beispielsweise, er führt auch dazu, dass Personen, die keine Arbeit haben, oder aber alternative Arbeitszeitkonzepte verfolgen, von Teilen der Gesellschaft (zu Unrecht?!) mit einem Bösen Blick gestraft werden.
Hinzufügen zu del.icio.us, Mr. Wong, LinkARENA, SEOigg
Tags Arbeit, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung, Don-Alphonso, Holger-Much, Kinderlose, Lyssas-Lounge, Marco-Kanne, Vorurteil
Kategorie Glocal, Politics · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare
