12. January 2007

Jauch doch nicht zur ARD. Kommt jetzt Plasberg?!

Eine kleine Sensation im Transfergerangel für den Posten der Nr. 10 im Team der ARD ist gestern amtlich geworden. Günter Jauch wird nicht die Nachfolge von Sabine Christiansen antreten.

Nachdem die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt bereits vor zwei Jahren einen attraktiven Transfer tätigten, und Harald Schmidt als Libero in ihr Lager lockten, sah es für die Prima des öffentlich-rechtlichen TV-Betriebs lange Zeit sehr gut aus im Tauziehen um Starmoderator und Showmaster Günter Jauch. Doch jetzt kommt alles anders.

NDR Intendant Jobst Plog charakterisierte das Vorgehen im Falle Jauch als dilletantisch:

„Den Entschluss von Günther Jauch bedaure ich außerordentlich. Wir haben uns in den Vertragsverhandlungen mit ihm auf ein Ergebnis verständigt, dass den ursprünglichen Forderungen der ARD entsprach. Die Intendanten der ARD haben dieses Ergebnis einmütig akzeptiert. Der Vertragsschluss wurde durch eine Reihe von Indeskretionen und Nachforderungen aus einigen Landesrundfunkanstalten und deren Gremien gefährdet. Vor diesem Hintergrund habe ich Verständnis für den Entschluss von Günther Jauch. Ich bin zugleich in Sorge, ob es der ARD in Zukunft noch gelingen wird, einen Fernsehstar ähnlichen Formats für sich zu gewinnen.“ (Zitat via TVBlogger)

Offensichtlich gab es einige Diskrepanzen, und man fühlt sich an geplatzte Transfers aus jüngerer Vergangenheit in der Fußball Bundesliga erinnert, und auch gewisse Trainerwechsel gerieten arg in Gefahr, weil man bei den Verhandlungen zu unseriös vorging, zu wenig verschwiegen. Das Zitat von Jobst Plog allerdings, und weitere Stimmen, die man bei TVBlogger präsentierte, sie offenbaren noch viel Zündstoff, der sich zwischen den Zeilen findet. Anders als TVBlogger-Redakteur Michael Pliet bin ich nicht der Meinung, dass Jauch bei der ARD nicht glücklich geworden wäre. Denn: Bei der ARD hätte er auf jeden Fall mehr Wirkungsradius gehabt. Seine Quizsendungen in allen Ehren und das boulevardeske SternTV ebenso. Im Ersten hätte Günther Jauch meiner Meinung nach weitaus politischere Formate initiieren können. Er “hätte” auf diese Weise eine neue Form von Verantwortung übernehmen können, die fernab von SKL-Werbespots mit Palmen und Sandstränden sich abspielt. Es ist mehr als schade, dass die ARD es vergeigt hat, das Charisma an Land zu ziehen, welches politische Inhalte im Ersten wunderbar ans Volk gebracht hätte. Das Land hat nicht viele Ikonen wie ihn, und manche trauen sich auch einfach nichts zu.

Die Konkurrenz aus Köln (RTL) hingegen freut sich. Wie zu erfahren war, hat der Kölner Privatsender in vielen seiner Nachrichtenformate vom Verbleib der Ikone im eigenen Team berichtet. Ob man das jetzt so interpretieren kann, ist freilich eine berechtigte Frage. Mit Sicherheit ist das in irgendeiner Form auch PR in eigener Sache. Allerdings glaube ich, dass viele andere TV-Sender und auch Print- und Onlinemedien über dieses spektakuläre, geplatzte Wechselgeschäft berichten werden. Ein Sender wie N-TV, der zur RTL-Gruppe zählt, würde dann natürlich wieder etwas euphemistischer mit der Nachricht umspringen.

In der Folge tritt sofort Frank Plasberg (Hart aber fair) wieder als Alternative aus dem Überschatten Jauchs heraus. SWR-Geschäftsführer Peter Voß äußerte sich bereits optimistisch. Plasberg selbst würde sich ebenfalls über ein Engagement freuen, dementierte allerdings, dass bereits jemand an ihn herangetreten sei. (via TVBlogger)

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