Bertelsmann und Burda: Eine Initiative für Bildung?!

Veröffentlicht am  30. Januar 2007 von  

Anschub” heißt ein neues Gemeinschaftsprojekt der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit der Felix Burda Stiftung. Von der Bertelsmann Stiftung und deren neoliberalen Bildungskurs habe ich während einiger Recherchen zu Seminararbeiten in der Soziologie bereits gelesen. Doch das Projekt jetzt wirkt wie eine Lachnummer.

Anstatt wirklich Wichtiges zu tun, möchte man Gesundheit zu einem Schwerpunktthema in der Schullaufbahn werden lassen. Nicht falsch verstehen, Gesundheit ist wichtig. Angeblich möchte man dies tun, um einem Trend entgegenzusteuern. Rund 2 Millionen Kinder und Jugendliche seien in Deutschland übergewichtig. Wieviele davon leben in Armut, sodass sie umgekehrt bald schon an Unterernährung leiden? Gesundheit steht in direkter Verbindung zur Bildung. Nicht ganz falsch. Die (kognitive) Leistungsfähigkeit wird bei entsprechend gesundheitlichem Lebensstil befördert. Doch Unterschiede in der Ausstattung mit kulturellem Kapital sorgen für Schieflagen und Ungleichbehandlung im Bildungssystem. Dieses schließt nach unten ab. Es wirkt am Ende zynisch, wenn man Hauptschülern, die wissentlich als Arbeitslose auf Halde herangezüchtet werden, nun in Zukunft erklären möchte, dass sie viel Obst und Gemüse zu sich nehmen sollen. Noch dazu mit der schrägen Behauptung, das hätte positiven Einfluss auf ihre Bildungskarriere (vgl. Pressemitteilung). Denn diese generalisierende Aussage ist so nicht statthaft. PR eben. Sich hinstellen, einseitig Gutes zu tun, ist in meinen Augen nicht die feine Englische.

Profitieren tun von solchen Ratschlägen nur diejenigen, die sowieso schon einen Vorteil von der Organisation im Bildungssystem genießen. Wenn Bertelsmann wirklich etwas für Bildung tun will, sollte es keine neoliberalen Entwürfe für Elitenzüchtung produzieren, und Referenzrahmen etablieren helfen, die zu mehr Eigenverantwortlichkeit von Hochschulen führen; diese dürfen im Umkehrschluss sehen, wie sie Bildungsstandards und -niveaus im harten marktwirtschaftlichen Wettbewerb führen. Akademiker und Lehrende befürchten auf lange Sicht sogar ein Hochschulsterben. Davon abgesehen sollte die Einflussnahme wirklich bereits in der Schule beginnen. Allen positiven Studien zum Trotz und allen Erfolgen aus anderen Ländern zuwider handelnd, möchte man (möchten die Bildungskader) in Deutschland keine gemeinschaftliche Schulform einführen, damit Bildung (kulturelles Kapital) auf einer breiter angelegten Basis erzeugt wird.

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