Joost: Trash und was noch?
Die Skype-Gründer nehmen langsam Fahrt auf mit ihrem Joost-Projekt. Stichtag, an dem das P2P-Mediensystem, für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird ist nach heutigem Stand der Dinge der 30. Juni dieses Jahres. In der Zwischenzeit bleibt man keineswegs untätig. Man möchte der Zielgruppe Inhalte bieten, um sie zu locken. Zu diesem Zweck schlossen die Joost-Betreiber nun erste Verträge.
Schade nur, dass diese Verträge bislang wenig hochwertiges Videomaterial versprechen. Zunächst sowieso auf den amerikanischen Markt fixiert, angelte man sich mit Viacom einen immerhin nahmhaften Partner. Verträge wurden geschlossen, die es Joost erlauben werden einige Hundert Stunden bewegtes Bildmaterial von Viacom zu verbreiten. Im Gegenzug verpflichtet man sich, die Urheberrechte zu sichern. Nachdem vor kurzem die notwendige Software auch für den Mac ans Laufen gebracht wurde, kann man nun entspannt an die Akquise von Inhalten denken.
Was wird man zu sehen bekommen? Die Gerüchteküche darf brodeln. Im Wallstreet Journal ist die Rede von bewegten Bildern aus dem Bereich, den Viacom via Kabel in Amerika verbreitet. Dazu zählen u. a. MTV, Comedy Central und Spike TV. Für den ein oder anderen wird sicherlich etwas dabei sein. Es ist auch die Rede davon, dass Joost Filmmaterial von der Viacom eigenen Paramount Studios zeigen wird dürfen. Zuvor hatte Joost sich bereits mit Endemol und Warner Music geeinigt.
Das lässt auf viel Trash und Unterhaltung schließen. Von American Idol, Big Brother, über TNA Wrestling, CSI New York, Ultimate Fighting, und vielem anderen, findet sich bei Viacom sehr viel populärkulturelles Angebot. Was das Ganze auf jeden Fall bedeutet, ist der Verfall von Landesgrenzen bei der Regulierung von Fernseh- und Musikangeboten. Jetzige Fernsehanbieter werden von zukünftigen Software-Infrastrukturanbietern abhängig, und die deutsche Medienaufsicht oder eine GEZ wird vollkommen vom Kopf auf die Füße gestellt. Der Sinn solcher Institutionen wird hinterfragt werden, weil wirtschaftliche Zwänge es notwendig machen. Ein Regionalcode für DVDs wird obsolet werden und es wird noch ein Mal ein Impuls für das globale Zusammenwachsen geleistet. Würde mich nicht wundern, wenn Kids in Zukunft Wrestling bei Joost und nicht mehr bei Tele 5 schauen.
Gut, wer kennt schon TNA Wrestling?! Es gibt genug. Darüber hinaus werden anderen Anbieter nachziehen, und es schaut bereits jetzt danach aus, dass es ein Oligopol von Inhalteanbietern in Kooperation mit Software-Infrastruktur-Anbietern wie Joost und anderen geben wird. Es wäre ungünstig, wenn man sich keine Konkurrenz schaft, da man sonst zu sehr in Abhängigkeit geraten würde, und das mögen die Granden des Fernseh- und Musikbusiness bekanntlich nicht. Denn ansonsten würde es immer so Aussehen, als müsste man sich den eigene Kuchen mit anderen teilen.
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