23. February 2007

Von Studenten, übers SchülerVZ

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Dass dort nicht grad regelmäßig gebloggt wird, ist okay. Dass aber Aufklärung von Studierenden im akademischen Feld als PR missverstanden wird, will mir nicht in die Gehirnwindungen eindringen. Meine Neuronen werden mit Aussagen wie der folgenden nicht richtig schwanger:

Da sich beim mittlerweile mehr oder weniger etablierten StudiVZ immer mehr Schüler anmelden, haben die Betreiber jetzt Abhilfe geschaffen. Mit dem SchuelerVZ wird den Anmeldungen von Schülern im Studentenportal ein Riegel vorgeschoben. (Studenten-Blog)

Holtzbrinck ist so freundlich und isoliert die angehenden Akademiker?! Nein… oder doch? Alumnis sind erwünscht, Kiddos nicht? Es haben sich immer mehr Schüler angemeldet. Sag bloß, wo sind denn die alle? Wenn nicht gerade in der Oberstufe Gymnasium und vielleicht schon Mal sitzengeblieben, würden die Angemeldeten gegen die AGBs vom StudiVZ verstoßen und sich nebst Löschung der Accounts eventuell sogar strafbar machen, oder hab ich da was falsch ausgelegt?! Sie müssen das 16. Lebensjahr vollendet haben, damit 17 sein, und im weitesten Sinne als Student oder Studentin gelten. Das kann freilich jeder, der sich bildet. Ob alt, ob jung. Mit unter den Teppich fällt auch der Alpha-Status der angeblichen Errungenschaft.

Von dem mir unverständlichen Argument geht dann die Logik so weit, zu sagen, damit würden jetzt den Anmeldungen ein Riegel vorgeschoben. Ist dem so?! Im Prinzip ist alles wie vorher. Sicherlich zieht so ein virtuelles SchülerVZ-Ghetto eventuell manche in ihren Bann, aber die könnten ja auch multiple Onlinepersönlichkeiten ausbilden. Ich kenne Leute, die haben bei bald jedem Web 2.0-Service einen Account, noch dazu als Schüler. ;) Frechheit. Ehrlich. Was bilden die sich ein, warum lassen die sich nicht ins Schüler-Ghetto sperren. Erobern einfach jeden Winkel dieser virtuellen Welte, womöglich auch jener respublica virtualia, bestimmt aber in Teilen die unterirdischen Höhlengänge von WoW. Unerkannt vom virtuellen Tageslicht lebt es sich zwischen Zwergen und Orks etwas unbeschwerter. Man denke an Joichi Ito, der sich auch auf der 23ten C3-Konferenz zum Thema Online-Rollenspiele geäußert hatte, und der trotz Business-Welt nicht auf solche Dinge wie Kochen oder einen Trinken gehen verzichtet. Es soll ja manche “Professionals” geben, die ihre heile Welt um ausschließlich virtuelle Komponenten organisieren.

Was mich also bewegt? Ich finde es unbedacht, zu formulieren, die Macher des StudiVZ hätten aus dem im Studenten-Blog benannten Impetus heraus gehandelt. Man steht unter Zugzwang und muss Möglichkeiten schaffen, gewisse Zielvereinbarungen zu erreichen. That’s (imho) the reason why they’re engaging on the field of pupils right now. Nicht Nächstenliebe sondern ökonomischer Zwang; man kann ja hier bald schon nicht mehr von Notwendigkeit sprechen, gibt es doch immerhin schon genug Konkurrenz auf dem Markt der Schülercommunities. Auch zur Konkurrenz verliert der Autor im Studenten-Blog natürlich Worte:

Auch wenn es gerade im Schülerbereich mit Chat-Communities wie zum Beispiel Kwick, MySpace oder JoinR enorm viel Konkurrenz gibt, wird der Eigentümer Holzbrinck schon einen beträchtlichen Teil des Potentials abschöpfen können. (Studenten-Blog)

Davon abgesehen, dass man dort dem Betreiber von StudiVZ Unrecht tut, heißt der doch Holtzbrinck, wird hier – vielleicht gar absichtlich? – auf die Nennung der “eigentlichen” Konkurrenten verzichtet. MyStubz, Schülerrg, u. a. m. Man könnte meinen, die Damen und Herren hätten einen Vertrag mit dem Berliner Bonkerrr geschlossen. Ein wenig ähnelt die Berichterstattung ja dem PR-Journalismus über das StudiVZ, der nach der Akquise des virtuellen Studentenportals sich ähnlich devot zeigte. Zum Glück, *g*, gibt es ja den Karsten, der in der Materie drinsteckt und auch aufklärt, wenn andere es ihm zum Nachteil gereichen lassen wollen.

Und auf der Karriereleiter der sozialen Netzwerke würde man, von einem Holtzbrinck-Ghetto ins nächste Stolpern. Und am Ende der Fahnenstange stünde ein BusinessVZ, das XING Konkurrenz machen wird.

Warum sollte er (der Schüler, Anm. d. Red.) nicht, wenn er seit er denken kann einem Netzwerk treu geblieben ist, mit dem Eintritt ins Arbeitsleben in ein vielleicht bald kommendes ‘BusinessVZ’ eintreten? Dies könnte sogar eine ernstzunehmende Konkurrenz zu XING, ehemals OpenBC werden. Und dann wäre auch das Monetarisierungsproblem gelöst, denn Berufstätige können sich Premiumversionen leisten. (Studenten-Blog)

Tja, warum eigentlich nicht?! Nun, vielleicht, weil Gleichschaltung nicht Jedermanns Sache ist, und auch nicht sein sollte. Studierenden, aber auch anderen sei Gotfriends ans Herz gelegt. Nicht alles auf der Welt kostet Geld, und Gotfriends wird seine Energien nicht damit erschöpfen, Werbeformate für Halsabschneider zu entwickeln, sondern sich auf Zusatznutzen für alle Beteiligten fokussieren. Mehr über die Wikipedia der sozialen Netzwerke bei eben Wikipedia. Mir fällt auch nicht ein, warum wir die neuerliche Heuschrecke Holtzbrinck in ihrem Treiben unterstützen sollten. Mir will es indes immer noch nicht mit meinen Neuronen harmonieren, warum Studenten ihre Kommilitonen derart unausgewogen informieren wollen. Ah, now I have a clue: Shit happens. ;)

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Kategorie Media · Autor · 9 Kommentare


9 Kommentare

  1. Kommentar von Daniel H.
    February 23, 2007 · 8:26 pm

    Nur mal für die Korrektheit: Vollendetes 16. Lebensjahr heißt 16. Wieviele Lebensjahre hast du vollendete, wenn du 1 Jahr alt bist? :o )

  2. Kommentar von Alexander Trust
    February 23, 2007 · 8:33 pm

    Ehm, dann würde ich gerne über die Wortbedeutung diskutieren. Vollenden heißt zu einem vollen Ende bringen… vollendet drückt aus, dass das schon geschehen ist. Wenn man also 16 Lenze schon vollendet hat… na ja, sei’s drum, irgendwas ist ja immer. ;)

  3. Kommentar von Cordobo
    February 24, 2007 · 12:55 am

    Der Hype xyzVZ ist in spätestens einem Jahr verflogen – ähnlich wie es stayfriends und anderen Vorgänger-Communities ergangen ist. Treue? Fehlanzeige.

  4. Kommentar von Alexander Trust
    February 24, 2007 · 1:02 am

    Na ja, die Damen und Herren dort haben halt die PR-Mitteilung vom StudiVZ gelesen, aber als Akademiker sollte man weiter denken können als bis über die Zeilen eines solchen Pamphlets, von daher find ich’s ein wenig fahrlässig. Wir werden sehen, in welche Richtung es sich entwickelt.

  5. Kommentar von Timo
    February 27, 2007 · 1:35 am

    Hi!
    Vielen Dank für das Feedback und die Betrachtung des Posts aus einem neuen Blickwinkel. An “multiple Onlinepersönlichkeiten” hab ich nun wirklich nicht gedacht. Und den Eindruck einer “Gleichschaltung” zu erwecken, lag mir natürlich mehr als fern. Eigentlich sollte der Beitrag relativ neutral, vielleicht etwas mehr aus allgemeiner Marketing-Perspektive als aus Studenten-Sicht, einen Aspekt der Thematik etwas näher beleuchten. Dass viele Punkte offensichtlich anders ausgelegt und betrachtet werden können ist logisch, aber der Länge des Beitrags und der Recherchezeit nicht entsprechend. Die hier entstandene Diskussion sollte man aber in naher Zukunft mal in einem längeren Post aufrollen.
    Merci
    P.S. Wer Rechtschreibfehler findet, kann sie behalten ;-)

  6. Kommentar von Alexander Trust
    February 27, 2007 · 1:40 am

    Ehm na ja… ich gebe zu, meine Schreibe ist immer ein wenig… nun ja, nennen wir sie “anders”. ;) Ich hab halt gesehen, dass ihr die Infos auch aus der Pressemitteilung entnommen habt, und ich bin eben bei solchen Infos eher skeptisch.

  7. Pingback von YAMB.BETA² » Links vom 01.03.2007 [del.icio.us]
    March 2, 2007 · 12:15 am

    [...] Von Studenten, übers SchülerVZ (Sajonara.de) Na kommt, ihr wollt es doch auch! [...]

  8. Pingback von Zur Aufklärung: Holtzbrinck hat überall die Finger drin - Sajonara.de - Internetmagazin
    March 8, 2007 · 3:29 am

    [...] epidemische Züge an. Die neoliberale Krake greift um sich. Es fehlt wirklich nicht mehr viel zur Gleischaltung. Wieviele Töchterfirmen und Schwesterunternehmen kann eine einzelne Firma als Briefkästen [...]

  9. Pingback von Campus Captains, … contra Fake-Generation-StudiVZ - Sajonara.de - Internetmagazin
    March 14, 2007 · 3:03 am

    [...] schon ein Mal dazu geführt haben, dass ganz schnell ganz viele Barrieren fielen und eine gewisse Gleichschaltung stattfand. Manche Historiker argumentieren rückwirkend immer, dass die Zeit für solche Aktionen [...]

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