Kurzes Stelldichein
{1}Der/das BILDBlog wurde nach dem Redesign des Onlineauftritts des Springer-Organs “Die Welt” zunächst als Blog-Vorschlag in der Rubrik Medien geführt. Das ist allerdings nun schon wieder Geschichte, und das, obwohl weder Stefan Niggemeier noch der BILDBlog das gefordert hatten. Der oder die Werbeblogger sind ebenfalls nicht mehr im Blogschaukasten von Welt Online dabei. Beim Widerspruch habe man aber, wie lanu es ausdrückt, nicht so viel Tamtam gemacht wie Rainer Meyer.
Als Don Alphonso von der Blogbar von seiner Verlinkung beim, wie er es nennt, “rechtsreaktionären Drecksblatt” von Springer erfuhr, ließ er sich von Welt-Online aus den Blogempfehlungen entfernen, und zwar mit markigen Worten. Stefan Niggemeier indes kritisiert den Duktus des Patronen aus der Blogbar. Dieser würde quasi vorschnell Pulver verschießen, weil er das Attribut “rechtreaktionär” in der Vergangenheit schon ein Mal verwendete und somit zu einer Nivellierung der Ausdrucksstärke beiträgt.
Die Blogosphäre diskutiert nun allerdings die Frage, was möglich ist und was nicht. Im Kommentar-Diskurs unter dem Eintrag von Stefan Niggemeier geht es zugegeben hin und her. Es gibt die Seite pro Alphonso und die anderen Seite, die es überzogen und nicht nachvollziehbar findet, wenn man in der Konsequenz den Link löscht. Aber der Alphons lässt vom Leder und nennt in der Folge alle, die sich in dem speziellen Diskurs nicht auf seiner Seite befinden, den “verfilzten Berliner Blogfreundeskreis”. Jörg-Olaf Schäfers, der nicht aus Berlin kommt, fragt sich indes, ob er denn von der “Blogdiva” (gemeint ist Don Alphonso) zum Filz dazugezählt würde, denn immerhin interpretiere er die ganze Angelegenheit als albern und sonst nichts.
Rainer Meyer ist in dieser Sache konsequent, andere interpretieren es als überzogen. Wenn man allerdings seine Linie nicht durchzieht, was bleibt am Ende noch übrig? Ein Haufen loser Kompromisse, Wischiwaschi? Die Figur Don Alphonso verkörpert eine glasklare Einstellung zum Leben, wenn nicht sogar eine Ideologie. Würde sie einen Finger breit davon abweichen, wäre sie unglaubwürdig, wie viele Menschen dort draußen, die nichts weiter sind als Opportunisten und Fähnchen im Wind. Eine Meinung zu haben, sollte keine Schande sein, und für diese einzustehen kann nicht mit so viel Spott und Hohn bedacht werden, dass die eigene Konsequenzhaftigkeit sie nicht immer überwiegen würde.
Ob Rainer Meyer im wirklichen Leben ähnlich konsequent vorgeht, das konnte auch das dreiteilige Interview in der Readers Edition nicht enthüllen. Allenfalls ein paar kleinere Widersprüche oder Unterschiede zwischen der realen Person und der virtuellen Figur wurden deutlich. Ich wollte mich schon längst einer genauen Analyse des Interviews angenommen haben, bin leider bislang noch nicht so weit gekommen, und irgendwann kräht auch kein Hahn mehr danach. Und es wird ihm Einseitigkeit vorgeworfen, die Kommentatoren in der Blogbar allerdings – nicht nett – als “tumbe Claqueure” (zu Dt.: einfältige, bestellte Beifallklatscher) bezeichnet. Ich selbst bin einer von jenen, und fühle mich durch diese unbedachte Aussage diskreditiert. Ich glaube aber auch nicht, dass Alphons sehr großen Wert auf Applaus liegt. Er weiß, dass er mit seiner Meinung alleine (leider) nicht den neoliberalen Schlamm übertünchen kann, der an allen Ecken und Enden aus unserer derzeitigen Gesellschaft quillt.
Ist Don Alphonso vielleicht sogar der “Bohlen von Blogersdorf (sic!)” wie er sarkastisch von Limited genannt wird? Für das Blog-Bistro liegt der Unterschied im Humor; in seiner verbalen Präsenz kommt Don Alphonso mir in der Tat manchmal wirklich wie ein Bohlen vor. Allerdings ist er weitaus politischer, als Dieter Bohlen jemals sein wird. Und das lässt sich nicht nur an den Ablehnungs-Icons gegen Schwarz und Gelb, also gegen Konservative und Liberale (die in der Mischung den Neoliberalismus auf den Weg brachten), auf den Seiten des Rebellmarkt-Blogs ablesen. Das Wohnzimmer von Don Alphonso beheimatet kein neoliberales Gedankengut, und das ist gut so!
Johnny Häusler von Spreeblick bereichert den Kommentar-Diskurs bei Stefan Niggemeier u. a. mit dem folgenden Statement: “Wenn irgendeine andere Website durch einen Link für die ‘Glaubwürdigkeit’ einer anderen Site verantwortlich sein kann, dann müsste mir mal jemand den Begriff erklären.” (Johnny Häusler) – Soll ich am Ende wirklich derjenige sein, der es ihm erklärt? Zumindest kann ich es ja mal versuchen, mit einer Analogie, die ich häufig verwende, wenn es um derlei Dinge geht. Es wird allerdings nicht einfach werden, weil man dafür schon ein gewisses ideologisches Verständnis mitbringen muss, das im Hintergrund das eigene Weltbild oder den eigenen Lebensstil prägt (,und über ebenjenes verfügt der Alphons).
In der überzogenen Interpretation, muss man es so sehen: Jemand, der nicht kategorisch alles ablehnt, was von einer gewissen Richtung kommt, der kann sich nicht davon freisprechen, in irgendeiner Form zu kolaborieren oder zu sympathisieren. Es gibt etliche Kader, die behaupten, unter Adolf H. aus Ö. wäre auch nicht alles schlecht gewesen. Das ist allerdings ein mehr als unangebrachter Handschlag mit der Ideologie, die hinter dieser Person versammelt stand. Man kann nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen wollen, der fremdgeht, wenn man selbst schon ein Mal fremdgegangen ist. Das zumindest empfinde ich so. Und das muss man als letzte Konsequenz verstehen wollen, um Don Alphonsos Vorgehen gutzuheißen.
Ob es nun Links gibt oder nicht, spielt dabei keine entscheidende Rolle. Für Johnny Häusler aber schon, fragt er sich doch, “wie das wohl wäre, wenn SpOn o.ä. darauf bestehen würde, nicht mehr von Blogs verlinkt zu werden. Egal aus welchem Grund. Die Freiheit des Internet wäre gefährdet, ziemlich sicher.” – Mit Sicherheit ist die Freiheit des Internets nicht gefährdet, allenfalls würde man einer medialen Eigenschaft des Netzmediums (der Viralität) ein Schnippchen schlagen. Denken wir die Sache doch bewusst ein Mal zuende. Begeben wir uns an die Anfänge des Internets. Alles stand mehr oder weniger unverbunden in der virtuell erreichbaren, für global geheißenen Öffentlichkeit; die Technik hinter den Blogsystemen mit Pingbacks und Trackbacks hat das Potenzial für eine Linkinflation zu sorgen. Das ist allerdings schon alles. In einem Werbespot heißt es: Wer hat’s erfunden?! Hier müsste es heißen: WIE hat man’s gefunden?! Ja wie hat man sich denn früher durch das Web bewegt? Kataloge und Suchmaschinen haben das virtuelle Nirvana durchforstet und es erlebbar gemacht. Wenn man als Webtipp in Printausgaben vorkam, hat man seine Leserschar erhöht, und sowieso von Mund zu Mund über Chats, Mails und sonst wie haben Webseiten von sich Reden machen lassen.
Was Anderes ist aber das Sammelsurium an Bloglinks bei Welt Online als ein kleiner Katalog?! Einige der Herren haben sich in Fällen schreibend engagiert, als es um Dolzers, Glembotzkys oder ähnliche Gestalten des Web 1.0 oder 2.0 ging. Es gab Domainengel und es gab Blogkataloge, die mit Inhalten der Weblogs von anderen spielten, sie missbrauchten. Eine Sammlung von Links macht das eigene Produkt, sei es eben nur ein Blogkatalog interessant, und die reiben sich die Hände und verdienen Geld damit. Das gefiel denselben Herren nicht, und man ging gegen die Dolzers und andere vor. Medial, mit der Brechstange oder ohne – das sei dahin gestellt. Warum wird jetzt hier etwas so heiß gekocht?! Wenn es an anderer Stelle doch gut war, seinen eigenen Blog aus dem Portfolio eines Dolzer-Kataloges entfernen zu lassen?! Nun will Welt-Online auch Geld verdienen, und der Springer Verlag möchte das.
Es selbst nicht zu lesen, wie Johnny Häusler bekundet, ist freilich eine gute Sache. Über einen kleinen aber feinen Blogkatalog sich für die unbedarften Webnutzer herauszuputzen, und so im Endeffekt des Springers Kassen zu füllen konterkariert dann jedoch das Nicht-Kaufen schon wieder. Alles für die Katz! Des Springers Blogschaufenster, und X und Y geben sich dafür her. Des Alphonsos Abneigung gegen den Link ging doch nicht im Geringsten gegen das Link-Prinzip des Internets, sondern nur gegen den Springerkonzern. Natürlich darf man dann abklopfen, wie konsequent jemand in einer Sache ist. Eine Seite hat zwei Medaillen, und wenn Johnny Häusler die eine Seite geschildert hat, dann habe ich hoffentlich die andere Seite ein wenig deutlicher machen können.
Und nur, um dem Diskurs noch mehr Futter zu bieten: In meinem eigenen Blog wurde mir im Kommentar auch vorgeworfen, dass ich dann noch einen Link auf die Person (den Artikel) gesetzt hätte. Abgesehen davon, dass dieser es völlig in den falschen Hals gekriegt hat, wäre es in meinen Augen ein Unding, über jemanden zu schreiben, ihn aber nicht davon wissen zu lassen. Zumindest für den Fall, dass es in die Öffentlichkeit gelangt. Von Tagebüchern redet keiner. Ach ja, wie schön, dass wir uns im Kreis drehen würden, wenn wir jetzt noch behaupten würden, Weblogs seien nichts anderes als Tagebücher 2.0.
Jeder kann es lesen, und ich bin mir sicher, mein Namensvetter hätte sich umgekehrt ebenso beschwert, wenn er durch irgendwen irgendwann davon Wind bekommen hätte, dass ich über ihn schreibe, und es ja nicht nett sei, ihn nicht darüber zu unterrichten. Ich schreibe mit offenem Visier und für mich sind Pingbacks erforderlich, um den Leuten die Chance zu geben, darauf zu reagieren. Was zuletzt in Sachen [tag]Readers Edition[/tag] geschah gibt der Diskussion obendrein noch Futter aus einer ganz anderen Richtung. Da ich “nachträglich” alle Links zu Readers Edition aus diesem Blog entfernt habe, bleibt aber meine Informationsverpflichtung davon unberührt, da in jedem Fall die Pingbacks erfolgten, so auch jetzt.
Häusler weiter: “Links sind frei, ich kann sie mir nicht aussuchen und ich werde keine Gesinnungskontrolle einführen um bestimmen zu können, wer mein Blog mag oder verlinkt oder liest. Der einzige Weg Stellung zu beziehen oder Haltung zu zeigen, ist mit dem eigenen Zeug, mit eigenen Worten, nicht über Linkzensur. Und wenn von 100 WELT-Lesern einer bei bildblog bleibt: Prima.” – Das Linkprinzip ist frei, aber was ist an einem Link bitte “frei”? Ob er da ist oder nicht, das tut freilich nichts zur Sache. Wenn einige Bloggerkollegen noch vor nicht allzu langer Zeit ihr Missbehagen ausdrückten, darüber wie schwer die Onlinepräsenzen von der Printpresse sich damit taten, Links zu setzen und ihre “Quellen” eben nicht angaben. Schande über diese Häupter. Außerdem ist es eben nicht “prima” wenn man jemanden als Gehilfen gutheißt, dessen Ideologie man indes ablehnt. Der Autobahnbau von Adolf H. aus Ö. darf wieder herhalten. Wie kann man auch nur ein gutes Wort daran finden, oder es gar denken?! Wenn er nicht gewesen wäre, hätte wann anders jemand den Deutschen die Autobahnen beschert, dazu braucht es keinen Diktator, der die Welt mit Krieg überzieht. Natürlich überzieht der Springer-Verlag die Welt nicht mit Krieg (tut er doch nicht, oder? Haben die jemals Waffengeschäfte gesponsort?). Es sind aber nicht Äpfel oder Birnen, sondern es geht um’s Prinzip. Wenn man als Frau dem eigenen Männe ständig eine Freundschaft zu einer anderen Frau ankreidet, dann müsste man sich selbst schadlos gehalten haben. Ist das nicht der Fall, macht das Argument gar keinen Sinn mehr. Wenn man als Amerikaner den Iranern einen Dialog aufzwängen möchte, sollte man sich gut überlegen, mit wie viel Doppelmoral, Heuchelei und Opportunismus man an die Sache geht. Denn auch Iraner sind nicht dumm, und durchschauen, und lassen sich nicht übers Ohr hauen. Dumm sind vielleicht diejenigen, die nicht verstehen wollen, warum man nur dann eine Chance mit seinen Argumenten haben kann, wenn man glaubwürdig ist. George W. Bush ist nicht glaubwürdig, und muss daher nicht auf ein Einlenken hoffen. Es gibt so viele Beispiele aus der Geschichte, aus der heutigen Zeit, die prima dieses Prinzip verdeutlichen würden.
Was der Alphons hier praktiziert hat, kann man in meinen Augen nicht in Frage stellen wollen. Ansonsten würde das Prinzip, es doch zu tun, die Glaubwürdigkeit sofort in Frage stellen. Und Johnny Häusler liefert quasi das Argument dafür, schreibt er doch von “Gesinnungskontrolle”. Was ist denn, wenn es nicht Welt Online, sondern die Vereinnahmung durch Rechtsradikale wäre? Ich erinnere an mein Beispiel mit dem Schaufenster weiter oben, und ich erinnere an etliche Kulturschaffende (z. B. Literaten und Musiker), deren Werke von den Nazis für ihre eigene Ideologie missbraucht wurden. WENN man in dieser Sache weiterkommen will, muss man entweder sagen, ganz oder gar nicht. Ein Link ist im Internet durchaus auch eine Form von Inhalt.
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Tags BILDblog, Demokratie, Don-Alphonso, Freiheit, Johnny-Häusler, Link, Readers-Edition, Spreeblick, Springer, Stefan-Niggemeier, Web-2.0, Welt
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar

February 26, 2007 · 11:37 am
Ringelpietz…
Wenn, wie dieses Jahr, der schmuddelige Herbst in einen schmuddeligen Frühling übergeht, dann fängt der lustige Reigen, das “Ringelpietz mit Anfassen”, eben schon mal früher an. Dann stehen sie alle im Kreis und strullern sich fröhlich an die H…