8. March 2007

Don’t go: Ein Song, und was man daraus machen kann

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Ich bin kein wirklicher Audiophile, aber ich höre gerne und so oft es geht Musik. Mein Geschmack ist divers. Ein wenig Oberwasser haben vor allen Dingen melodische Titel, und ich mag Musik, die meine Stimmungen ausdrückt, unterstützt, oder sich sonst wie zu ihnen verhält. Als Kind der 80er habe ich den Synthesizer-Boom so gerade eben noch miterlebt, weil er erst in den 90ern abschwappte und dort zumindest in Form von Kompilationen und Ramschware in ausgesuchten Kaufhäusern noch zu erwerben war.

Synthpop war neben anderen, eines der weitverbreitetsten Genres in diesen Tagen. Eines der Lieder, die in den 80ern besonders dazu einluden, auch als Instrumentalversion auf einem Synthesizer-Sampler zu landen war Don’t Go von Yazoo. Jeder hat bestimmt schon ein Mal “Cover”-Versionen von irgendwelchen Songs erlebt; ist es nun ein Segen oder ein Fluch? Müssen sich die Artisten, die gecovert werden geehrt fühlen, oder sich im Grabe umdrehen? Diese Frage einseitig zu beantworten ist nicht möglich, da Geschmäcker eben verschieden sind, und sich daraus unterschiedliche Antworten in Bezug auf die gestellten Fragen ergeben können.

Es gibt allerdings manche Songs, Don’t Go ist einer davon (Fade to grey ein anderer, und wäre wohl ein adäquateres Beispiel), die werden unheimlich oft gecovert, und mit einer gewissen Regelmäßigkeit noch dazu. Diese Songs erleben über Jahrzehnte hinweg eine Renaissance. Meiner Meinung nach ist das ein gutes Mittel, wie man gewisse Dinge über die Zeit rettet. Natürlich erheben Puristen die Stimme und werden sagen, das hat nichts mehr mit dem Original zu tun. “Nichts” würde ich in keinem Fall sagen; auch Literatur, die Motive und Themen aus anderer Literatur aufgreift und verwendet, nimmt Bezug auf ebenjene. YouTube sei Dank, kann ich ein paar der vielen vielen Coverversionen von “Don’t go” an dieser Stelle in einen Diskurs stellen, über den Sinn und Unsinn von Coverversionen im Allgemeinen, aber auch von jeder einzelnen Fassung für sich selbst. Diese Liste ist, da auf YouTube und andere mir bekannte Video-Web 2.0-Angebote beschränkt, natürlich nicht vollständig.

Den Anfang macht – das Original – Yazoo.

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Yazoo kamen im Jahr 1982 zueinander. Hinter Yazoo verbergen sich Vince Clark, der als Gründungsmitglied von Depeche Mode und Songschreiber zu jener Zeit bereits  Fuß gefasst hatte und Alison Moyet. Letztere hatte eine Anzeige aufgegeben, in der sie als “kraftvolle Sängerin” eine Blues-Band suchte; Clark meldete sich bei ihr (vergleiche Biographie, engl.). Don’t Go ist die zweite Single, die von beiden entstand, und im Sommer 1982 veröffentlicht wurde.

Die 1990er waren keine Coverwüste. Auch hier gab es Coverversionen, ich weiß zumindest von einer, zu der ich jedoch kein Video fand. – Nicht ganz auf dem Zeitstrahl einordenbar ist die Interpretation durch die “So 80′s”-Formation aus der MADHEN Production. Da dieser Dance-Act nicht vor 2002 existierte, muss der Song auf jeden Fall in dem Jahr oder später produziert worden sein.

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Ebenfalls aus 2002 stammt die Trance-Interpretation von André Visior, wie André Balser aus Frankfurt sich mit Künstlernamen nennt. Leider gibt es dazu kein Video, bei einem der mir bekannten Services. Überhaupt muss ich gestehen, haben nur die Dienste von YouTube und Google Video, die ja quasi nur noch an der Oberfläche getrennt sind, Material in Sachen Don’t go geboten.

In 2003 gab es einige Sampler, die im Bereich der elektronischen Musik den Markt mit Coverversionen überschwemmte. Gemeint sind die Trance Eighties. – Dass sich der Bereich der elektronischen Musik sehr gerne dem Song Don’t Go annimmt, zeigt auch Soraya Arnelas in 2006 mit ihrer Interpretation des Liedes. Ein Video zu dem Titel kann ich wohl nicht anbieten.

Eine “leicht” düstere Interpretation aus demselbe Jahr, die zudem im Musikvideo äußerst lasziv daher kommt, liefern Terminal Choice.

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Was sich dem Namen nach nicht Deutsch anhört ist es aber dennoch. 1995 startete Terminal Choice als Einmann-Projekt von Chris(tian) Pohl. In der Biographie der Band heißt es zur heutigen Zusammensetzung: “Die Berliner Band wechselte seit 1997 ihre Formation und besteht heute neben Chris Pohl, aus Jens Gärtner (Drums), Gordon Mocznay (Gitarre), Sven Louis Manke (Gitarre) und Sebastian Pellmann (Pyrotechnik).” Sehr extravagant indes das Musikvideo.

Sehr ausgefallen die eigenwillige Interpretation des Songs durch die französische Band Nouvelle Vague. Das Cover erschien wie die Fassung von Terminal Choice in 2006, auf dem Album Bande à part. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man das Musikvideo für einen von vielen Jeans-Werbespots  auf der Welt halten.

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Typisch Trance und eigentlich Dancefloor ist ein weiteres Remake aus 2006. Starting Rock featuring Diva Avari. Sehr selbstbewusstes Auftreten der Sängerin, die durchaus etwas Stimme in den elektronischen Background bringt. Keine Möglichkeit also, das Ganze als rein elektronisches Getröt in eine Schublade stecken zu wollen. Allerdings erinnert der Song recht stark ans Original, wenn man vom Video absieht. Wer genau hinhört wird auch einige Tonspuren wiedererkennen, die schon in anderen Dancefloorstücken als Markenzeichen dienten; ich erinnere z. B. an Rollergirl mit Dear Jessy.

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Das Jahr 2006 bot eine Inflation an Coverversionen von Don’t go. Denn so stammt eine spanische Interpretation des Songs aus dem Jahr. Leider kommt man nicht so ohne weiteres auf national-spezifische Musikinformationen zu finden, wenn man sich nicht im Fachvokabular auskennt. Sprechen wir lieber von einem Register. Wörter eben, die in einer fremden Sprache dieselbe Thematik abdecken, die man in der Muttersprache oder anderen recht gut intus hat. So kann ich jedenfalls aus den spärlichen Informationen, die mir vorliegen, nicht gar so viele Informationen über den Titel von “Loud” – “Ni una razón” ausfindig machen.

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Haut mich persönlich nicht vom Hocker. Wenn jemand Spanisch lernen möchte, ist der Song sicherlich geeignet, weil der Sänger nicht zu schnell formuliert. Ein wenig dringender und fordernder und auch nicht zwingend die Oberkannte der Messlatte ist der Verschnitt von DJ Marcky, alias Marc Mertens aus Belgien. Erneut ein Remake, das in 2006 produziert wurde.

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Wenn wir ein Mal ein Auge darauf haben, wieviele Coverversionen in einem Jahr erscheinen, dann hätte ich wohlmöglich immerfort mit diesem Blogeintrag zu schaffen. Natürlich liegt es an mir, mich zu beschränken, und deshalb möchte ich es bei der kurzen Stippvisite, die uns YouTube bietet, und die ich kurzfristig ausfindig machen konnte, belassen. Aus meiner persönlichen Musiksammlung könnte ich noch weitere Versionen beisteuern, manche sogar fremdsprachig. Ich würde mich freuen, wenn dieser Anknüfpungspunkt vielleicht die Möglichkeit bietet über das Thema ins Diskutieren zu geraten.

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Kategorie Media · Autor · 9 Kommentare


9 Kommentare

  1. Kommentar von Falk
    March 9, 2007 · 12:58 pm

    (Un-)Sinn von Coverversionen? Da mach ich mir auch innerhalb einer Radiosendung nun schon über 3 Jahre Gedanken dazu und komme bei der Frage nie zu einem Ergebnis. Zu unterschiedlich die Interpretationen oder Herangehensweisen von Künstlern an eben diese aufgewärmten Sachen. Es bleibt wie generell bei Musik eben Geschmackssache. Und vor allem kann man den Faden ja auch ins Endlos spinnen und die Beeinflussung muss sich ja nicht einmal in einer Hommage an bestehende Werke niederschlagen, sondern können auch nur Teile eines neuen Songs sein.

    Witzig ist meist eigentlich eher, wenn über ein Cover dann die Original-Interpreten entdeckt werden ;)

    Zur Inflation von Coverversionen hat meiner Meinung aber auch die Verwertungsmachinerie der Musikindustrie beigetragen. Die durch kurzsichtige Denkweisen Bewährtes in schnell verdientes Geld umsetzen wollten. Denn einen Song nachproduzieren halte ich für weniger aufwändig, als etwas von Null auf zu kreieren (egal wie hoch die Einflüsse bei Letzterem sind).

  2. Kommentar von Alexander Trust
    March 9, 2007 · 1:24 pm

    Kann man nicht auch sagen, dass zur eigenen Kreation ein gewisses Quentchen an Inspiration und Kreativität “mehr” notwendig ist, als “nur” eine Version zu covern? Solche Diskussionen führt man schon im Barock nach dem Mittelalter. Früher wurden quasi bald ganze Werke beinahe im Wortlaut abgeschrieben und vielleicht nur um eigene Kapitel ergänzt und trotzdem fand man es kunstvoll.

    Harold Innis hat eine Geschichtsphilosophie entwickelt, die eine negative Utopie enthält. Derzufolge erreicht jede Gesellschaft einen Stand, an dem irgendwann ihr Zenit erreicht ist, und folglich wird sie nie wieder solch einen Höhepunkt erleben. Wenn man sich Bollywood und andere ansieht, könnte man meinen, das trifft in dem Bereich von Film und Musik auch zu.

    Persönlich habe ich aber keine Vorurteile gegenüber Remakes. Manche finde ich ganz ansprechend. Und ja, es ist in meinen Augen normal, wenn man z. B. über das Remake erst das Original kennen lernt. Das gehört mit zu dem Aspekt der Tradierung, den ich oben ansprach. Wenn wir die Remakes nicht hätten, oder wenn nicht heute noch in der Literatur Motive und Figuren aus der Mythologie oder der Bibel verwendet würden, dann hätten wir vieles von dem einfach vergessen. Der Geschichtsprozess ist gnadenlos. Wie sollen denn sonst Leute mit sagen wir 30 Jahre alter Musik in Kontakt kommen, wenn in ihrer eigenen Umgebung schon mehr als genug Musik da ist. Der Informationsfluss verdrängt immer schneller die Dinge, die ein Mal da gewesen sind. So zumindest unserer Wahrnehmung. Wir könnten uns allerdings dagegen zur Wehr setzen. Nur das kostet ein Stück weit “Kraft”. Weil man sich einer Norm widersetzen müsste. Man wird von den Leuten sonst schief angesehen dafür, dass man eben nicht “up to date” sondern “Retro” ist. Und das ist ja nur Retro, weil es eben die heutige Perspektive zu bezeichnet. Wenn man sich davon freispricht, dann ist eine Musik wie die andere, und eine Information wie die andere.

    Gibt es beim Radio Leute, die darüber ächzen, wie viele Musik es eigentlich gibt, und dass man gar nicht alles spielen kann? Und gibt es Leute, die sich Gedanken machen, wie man Oldies konservieren kann?

  3. Kommentar von Falk
    March 9, 2007 · 2:23 pm

    Also kulturhistorisch dürften wohl irgendwann die Coverversionen von Johnny Cash in die Analen eingehen. Hier ist der Effekt ja sogar noch größer gewesen und hat über populäre Songs, die Fans dieser zu Johnny Cash geführt.

    Aber du hast schon recht, es gibt sogar rechtlich einen Unterschied zwischen Coverversion und Bearbeitung, denn letztere sind urheberrechtlich ziemlich schwierig zu handhaben ;)

    Zu den letzten beiden Fragen kann ich eigentlich nur für uns antworten: Wir selektieren auch vor, aber eher in der Form, dass jeder Moderator selbst entscheidet, was er gut findet und in sein Programm aufnimmt. Das Übliche heutzutage dürften da eher Musikredaktionen sein, die eine Vorauswahl treffen, was dann im Radio gespielt wird. Bei den Dudelfunkern scheint das sogar noch etwas drastischer zu sein und diese nehmen nur die Top100 der letzten 3 Dekaden in ihr Programm auf oder das, was das Verdummungs-TV vorkaut. Und ja, man hört hin und wieder Klagen über die VÖ-Schwemme, die meist im Frühjahr und kurz vor Weihnachten ihren Höhepunkt erreicht.

    Zum Thema Oldies konservieren hab ich mir persönlich ja auch schon Gedanken gemacht, allerdings steht verträglichen Lösungen da oft genug das Urheberrecht im Weg. Ich wäre persönlich dafür, dass man nach 10-20 Jahren Musik als gemeinfrei erklärt und damit den Rahmen schafft, diese auch sinnvoll zu archivieren. Sowas wie archive.org eben in ganz groß beispielsweise. Ich find es nämlich auch erschreckend, dass einerseits die Back-Kataloge der Plattenfirmen löchrig sind, man andererseits auf legalem Wege kaum die Chance hat, bestimmte “Klassiker” zu bekommen.

  4. Kommentar von Alexander Trust
    March 9, 2007 · 2:27 pm

    Gibt es Leute, die sich in dem Bereich engagieren? Quasi solche Archivierungs-Aktivisten? Irgendeine Foundation oder dergleichen? Oder so eine Seite wie “Wir haben GEZahlt.”

  5. Kommentar von Falk
    March 9, 2007 · 2:35 pm

    Wüsst ich jetzt ehrlich gesagt nicht, dürfte aber ein recht spannendes Thema sein.

  6. Kommentar von Falk
    March 9, 2007 · 2:41 pm

    Nachtrag: Es gibt das Deutsche Musikarchiv, welches wohl den Bestand an Tonträgern, welche seit 1976 erschienen sind, beherbergt. Hab da auch noch in Erinnerung, dass die wohl mit Auflösungsproblemen von CDs zu kämpfen haben.

  7. Pingback von FALK stands for FUCK ART - LETS KILL! » Mal wieder was für mich
    March 9, 2007 · 3:55 pm

    [...] Link: Don’t go: Ein Song, und was man daraus machen kann [...]

  8. Kommentar von Patrick
    March 9, 2007 · 4:01 pm

    Wo du ein Synthie-Stück aus den 80ern genommen hast, sollte man in dem Bereich auch auf die Unmengen an Bootlegs und Whitelabels denken, die so mancher DJ mit sich rumschleppt und welche nur mit guten Kontakten, über eBay oder anderweitig zu besorgen sind.

    Und besonders was 80′s Kram angeht gibts da so einiges an mit House-Beats unterlegtem – momentan dröhnt hier oft “You spin me around” von Dead or Alive durch die Boxen, welches ich unlängst als Bootleg in nem DJ-Podcast hören konnte. Und im Gegensatz zu einem Cover handelt es sich dabei im Großen und Ganzen um den Refrain mit Effekten und Housebeats – sehr einfach gehalten und sehr tanzbar :)

  9. Kommentar von Alexander Trust
    March 9, 2007 · 4:01 pm

    Tja, generell ist über die Geschichte der Medien (Datenträger) festzustellen, dass die Halbwertszeit immer kürzer wurde. Tontafeln von damals, die man heutzutage bei irgendwelchen Ausgrabungen findet, die sind Tausende Jahre alt und beherbergen meist immer noch die Informationen von damals. Und im Vergleich zu Festplatten sind Bücher ja Gold wert. Die Amerikaner (und wohl auch andere) entwickeln ja an der Tesla-Waffentechnik. Magnetresonanz… Wenn die einsatzfähig sind, wird man gegnerische Computersysteme zerstören können. Dann sind Festplatten etc. total ungeschützt. Angenommen sowas kommt mal in falsche Hände, tja… dann wird die Menschheit mit ihrem Wissen dort anfangen, wo sie vor vielen vielen Jahrhunderten schon mal war. *G*

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