StudiVZ: von der, pardon, Fickbörse?!
{1}Moral ist, was die Leute daraus machen. Also: Schaut mich nicht so an. Das böse Wort mit f, wir haben es schon vorher oft gehört. Wenn wir uns alle selbst befragen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?!
Bei der alltäglichen StudiVZ-Recherche fallen immer wieder sehr, sehr viele persönliche, tagebuchähnliche Blogeinträge an, von Leuten, die – mal mehr mal weniger – kein Blatt vor den Mund nehmen. Dieses Mal hab ich einen Eintrag erwischt, der die Fakten beim Namen nennt, und schildert wie “sie” angemacht wurde, obgleich sie einen Freund hatte. Warum ich dazu noch Worte verliere? – Vielleicht, weil mich der Eintrag von “ihr” wieder daran erinnert hat, wie willkürlich unsere (moralischen) Kategorien eigentlich sind.
Dieser Artikel, das sage ich direkt dazu, hat nicht den Anspruch, StudiVZ zu kritisieren, noch möchte ich die Schreiberin des Artikels in irgendeiner Weise an den Pranger stellen, oder die Inhalte, die sie publiziert. Sie wurde angemacht. Im StudiVZ. Und, obgleich sie in einer Beziehung steckt, wollte der Kollege Student aus dem Holtzbrinck-Ghetto sich einmischen. Auch das ist mehr oder weniger eine willkürliche Verabredung. In diesem Fall hat die Dame das Spiel nicht mitspielen wollen. Sie findet das Studiverzeichnis deshalb “immer wieder interessant“.
Dringen wir nun in die Privatsphäre von ihr ein?! Ich glaube nicht. Ist sie in die Privatsphäre des anderen eingedrungen, da sie sein Werben um Geschlechtsverkehr der Web-Öffentlichkeit in ihrem Livejournal anvertraut hat? In meinen Augen jedenfalls keine Frage, die des Streitens wert wäre. Die Frage ist, wie wollen wir Leben? Bevorzugen wir Monogamie? Polygamie? Das ist im Wesentlichen eine Weiche, die wir in dem persönlichen Bahnhof unseres Lebens stellen können. Diejenigen, die sich unbedingt zu den Angehörigen des Abendlandes zählen wollen, werden in den allermeisten Fällen entscheiden, sich der Monogamie anzuschließen.
Es gibt Kulturkreise, in denen hoppelt der Hase eben anders. Und auch bei uns, so denke ich, hoppelt der Hase oft anders, wenn keine Hand vorgehalten wird. Wir Westeuropäer lieben den Opportunismus, die Doppelmoral. Sie ist quasi ein Findelkind von uns. Davon ein Mal abgesehen, scheint das Weibchen in diesem Fall recht wacker, tut sie sich doch dem Werben des Studenten erwehren. Wenn man das dann noch öffentlich macht, wirkt das Ganze fast schon als Auszeichnung an den eigenen Partner. Wir können für “ihn” hoffen, dass er “ihren” Eintrag liest, damit ihm die Ehre zuteil wird, die sie ihm gerne zusprechen möchte. Und, was soll ich euch sagen, natürlich wurde ihm die Ehre zuteil. Eine redselige Person hat keine Geheimnisse. Und dann stan se zosamme.
“Gleichzeitig hat Rasmus ihm noch eine Nachricht mit folgendem Text geschrieben:
Das ist ja sehr nett von dir, dass meiner Freundin sagst, dass sie hübsch ist (Find ich auch
)… Aber sie gleich auf einen potentiellen Beischlaf abzuchecken find ich dann doch eher daneben. Also lass mal gut sein, ja?
” - So heißt es in ihrem Livejournal. Wenn ihr Freund sich jetzt noch zutrauen würde, jedes Mal ein “E” vor seinen Namen zu heften, wenn er sich virtuell fortbewegt, würde er als Institution für viele viele Studierende dienlich sein können, die sich aus dem Ausland kommend, in Deutschland versammeln. Ich weiß, ich weiß, ein Kalauer. Nun hat dann *Slang an* ihr Macker einen auf dicke Hose markiert *Slang aus* und wir hätten alle Schubladen gefüllt. Sind nun alle zufrieden?! Irgendwelche Einwände? – Bei Blogdoch.net findet sich ein anderes Beispiel, wo die virtuelle Holtzbrinck-Affären-Vermittlungsinstanz anscheinend gute Dienste geleistet hat. Die Stirn runzeln wird man wohl bloß, weil die Beteiligten nicht hundertprozentig konform im Bonkerrr unterwegs waren. “Sie” hatte sich nach anfänglichen Anmachen einen Fake-Account eingerichtet, und “er” war “nicht Mal” Student. Spaß gemacht hat’s beiden offensichtlich trotzdem.
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Tags Beischlaf, Doppelmoral, Erasmus, Livejournal, Moral, Opportunismus, Philosophie, Rasmus, Sex, Student, StudiVZ, Tagebuch
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar

May 29, 2007 · 10:27 pm
[...] die auf den ersten Blick von einem StudiVZ-Nutzer kam, nicht von den Betreibern. Es gibt Leute, die schon lange vor den Machenschaften von Holtzbrinck und dem StudiVZ warnen. In solchen Momenten möchte [...]