Buchpfade prostituiert sich?!
{6}In meinen Augen tun sie es. Da führt kein Weg dran vorbei. Vor kurzem informierte ich in einem Artikel über zwei weitere Investitionen von Holtzbrinck. Das ist nun eine eindeutige Richtungsweisung in der Firmenpolitik von Holtzbrinck. So viele Internet-Investitionen sprechen eine eindeutige Sprache.
Bereits in den Kommentaren zum Artikel meldete sich ein Verantwortlicher von Lovelybooks – *Ironie an* bezeichnend dieser für Belletristik und Literaturverliebte so eingängige Name?! *Ironie aus* Dass man mit dem Domainnamen bei der Generation @ punkten kann, soll vorkommen. Generell ist das Durchschnittsalter von Lesenden in diesem Land jedoch deutlich über demjenigen von Scriptkids oder Daddelfiebernden anzusiedeln.
Gut ist, wenn es Alternativen gibt. Zumindest Oligopole tun den gesellschaftlichen Strukturen genug Spielraum lassen, sich ausgewogen zu positionieren. Die Ausgewogenheit scheint sich im Bereich der sozialen Netzwerke für Leseratten jedoch nicht einzustellen. Als Projekt von Studierenden gestartet, gibt nun Buchpfade allen seinen registrierten Nutzern – ich bin einer davon – bekannt:
“Das buchpfade.de-Team hat ein paar Neuigkeiten; diese gleich kurz und knapp vorab: Um Dir eine zukunftssichere Plattform bieten zu können, haben wir uns entschlossen in den nächsten Wochen buchpfade.de mit einer neuen Plattform, Lovely Books (www.lovelybooks.de) zusammenzuführen. Hierfür werden wir Dir die Möglichkeit bieten, einfach und ohne Datenverlust auf eine Plattform mit großem Potential umzuziehen” (eMail von Buchpfade)
Zukunftssicherheit hätte eine Plattform wie Buchpfade also nie erreichen können? Ein sehr bedenkliches Selbsteingeständnis von Leuten, die offensichtlich nie den rechten Glauben gehabt haben, und nun den Schwanz einziehen, wie es so schön heißt. Es heißt, man führt die Datenbestände zusammen. Das heißt für mich, ciao ciao Buchpfade. Eine äußerst kurze Liaison, die wir da eingegangen sind. Zu schade auch, dass der eigene Blick anscheinend keine Ideen und Visionen enthielt und das nötige Engagement sich als ernsthafter Konkurrent positionieren zu wollen nicht vorhanden war. So geht eine kurze und wenig leidensfähige Web 2.0-Identität von Buchpfade demnächst in den Klauen von Holtzbrinck in Unkenntlichkeit auf. Wenn im Land der Dichter und Denker ein Elfenbeinturm gut zu Gesicht steht, möge man sich dort oben verschanzen.
Die Schlusswörter der Macher:
Wir denken, dass wir mit diesem Schritt eine sehr gute Lösung gefunden haben. Du kannst mit Deinem gesamten Bücherregal langfristig-gesichert weitersammeln. Das CDTM konnte sich als Innovationstreiber im deutschen Web 2.0 Umfeld beweisen. Wir, das Team hinter buchpfade.de, haben in den letzten Monaten viele neue Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungen machen Lust auf mehr und wir würden uns freuen, wenn wir Dich auch für unsere nächsten Projekte begeistern könnten. (eMail von Buchpfade)
Werden die nächsten Produkte dann auch, wie bei Rattenfängern nur dazu dienen, sich für die Investitionsriege herauszuputzen?! Wenn die nächsten Projekte eigentlich nur als Wegwerf-Produkte gedacht sind, sollten die Macher ihre Energien vielleicht etwas sinnvoller einsetzen. Holtzbrinck mag (noch) kein Hedgefondsniveau erreicht haben, doch scheint hier das Wort “schnelles” Geld eine erstaunlich reale, neue Facette zu erhalten. Dreht euch so schnell im Kreise, wie euch schwindlig wird, ich halt lieber auf Kontinuität und Unternehmertum. Das jedoch scheinen dort draußen nur noch wenige überhaupt im Bewusstsein verankert zu haben. Ich jedenfalls bin raus bei Buchpfade – schade.
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Tags Buchpfade, CDTM, Holtzbrinck, Lovelybooks
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 6 Kommentare

March 11, 2007 · 9:34 pm
Lieber Alexander,
Dein Artikel stimmt mich ein wenig traurig. Wir vom Buchpfade Team haben uns die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Daher möchte ich kurz auf einige Punkte eingehen:
“Zukunftssicherheit hätte eine Plattform wie Buchpfade also nie erreichen können? Ein sehr bedenkliches Selbsteingeständnis von Leuten, die offensichtlich nie den rechten Glauben gehabt haben, und nun den Schwanz einziehen, wie es so schön heißt.”
Mhm. Harte Worte gegen ein Team von Studenten, die viel Herzblut in Buchpfade gesteckt haben. Jeder der an diesem Projekt teilgenommen hat, ist fasziniert von dem Erfolg den das Projekt darstellt. Das Team von LovelyBooks teilt unsere Euphorie für das Thema – die Zusammenarbeit mit Ihnen ist aus unserer Sicht ein Vorteil für die Buchpfade User. Auch ein studentisches Projekt, das am CDTM (und somit an der Uni) gestartet wird muss seine Kosten decken – und das kann eine Uni nicht auf Dauer zusichern. Natürlich hat man verschiedene Optionen die Zukunft eines solchen Projektes sicherzustellen. Wenn man diese Option als “Schwanz einziehen” bezeichnet, übersieht man den Aufwand der notwendig ist um so eine Lösung zu erreichen.
“ich halt lieber auf Kontinuität und Unternehmertum.”
Wir auch. Über verschiedene Sichtweisen zu diesem Thema kann man natürlich lange diskutieren. Für uns war es wichtig, dass Buchpfade in der einen oder anderen Form weiter existiert. Und was Unternehmertum anbelangt: Ich habe allerhöchsten Respekt vor Unternehmern, die in ihrem Leben ein Unternehmen gegründet haben und das bis an ihr Lebensende führen. Aber: Wenn es schon so wenig Unternehmer in Deutschland gibt, warum darf man dann nicht mehr als eine Idee verwirklichen?
Natürlich stellen wir es unseren Usern frei ihr Regal mit zu LovelyBooks zu nehmen. Nach all der Zeit, die unsere User und auch wir in Buchpfade gesteckt haben, fände ich es Schade das jetzt einfach aufzugeben. Wir haben unser Bestes getan um den Fortbestand der Plattform zu sichern. Natürlich kann ich niemanden dazu zwingen es so zu sehen. Ich werde jeden Fall mein Regal behalten. Auch bei LovelyBooks.
Viele Grüße,
Patrick vom Buchpfade Team
March 11, 2007 · 10:08 pm
Vielen Dank für die ehrlichen Worte. Und ja, ich zweifle ja niemandes Engagement an. Ich hatte mit vielen Leuten gesprochen, und folgendes Beispiel soll behilflich sein, meinen Standpunkt zu verdeutlichen, und warum es mich verstimmt, wenn ein Projekt wie Buchpfade, bei dem ich mich kürzlich selbst anmeldete, dann eben gemeinsame Sache mit Holtzbrinck macht.
Wenn ich Leuten geschildert habe, dass der Unternehmer-Charakter bei den Machern von StudiVZ keiner war, weil sie sich mit schnellem Geld haben abspeisen lassen, haben einige gesagt, ja, sie hätten das Geld auch genommen. Das ist legitim, steht jedem frei. Ich für meinen Teil muss sagen, ich hätte es nicht genommen. Das ist ein sehr großer, ein kategorialer Unterschied. Deshalb meine recht polemischen Worte.
March 12, 2007 · 1:16 am
Die Mail, die Du von buchfpade bekommen hast, scheint eine andere zu sein, als meine. Aus meiner ging jedenfalls nicht hervor, dass bei der Zusammenarbeit “schnelles Geld” im Spiel war, etc.
Mir scheint Du machst Dir ein kleines Hobby draus, hier auf Holtzbrinck herzumzukloppen und im Eifer Deiner idealistischen Brandreden wird so einiges durcheinandergeworfen und des beeindruckenden Effektes wegen auch einfach mal Dinge behauptet, von denen Du nicht verstehst.
Obwohl ich Deine Aussage zu Oligopolen leider inhaltlich noch nicht ganz entschlüsselt habe, entnehme ich daraus, dass Du ein Verfechter von ihnen bist. Ich würde meine Onlinewerbung in meinem Blog dann nicht bei diesem fiesen quasi-monopolistischen Giganten Google beziehen. Schlussendlich wird mit dem von Dir generierten Ergebnisbeitrag bei Google noch eine Heuschrecke glücklich gemacht.
Dirk
March 12, 2007 · 12:28 pm
Nun, ich denke nicht, dass wir unterschiedliche Emails erhalten haben. Du darfst natürlich gerne Gegenteiliges behaupten, aber ich weiß nicht, ob dann irgendjemand die Möglichkeit haben sollte, dich des Lügens zu bezichtigen. Holtzbrinck ist bei Lovelybooks “investiert” und Buchpfade tritt nun seine Kunden an Holtzbrinck ab. Da kommt es mir nicht auf einen Euro an, sondern geht mir ums Prinzip. Dass die Leute von Lovelybooks noch an ihrem Netzwerk frickeln können… tja. Wir werden sehen, wann die Macher dort sich mit ihrem Investoren ein faules Ei ins Nest gelegt haben.
So viele Literaturnetzwerke gab es nicht.
Wenn du mitzählst, wirst du merken, warum es nun eben auf eine konkurrenzlose Situation für dieses Metier hinaussteuerst. Und wenn du die Struktur von Google besiehst, wirst du merken, dass es genug Konkurrenten für Google gibt. Microsoft ist einer davon, Yahoo ein anderer. Google macht nicht nur in Suchmaschinen.
Aber erzähl mir noch, was ich durcheinander geworfen haben soll.
April 4, 2007 · 10:44 am
Als Gründer des ersten deutsch-sprachigen Social-Buchportals möchte ich Reliwa empfehlen, selbstverständlichweise:) Bei Reliwa kann man neben Büchern auch Musik und Filme online führen
Easy-to-use stellt bei uns stets im Vordergrund.
Liebe Grüße aus München,
Li Cai
May 31, 2007 · 1:22 am
[...] investiert in Lovelybooks und ein ursprünglich im universitären Sektor gestartetes Projekt “Buchpfade” prostituierte sich. Die Volltextrecherche von Google zeigt mehr akademische Ambition als solche semi-seichten [...]