Ein Sozialdemokrat der den Neoliberalismus befürwortet?!
Davon gibt es durchaus einige. Leider, muss man dazu sagen. Denn eigentlich sollte in der Wortbedeutung dieser (noch?) Volkspartei auch der “soziale” Charakter zum Ausdruck kommen. Ob es “schick” ist, Genosse zu sein, und sich dem Kapital so anzubiedern?
Es geht doch auch anders. Wir kennen den Genossen Marcel Bartels, der durchaus sehr idealistisch, eine Fraktion innerhalb der Partei verkörpert, die eher links von der Mitte zu suchen ist.
Den Kandidaten Marquardt allerdings würde ich persönlich genau am anderen Pol, nämlich rechts von der Mitte einsortieren, nachdem ich seinen Blogbeitrag über seine Mitgliedschaft beim Schülerverzeichnis der Holtzbrinck-Heuschrecken gelesen habe. Er steckt in der Hochphase kurz vor dem Abitur. Eventuell erklärt das, warum er so euphemistische Worte für das Projekt der StudiVZler übrig hat, zwecks fehlender Aufmerksamkeit oder Bewusstheit für die Sache. Vielleicht ist es schick, en vogue zu sein.
Ich würde ja mit einer Mitgliedschaft in einer Partei nicht nur irgendwelche Lippenbekenntnisse verbinden, sondern viel eher noch irgendeine Form von Lebensstil, eine Ideologie vielleicht. Sie muss nicht derart ausgeprägt zu Tage treten, wie beim Kollegen Bartels, oder wie bei mir, der ich immer wieder versuche, die Grenzen meiner Ideologie in Wortbeiträgen aufzuzeigen. Viele Leute empfinden das Wort Verantwortung beispielsweise als etwas sehr Großes. Dabei kann Verantwortung durchaus etwas Kleines sein, das man jeden Tag auf’s Neue an den Tag legt. Mir ist bewusst, dass es viele Leute gibt, die in der Verantwortung so etwas wie ein Gegenteil von Spaß erkennen wollen. Verantwortung, meinen sie, müsste man erst übernehmen, wenn man ein gewisses Alter erreichte, und wenn man genug Spaß gehabt hat. Dabei ist das kein Gegensatzpaar. Verantwortung und Spaß schließen sich nicht aus. Ein soziales Bewusstsein und Engagement gehen prima im eigenen Leben über. Nachhaltiges Denken erfordert nicht das Ausreißen von Bäumen, und selbst Feiern, Trinken, u. v. a. m. steht nicht der Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen im Wege.
Ich persönlich finde es verantwortungslos, wenn man sich das Logo einer Partei auf den eigenen Blog packt, und damit den Leuten eine Art sozialen Geist oder neudeutsch “Spirit” vorgaukelt, wenn man ihn nicht vorlebt. Die Werbetrommel für ein Projekt aus der StudiVZ-Ecke zu rühre, schürt das Feuer des Neoliberalismus, von dem wir eher hoffen sollten, dass es einst zur Glut verkommt und eines schönen Tages eventuell ganz erlischt. Ausbeutung nach marktwirtschaftlichen Prinzipien und Gewinne um jeden Prei, Bildungspolitik die Benachteiligungen in Kauf nimmt, um ein paar wenige für den Augenblick auf einen Sockel zu hieven, nur um der breiten Masse den Zugang zu verwehren. Das endet im Umkehrschluss darin, dass sich Bevölkerungsteile voneinander entfernen und es wird schwierig, wenn man Teile “nicht” mehr erreicht, diese vor Vereinnahmungen und Manipulationsversuchen zu schützen. Es muss freilich jeder selbst wissen, was er tut. Aber dem Genossen Marquardt würde ich vorschlagen, er sollte doch noch mal überlegen, was er als Mitglied dieser seiner Partei nach außen für ein Bild abgeben möchte. Und dies mein ich gar nicht böse, sondern relativ ernst. Wenn der Genosse Marquardt nun mit dem “sozialen” Aspekt der vernetzten Gemeinschaft argumentieren wollen würde, so täte ich ihm vorschlagen, sich die Alternativen zum SchülerVZ anzusehen. Es gibt durchaus einige.
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Tags Genosse, Holtzbrinck, SchuelerVZ, Sozialdemokratie, SPD, StudiVZ
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