11. March 2007

Wenn die Akademiker sich über BILD-Leser amüsieren…

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… oder wenn sich dieselben über Sendungen wie DSDS oder Big Brother mokieren, und wenn man den Moralapostel auspackt, wenn manche Leute sich in Talkshows im Vormittagsfernsehen auf den Stuhl, die Couch, das Sofa setzen und ihre schmutzige Wäsche waschen.

Seit es StudiVZ gibt, hat Deutschland endlich ein Bild seiner zukünftigen Intelligentsia. Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen, ich mokiere mich nicht über den Beitrag, den ich gleich zitieren werde. Er soll mir nur dazu dienen, zu zeigen, dass Leute mit abgeschlossenem Studium nicht denken müssen, sie seien etwas Besseres als andere. Warum? Nun, weil sie dieselben Probleme haben. Und was für manche Gesellschaftsschichten eben die Mattscheibe und Talkshowstudios sind, scheinen für andere Leute nun StudiVZ-Gruppen und Blogs zu werden. Wenn die Angaben im Blog stimmen, hat diese Zeilen der 28-jährige Jan Stern geschrieben:

“Yo Jonas, bleib mal locker – nur weil ich mich gut mit deiner Freundin verstehe und sie mich trotz deiner Hetzkampagnien gegen mich trotzdem gerne sieht, ist das noch lange kein GRUND mir unfreundliche E-Mails zu schreiben. Wenn du Probleme mit deiner Freundin und deiner Wilmersdorfer Wohnung hast, gebe ich dir den TIPP eine der studentischen Selbsthilfegrupppen aufsuchen ( Natürlich hindert dich auch keiner daran in eine für dich passende StudiVZ-Gruppe einzutreten z.B. HILFE ALLE MEINEN FREUNDINNEN FINDEN JAN BESSER ALS MICH !) Viele Grüsse und alles Gute aus dem für dich für immer unerreichbaren Kreuzberg.” (Jan)

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Kategorie Glocal, Media · Autor · 4 Kommentare


4 Kommentare

  1. Kommentar von Thomas
    March 13, 2007 · 12:03 am

    Hast du etwa daran gezweifelt, dass Akademiker auch nur Menschen sind? :-)

  2. Kommentar von Alexander Trust
    March 13, 2007 · 1:12 am

    Manchmal erlebe ich sie leider anders. Ich weiß nicht, ob du Pierre Bourdieu kennst? Und es ist schon erstaunlich. Man sieht es auch in der Geschichte mit StudiVZ… – es hat hier jemand kommentiert, dass er Gotfriends zu breit, zu offen sieht, dass Studenten gerne unter sich bleiben. Bourdieu hat für Frankreich Verhältnisse vor Jahren und Jahrzehnten analysiert, wie sie so auch woanders auf der Welt herrschen. Man kann es nicht eins zu eins übertragen, aber Analogien findet man zuhauf.

    Gestern war Herbert Grönemeyer bei Beckmann in der Sendung, und er hat erzählt, wie sein Vater ihm, und wie er seinen Kindern beibringt, ständig auf dem Boden zu bleiben, weil es zwischen den Menschen keinen Unterschied gibt in ihrer Menschlichkeit und Würde. Das scheinen aber etliche Leute zu vergessen. Natürlich sind Akademiker Menschen mit Fehl und Tadel, so wie ich auch. Ich mag allerdings keinen Dünkel, auch nicht den von Bildungsbürgern, und ich mag den Geniekult aus der Goethezeit nicht und mir gehen alle Strömungen, die Eliten auf Kosten der breiten Masse erzeugen mögen, gegen den Strich. Wir erleben wohin das führt, wenn man das Fundament einer Gesellschaft verkommen lässt. Die Bildungsbürger können Angst um ihrs haben, mei, dann sollen sie sich anstrengen und keiner wird ihnen was vormachen können. Aber heiße Luft muss man bloß wegblasen, und schon sieht man, dass alle anderen auch nur mit Wasser kochen. Diejenigen, die sich brüskieren, wie denglisch und kauderwelsch und wenig gebildet unsere Jugend heute sei… die sollten sich fragen, warum?! Das ist ja nicht vom Himmel gefallen. Sondern weil die Generationen bis hierhin bei der Verteilung von Bildung nur an sich selbst gedacht haben. In meinen Augen haben diejenigen, die einen Wissenvorsprung haben, eine Verantwortung gegenüber denen, die etwas nicht wissen. Denn dann muss man es den Leuten erklären, damit man sie in die Diskussion einbeziehen kann. Stattdessen bewegen sich Teile der Gesellschaft auseinander und irgendwann kommt der Punkt, da die Diskussion nicht mehr klappt, weil man es viel zu lange hat auseinanderdriften lassen. Wenn die Lücke zu groß wird, ist es nicht mehr mit Lippenbekenntnissen getan.

    Die Leute schreien nach Fachkräften. Jetzt sollen an Hochschulen Bachelorabschlüsse eine Berufsausbildung ersetzen. Warum? Weil die Leute sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben und den Bildungssektor mehr und mehr in eine Abwärtsspirale getrieben haben. Jeder muss sich selbst an die eigene Nase packen. Der Lehrer, der Schüler, jeder Bürger. Das meine ich z. B. auch, wenn ich sage, es ist sooo einfach, Verantwortung zu übernehmen. Man schaue sich einen Hörsaal an… dort sitzt angeblich die Elite von Morgen. 300 Leute, 500… 1000. Und eine Handvoll davon “traut” sich, Fragen zu stellen. Die anderen denken, dass man sich bloßstellt, dass man mit einer Frage anzeigt, man habe etwas nicht verstanden. Das ist eine sehr ungesunde Atmosphäre. Da muss man was tun. Fragen stellen zeigt Neugier an, und Interesse, und in der Formulierung einer Frage setzt man sich mit dem Problem auseinander. So, wie bin ich jetzt wieder abgedriftet?! *G*

  3. Kommentar von Thomas
    March 13, 2007 · 2:25 am

    Du bist nur ein wenig abgetriftet. Und ich versuche mir kurz eine Vorlesung vorzustellen, bei der 300 Leute Fragen stellen. ;-) Nein, ernsthaft. Über den Sinn und Unsinn von Elitenförderung könnte man herrlich streiten. Einseitige Förderung zu Kosten der Massen ist sicher ein Fehler, aber die absolute Vermeidung von Eliten, aus historischen Gründen, hat sich nicht minder als Fehler herausgestellt und ist mitschuldig an so mancher Missere.

    Meiner persönlichen Erfahrung nach gibt es derlei Vorurteile auf beiden Seiten. Ich bilde mir ein beide Seiten zu kennen, auf der einen Seite selbst ein Akademiker, auf der anderen Seite bin ich mir meiner Herkunft aus einer eher klassischen Arbeiterfamilie – auch wenn das inzwischen Vergangenheit ist – noch durchaus bewusst. Die einen halten die anderen für Bier trinkende BILD-Leser die nicht über den eigenen Tellerrand hinaussehen wollen, die anderen meckern weil sie die Ausbildung ihrer künftigen Wein trinkenden Chefs mit bezahlen. Das beide von einander abhängig sind und nur voran kommen, wenn sie zusammenarbeiten, wird oft schlicht ignoriert. Ich persönlich habe mich seinerzeit sehr bewusst für ein Studium statt einer Ausbildung entschieden, wenige Erfahrungen mit der Berufsschule haben z.B. genügt um mich davon zu überzeugen. Aber das war eine persönliche Entscheidung.

    Dünkel gibt es auf beiden Seiten, auch wenn man ihn eher Akademikern zuschreiben möchte. Und es ist nicht so als würden sich die Bildungsbürger nur von der breiten Masse wegbewegen, es geht auch umgekehrt, wenn man Vorschläge z.B. aus Prinzip ablehnt, nach dem Motto, die wissen doch eh nicht wie es uns geht! Mal abgesehen davon das viele klassischen Bildungsbürger wie z.B. Michael Naumann oder Helmuth Karasek sich selbst nach oben gearbeitet haben, kann ein Blick von außen prinzipiell doch nicht schaden. Einsicht bedeutet die Vorschläge zu prüfen, nicht sie 1zu1 umzusetzen. Auf der anderen Seite könnten so manche Akademiker von der Bodenhaftigkeit anderer noch gut profitieren.

    Falls ich abgewichen bin ;-) , hier noch einmal die Kurzfassung. Es gibt auf beiden Seiten Idioten, aber mit Pauschalisierungen zahlen am Ende auch beide Seite drauf.

  4. Kommentar von Alexander Trust
    March 13, 2007 · 2:42 am

    Du hast einen Gedanken geäußert, den Bourdieu, der eben genauso auch aus ner Arbeiterfamilie kam und dann eben sich im akademischen Feld bewegte (mit viel Neid durch diejenigen, deren Schleier er lüftete). Er bewegte sich naiv, ohne Vorurteile. Und sein Credo war eben genauso… die Leute sollten nicht alles 1 zu 1 übernehmen, sondern vielmehr alles überprüfen. Wenn man Diskussionen in politischen Talkrunden verfolgte, zuletzt Berlin Mitte, Christiansen oder auch Hart aber Fair, als es dort um den Spruch von dem Bischof ging… Jessas, was da manche Leute aufeinander eingedroschen haben. Und da waren die Experten irgendwie jeder ein kleiner unbeherrschter Hans-ich-führe-die-These-ins-Feld.

    Na ja… aber ich befinde mich ja auch in einer Position, die der deinen ähnelt. Rein statistisch (im Bezug auf Armutsmessung, u. a.) bin ich etwas anders einzuordnen, weil mein Vater Dipl. Ing. ist. Aber ich bin bei den Eltern der Mutter aufgewachsen, und die waren Selbständig, erst in der Gastronomie und später im Handwerk. Mein Großvater ist ein engagierter, kreativer Geist. Hat zwei Meister gemacht. Na ja… jedenfalls fühle ich mich oft nicht zuhause im akademischen Feld. Das ist zum Teil so ein Zirkus. Im Hinterstübchen zwinkert man, und die Leute haben so einen Obrigkeitsglauben. Es gibt einige bei uns an der Uni, wie wohl überall, die nur auf Speichellecken spezialisiert sind. Und Professoren sind oft gut darin, “Kontext” zu produzieren. Ich finde nicht, dass etwas, das “plausibel” ist, gleichzeitig immer richtig sein muss. Wenn jemand sehr viel Erfahrung hat und vielbelesen ist, wie Professoren es eben oft sind, haben sie die Fähigkeit Studenten an die Wand zu reden. Doch Recht behalten müssen sie dennoch nicht in jedem Punkt. Ich habe Respekt vor der Person, aber um Ideen kann man gepflegt streiten. Finde ich. Auch schon wieder abgedriftet… damn me.

    Aber ja, du hast Recht… es gibt den Dünkel und die Barrieren auf allen Seiten. Ich habe das nicht explizit ausgeschrieben vorhin, aber bei mir gilt: gleiches Recht für alle. Und da bin ich leider Gottes sehr rigoros. Also es gilt auch für mich und es gilt auch für Freunde und Verwandte. Ich mache keine Unterschiede zwischen dem Mann von der Straße oder dem Richter. Wenn jemand mit mir kommunizieren mag, dann kann er das tun. Aber wenn jemand nicht aufhört doppelmoralisch zu sein, obwohl ich ihn durchschaut hab und ihn ermahnte, doch bitte davon abzusehen, dann, na ja… kann ich Leute irgendwann nicht mehr ernst nehmen. Und es gibt Phänomene unter jung und alt. Es gibt alte Leute, die prima lernfähig sind und die jüngsten Sprösslinge, die schon nicht wissen, was eigentlich Sache ist, aber einfach nur des Recht behaltens wegen einfach Mal auf stur schalten. Wichtig ist, finde ich, dass man für sich einen Weg findet. Erst, wenn man seine eigene Position einschätzen kann, ist man meines Erachtens z. B. in der Lage zu Kompromissen. Wenn Leute nicht wissen, wer sie sind, oder was sie wollen, dann haben sie viel zu übersteigerte Vorstellungen und denken, der von ihnen vorgeschlagene Kompromiss wäre auch wirklich einer. Gut ist, wenn man sich in andere reinversetzen kann und empathisch ist. Empathie ist eine wichtige Gabe, um in der heutigen Welt ein wenig stressfreier durchs Leben zu kommen.

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