Wie komme ich zu meinen Texten?

Veröffentlicht am  14. März 2007 von  

Eigentlich ist speziell dieser Text mehr oder weniger eine Art Schreibauftrag, ich erhielt nämlich ein Stöckchen vom Herrn S. vom NYBlog. Im Prinzip wäre dies eine ebenso gute Aufgabe für meinen Privatblog, in dem ich vor allem meinen Gedichten, meiner Prosa und anderen Dingen mehr Raum gebe. Es gibt in der Literaturwissenschaft gar den Begriff der Poetologie, dieser umfasst gerade das Gebiet der Lehre von Form und Inhalt im literarischen Schreiben.

Was ich ablehne ist gänzlich unhinterfragtes, normatives Schreiben. Es behagt mir nicht, dass Leute nicht auch ihre eigenen Vorstellungen von etwas haben sollen dürfen. Es gibt unheimlich viele Leute, die nicht müde werden zu betonen, dass Form und Inhalt zueinander passen müssen. Ein Blog als Form beispielsweise könne nicht dieselben Inhalte transportieren wie eine (Online-)Zeitung. Und so gibt es nach Ansicht vieler eben immer das perfekte Kommunikationsmedium für einen spezifischen Inhalt. Und so tief gehen im Grunde meine Gedanken, wenn es darum geht, wie ich an meine Texte komme. Doch der Auslöser für meine Texte ist Inspiration. Ich komme im wahrsten Sinne des Wortes von Stöckchen auf Steinchen. Besonders schön zu sehen an einem Eintrag, den ich erst gestern Nacht formulierte und in dem unheimlich viele Gedanken auf engstem Raum beieinander gestellt wurden.

Ich könnte jetzt auch, wie der Herr S. noch ein Sceenshot von meinen Text-Skizzen anfertigen. Ich lass es sein. Es gibt aber noch sechs von ihnen, die ich irgendwann anfing zu schreiben, bislang jedoch nicht beendet habe. Tom Alby und seine Thesen zum Web 2.0 kommen darin vor, ebenso wie medientheoretische und sozialkulturelle Aspekte, die Grenzen des Internets betreffend. Kommt Zeit, kommt Motivation. Letztere ist, wie ich finde, eminent wichtig. Für mich jedenfalls. Das ist auch ein Grund, warum ich kein Journalist werde, sondern, wenn überhaupt, mich in irgendeiner Form in dem Bereich selbständig machen wollte. Auftragsarbeit, die zudem total sinnlos erscheinen kann, Dinge, die die Welt (meine Welt) nicht bewegen auszuformulieren und darüber zu berichten – nein, so etwas kommt mir nicht in den Sinn. Was ist aber meine Welt? Musik spielt darin eine wichtige Rolle. Außerdem bin ich ein Beobachter. Ich lasse mich unheimlich gerne von vielen Dingen ablenken. Dingen, die anderen Leuten nicht so sehr in den Sinn kommen, wie beispielsweise die Atmosphäre in Situationen. Die meisten Leute sind eher aktiv involviert, und ich bin eher passiv transzendent wenn ich beobachten möchte. Mir fallen unheimlich viele Dinge auf, und es hilft wenig, wenn ich den Eindrücken einen Riegel vorschieben will, weil ich mich eigentlich auf andere Dinge konzentrieren müsste. Sobald mich die Inspiration gepackt hat, gehen mir die Texte sehr leicht von der Hand. Ich könnte, und ich tu’s ja an anderer Stelle auch, ganze Romane formulieren.

Die Blogarbeit hier ist noch ein freier Fluss von Gedanken. Ich habe mich noch nicht dazu bequemt, zu viel Ordnung reinzubringen. Anders hingegen meine literarische Arbeit, die sukzessive mehr und mehr Ordnungskriterien kennt. Ich baldovere Handlungsstränge aus, oder überlege mir Argumentationsketten. Mit der Zeit reift auch der eigene Blick dafür. Doch hat die freie Formulierung, ohne einen Form-Hintergrund durchaus etwas Befreiendes für mich, so wie Herbert Grönemeyer zuletzt bei Beckmann in der ARD meinte, dass Singen etwas Befreiendes für ihn habe. Meine Blogbeiträge entstehen übrigens allesamt am Computer. Fein, werden viele sagen, das geht doch eigentlich jedem so. Nun, meine literarischen Texte, und auch Romanprojekt mit 150 Buchseiten, sie entstehen allerdings zum großen Teil mit Stift und Papier. Sie schreibe ich auch, wenn ich irgendwo unterwegs bin, oder kritzele in Vorlesungen und Seminaren Gedichtzeilen vor mich hin. Im Sommer sitze ich sonnend auf dem Campus und schreibe seitenweise, und die vielen vielen Einflüsse von außen verarbeite ich in allen meinen Texten. Papier ist außerdem geduldig, und ihm geht der Strom nicht aus.

Was gehört noch zu der Welt, die mich inspiriert? Eine Art soziales Gewissen, ein Stück naiver Altruismus, den selbst ein Vierteljahrhundert in dieser “pösen” Welt nicht gebrochen hat. Neugierde und Ambivalenz gehören in meine Welt ebenso wie das Interesse für Bildung, soziale Ungleichheit, Medien, Politik. Ich wäre bestimmt kein guter Parteipolitiker, weil ich a) Klinkenputzen nicht mag und b) wohl ständig immer auch meine eigenen Parteikollegen schelten würde, wenn ich dächte, sie würden etwas tun, womit ich mich nicht identifizieren kann. Ich bin aber sehr wohl ein politischer Mensch, und trotzdem bin ich sogar Parteimitglied. Man stelle sich das ein Mal vor. – Ich mag Fußball, vor allem guten und spielerischen Fußball. – Leidenschaft und Euphorie prägen mich in manchen Augenblicken, und Erotik ist immer auch ein Thema, um das meine Gedanken kreisen. Aus diesem Grund gibt es auch viele Passagen in meinen Geschichten und Gedichten, die man durchaus erotisch bezeichnen könnte. In diesem Sammelsurium von Facetten gibt es bestimmt noch einige, die ich nicht erwähnt habe. Doch das bis hierhin Geschriebene dürfte ausreichen, um zu erkennen, aus welchem Fundus sich meine Texte speisen.

In braver Blogger-Manier möchte ich das Stöckchen nun weiter reichen an den Armin vom Farliblog, an den Andy und an den Thomas.

2 Kommentar(e) bisher

  1. Pierro Marie says:

    salut;
    “Die Blogarbeit hier ist noch ein freier Fluss von Gedanken.”
    fuer mich recht interessant auf selbigem mit schwimmen zu koennen/ duerfen . . .

    “Papier ist außerdem geduldig” – ich als Leser Deiner Texte ebenfalls.

  2. Bonsoir.

    Danke für die lieben Worte. Ist es gut, dass du ein geduldiger Leser bist? Oder muss man mit mir so viel Geduld haben? ;)

    A bientôt.


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