21. March 2007

Skandal im Blogbezirk

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Readers Edition LogoIn Berlin, da steht das Redaktionsgebäude der Moderatorentreff der Readers Edition. Das allerdings geht erst seit einiger Zeit so, da man die ehemalige Moderation der RE geschasst hatte, und durch Leute “vor Ort” auswechselte.

Auch wir hatten der RE URL schon in unserem Portfolio, oft berichteten wir von einem anfänglich als Bürgerjournalismusprojekt gestarteten Unterfangen. Der Karren ist noch nicht vor die Wand gefahren, nein, doch das Ruder gibt längst eine andere Richtung vor, die sich von dem unterscheidet, was ich als Bürgerjournalismus betrachte. Ich danke meinem Mitautoren Herrn Tjaden für seinen neuerlichen Artikel, doch ich runzle die Stirn darüber, wenn ich ihn ebenfalls in der RE veröffentlicht weiß.

In diesem Monat gab es zum ersten Mal Geld für die besten drei Autoren der Readers Edition des Vormonats. Herr Tjaden gehörte mit zu den Gewinnern. Es sei ihm gegönnt, vor allem weil er sich sehr für das gesellschaftliche Miteinander engagiert. Doch alle, die sie für die Readers Edition schreiben, gehören in meinen Augen immer auch auf die Seite der Verlierer. So erging es mir nicht anders, als ich noch für die RE Artikel schrieb.

Die neusten Vorfälle zeigen, dass dort mit zweierlei Maß gemessen wird, und gerade der Bürger, der versucht sich einzubringen, der Dumme ist. Ein Teil der Moderatoren, von dazumal darf gerne als Bürger gelten, die sich einbringen wollten, vielleicht sogar alle. Was haben sie heute von ihrem Engagement? Ein paar Lippenbekenntnisse sind ihnen geblieben, einige bittere Erfahrungen.

Wenn es wirklich um eine Identität ginge, dann hätte man in der Vergangenheit nicht dermaßen überreagiert. Es mag sein, dass sich manche aus der Moderation, die für kurze Zeit das Ruder inne hatten, nicht mit Ruhm bekleckert haben – indes, wäre ich die Readers Edition, ich hätte nicht versucht, dem Druck aus der Blogosphäre gerecht zu werden, sondern mit dem Engagement aus den eigenen Reihen etwas aufzubauen. Dass ein Herr Fütterer und eine Frau Pidun nicht mehr mit dabei sind, daran trägt auch die Leitung der Readers Edition eine Mitschuld.

Man hat sie als Kanonenfutter auf dem Silbertablett serviert und sie schutzlos ausgeliefert. Es ist nicht schön, wenn man sich engagiert, und wohlmöglich sein Herzblut gibt – so wurde es mir von vielen ehemaligen Moderatoren über Herrn Fütterer gesagt, dann in einem Schlamassel alleine stehen gelassen zu werden. Doch Arbeitskräfte sind ersetzbar, zumindest in solchen Unternehmen, die keinen Wert auf eine Identität legen. Dass allerdings eine Coporate Identity etwas sehr Wichtiges sein kann, beweisen unheimlich viele Fälle aus der Vergangenheit.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, das zeigt, wie es um die Doppelmoral in dieser Citizen-Jorunalism-Kaschemme bestellt ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass neuerdings eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der RE aufgemacht wurde. Ob gewollt oder nicht, hat Peter Turi der Readers Edition einen Bärendienst erwiesen, als er unter einem seiner Artikel (dem Appetizer) die Information fallen lies, dass er “bezahlt” worden ist. Bürger dürfen sich abplacken, hoffen, dass einer von vielen zu den drei besten gezählt werden wird, noch dazu, wo das Bewertungssystem manipulierbar ist, und damit der blanke Hohn. Sie reisen bei der Readers Edition offensichtlich im Abteil zweiter Klasse.

Eine erstklassige Unterbringung indes genießen manche, die sich für nichts zu schade sind. Ich benutze nur meinen Menschenverstand und denke, dass mit dem Interview lediglich die Quote eines Alphablogs (in dem Fall auch Alphabloggers) genutzt wird und Peter Turi und Robert Basic sich wohlmöglich eins ins Fäustchen lachen, weil sie sich mit den Euronen um die Identität von potenziellen Bürgerjournalisten nicht scheren müssen. Es ist sich eben jeder selbst der Nächste.

Vielleicht ist aber alles ganz anders, und ich bin nicht ganz bei Trost. Kann ja sein, dass Turi ein nettes Interview führen wollte. Die Readers Edition hat bestimmt gar nicht damit gerechnet, auf ein Mal viral an etlichen Stellen in der Blogosphäre und über Feedreader an einige Zehntausend Personen verteilt zu werden. Zumindest das Geld, das Peter Turi für das Interview erhalten hat, spricht seine eigene Sprache in diesem Fall. Seine Beteuerung mag er anbringen, doch wird ein fader Beigeschmack wohl bleiben.

Schon merkwürdig, dass solch ein Geklüngel auch noch prämiert wird. Dummdreist dann, mir vorzuwerfen, ich würde “spekulativen Quatsch” über die merkwürdige Leadaward-Verleihung schreiben. Es will mir nicht in den Sinn, wie man derlei Preisverleihung seriös nennen mag, wenn solche unseriösen Projekte wie die Readers Edition darin prämiert werden. Ein Preis sollte immer auch etwas Ehrenhaftes sein, über das man sich bedenkenlos freuen kann. Alle anderen, die mit dem Leadaward ausgezeichnet wurden, dürfen, nein sollten sich fragen, inwiefern es einen Unterschied ausmacht, oder ob man die Auszeichnung nicht lieber direkt als wertlos abstempeln kann.

Und fürwahr, der Florian Steglich von Journalismus 2.0 hatte Recht, als er meinte, dass das Faktum von “Profi generated content gegen Honorar zur Qualitätssteigerung” gegen die Readers Edition verwendet werden würde. Die Frage nach dem warum sollte allerdings klar sein. Dank auch an den Mitautoren, Timo Heuer, über dessen Privatblog ich auf die Sache aufmerksam geworden bin.

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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 4 Kommentare


4 Kommentare

  1. Kommentar von Florian Surek
    March 21, 2007 · 10:13 pm

    Wow, ein sehr schöner und durchdachter Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht..

    Ich denke, dass das ehemalige Vorzeige-Projekt RE in der Sackgasse steckt, man muss sich nur einmal die Abwärts-Kurve der letzten Wochen bei Alexa ansehen. Die gekauften Artikel von Peter Turi sind ein (verzweifelter?) Versuch, dem Projekt noch einmal neues Leben einzuhauchen – die Aufmerksamkeit in der Blogosphäre ist ja immerhin sehr groß.

    Naja, ich habe mit der RE größtenteils abgeschlossen, es gibt andere Projekte, bei denen ich mehr gebraucht werde und nicht die Befürchtung haben muss, so abgekanzelt zu werden wie im Januar von der “Redaktion Readers Edition”..

  2. Kommentar von Alexander Trust
    March 21, 2007 · 10:27 pm

    Geht mir genauso, ich hab auch damit abgeschlossen. Eine Partizipation kommt für mich unter den jetzigen Voraussetzungen nicht mehr in Frage. Danke für die Blumen.

  3. Kommentar von Tjaden
    March 22, 2007 · 10:51 am

    Oft schießt mir der Gedanke durch den Kopf, dass endlich jemand ein Medium installieren sollte, das sich mit den Vorgängen in Medien beschäftigt. Da gäbe es viel zu schreiben.
    Wenn ich schon direkt angesprochen werde, dann sollte man aber auch wissen: Ich bin bis zum 3. Januar 2003 verantwortlicher Redakteur einer Wochenzeitung in Burgdorf bei Hannover gewesen. Als dieses Blatt plötzlich auf CDU-Kurs getrimmt werden sollte, kam es zu einem Eklat. Meine Artikel wurden hinter meinem Rücken umgeschrieben und derart verfälscht veröffentlicht. Als ich mich dagegen verwahrte, hieß es: “Die Verlagsleitung will das so.”
    Der Mobbings-Höhepunkt wurde am 3. Januar 2003 erreicht, als der Geschäftsführer der Wochenzeitung sagte, er werde dem (SPD-) Bürgermeister auch noch aufs Grab pissen (wortwörtlich). Anschließend verhöhnte er auch noch einen Behinderten, der damals Kreisvorsitzender des Sozialverbandes war.
    Ich bin gegangen und habe versucht, in Burgdorf bei Hannover eine Zeitung mit Kurzgeschichten und lokalen Nachrichten zu gründen. Das gelang mir am 1. November 2003. Am 3. November 2003 wurde meine Wohnungstür gewaltsam von der Kripo geöffnet, meine beiden Computer wurden beschlagnahmt. Angeblich hatte ich Kinderpornografie verbreitet.
    Meine Literaturzeitung konnte ich vergessen, doch dann bot mir die Gewerkschaft einen Job an. Das war im Dezember 2003. Daraufhin schickte ein CDU-Ratsherr eine mail an die Gewerkschaft und nahm dabei den Umweg über Magdeburg. Wegen des Kinderpornografie-Vorwurfs war ich den Gewerkschafts-Job schneller wieder los als ich ihn bekommen hatte.
    Jedes Jahr schrieb ich an das niedersächsische Justizministerium, schaltete die Rechtsausschüsse des niedersächsischen Landtages und des Bundestages ein. Doch das Ermittlungsverfahren gegen mich ruhte vor sich hin, während besagter CDU-Ratsherr Monat für Monat in einem von ihm herausgegebenen Magazin Verleumderisches über mich verbreitete.
    Als wir in Wilhelmshaven eine Wochenzeitung gegründet hatten, behauptete der Anwalt der Konkurrenz über mich in aller Öffentlichkeit, “ich sei wohl vorbestraft. Deswegen musste er auch aus Hannover weg.”
    Mit diesen und anderen Methoden wurde unsere Wochenzeitung wieder vernichtet.
    Im Januar 2006 schaltete ich wieder einen Anwalt ein, um in der Kinderporno-Sache endlich weiter zu kommen. Die Staatsanwaltschaft reagierte im Februar 2006 mit Klageerhebung, obwohl mein Anwalt noch keine Akteneinsicht hatte! Als Beweismittel gab die Staatsanwaltschaft Hannover CD´s an, die ich schon seit November 2003 wieder hatte!
    Am Gründonnerstag 2006 wurde ich endlich freigesprochen, und zwar aus tatsächlichen Gründen. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Hannover unverzüglich Berufung ein. Der Vorsitzende Richter des Landgerichtes Hildesheim war darüber so wütend, dass er beim Termin mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft Hannover kurzen Prozess machte.
    Endlich war für mich der Weg frei für eine Klage gegen den CDU-Ratsherrn. Doch die wurde vorgestern abgewiesen. Begründung: Ich hätte die Gewerkschaft verklagen müssen. So ist der Weg frei für jeden Denunzianten und ich bewege mich weiter in der Hartz-IV-Umlaufbahn…
    Da bin ich wirklich froh über jeden Cent, den ich nebenbei verdienen kann. Wenn alle sagen würden, wir boykottieren jedes Medium, das mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht anständig umgeht, dann wäre das eine wirkungsvolle Maßnahme. Aber so?
    Die Zeitung, bei der ich gearbeitet habe: http://www.neuewoche.com
    Meine Geschichte über den Justizskandal: http://behoerdenmuehlen.beeplog.de

  4. Kommentar von Florian Surek
    March 22, 2007 · 11:09 am

    Oha, eine weitere Änderung bei der RE: Das Ressort “Feuilleton”, welches von Frau Pidun im Januar über Nacht eingeführt worden war, ist nun wieder verschwunden und durch “Klimawandel” ersetzt worden. Vielleicht sind die Ressorts immer noch zu viele, doch aus meiner Sicht endlich mal was Vernünftiges..

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