30. March 2007

Essen, und so…

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Blog ‘n’ Roll aka Daniel hat ein Stückchen, pardon Stöckchen geworfen. Und was gibt’s bei mir grad zu futtern? Unspektakulär aber lecker: Hühnersuppe.

Kann derzeit keine Fotos davon anbieten. Was gibt es sonst zu vermelden? Wir hatten ein progressives Treffen zu viert in Sachen Gotfriends, am letzten Sonntag. In dieser Angelegenheit habe ich zudem ein wenig durch die Weltgeschichte deutscher Nation telefoniert. Geliebt, gelitten und gelacht. Nicht unbedingt in der Reihenfolge.

Mit dem Kurzgeschichtenwettbewerb bin ich, sind wir auch schon weitergekommen. Erste Geschichten sind eingetrudelt und außerdem schaut es so aus, dass wir einen Verlag für das Projekt gefunden haben, der eine Anthologie herausgeben wird. So lange noch nicht alles in trockenen Tüchern ist, und man den doppelten Boden dank seiner ureigensten Skepsis noch spürt, wird aber die Botschaft nicht konkret kommuniziert.

Außerdem geht mein Puppenspieler in Serie, weil ich mich entschieden habe, ihn on demand in Auftrag zu geben. Novum sei Dank, die in der Alpenrepublik mehr und mehr Preise absahnen, und gut wirtschaften, könnte die Nische sich für mein literarisches Schaffen eventuell sogar ganz passabel ausnehmen. Für einen, der unabhängig sein möchte, aber eben das Knowhow nicht hat, ist on demand das Gesetz der Zukunft.

In der Blogosphäre, die ich kenne und frequentiere, wurde in der kurzen Atempause auf Sajonara auch mehr oder weniger nur derselbe Sermon zum 127ten Mal verdaut (gemeint sind die mehr oder weniger großen Blogs, die eben nicht mehr zur Ruhe kommen). Oft halt das Gleiche in Grün. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Das finde ich persönlich viel wichtiger. Mit einigen Freunden und Verwandten und Anbekannten habe ich in der jüngsten Vergangenheit häufig über die Zukunft gesprochen. Im allgemeinen sehe ich in der nationalstaatlichen Sphäre, die mich derzeit umgibt, einen unaufhaltsamen Abwertstrend, den die weitaus meisten nicht erkennen. Die Arbeitslosenzahl in unserem Ländle, ja die strebt derweil in eine andere Richtung.

Man muss keine fund(ament)ierte Analyse abgeben, sondern lediglich ein Mal sich selbst und seine Informationsquellen in Frage stellen. Vorweg: Was wissen wir eigentlich wirklich? Wir wissen, dass wir uns ausruhen, weil die Prosperität der 50er und 60er Jahre den nachfolgenden Generationen zu Kopfe gestiegen ist. Im Bildungssektor beispielsweise haben wir eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Fragen stellen ist manchmal doof, wenn man zu bequem geworden ist. Fragen stellen ist aber vor allem oft auch verpönt, weil man von denen schief angesehen wird, die in dem Akt keine Neugier erkennen wollen, sondern viel viel lieber das Eingeständnis des Nichtwissens. Sie dürfen sich Schwarzärgern, doch werden genauso große Schwarze Löcher in ihren Weltbildern entstehen und sie werden sich manifestieren. Im Kreisel wird immer weniger an den nächsten abgegeben. Fragen stellen ist eben nicht mehr en vogue und bald schon wird es verboten werden. Wenn Gymnasiasten und angehende Akademiker Probleme beim Kopfrechnen und mit der Muttersprache haben, darf man sich nicht wundern, dass wir von den Chinesen und Indern in die Zange genommen werden.

Das in die Zange nehmen finde ich dabei nicht problematisch. Ehre, wem Ehre gebührt. Die Bildungs- und Geldbürger sind borniert, sie lernen erst, wenn der Zug schon abgefahren ist, weil sie ja immer genauesten Bescheid wissen. Man hat sich hierzulande, und in den Industrienationen sowieso darauf verlassen, dass manche Institutionen verlässlich seien. Die Presse zum Beispiel, etwas größer gesprochen, die Medien. Vom Dorfältesten, der Geschichten erzählt hat, bis zum Journalisten. Man hat im Zuge der komplexer werdenden Arbeitsteilung solchen Leuten das Mandat abgetreten. Politiker, Journalisten, Lehrer. Im Prinzip eine Horde von Personen, die in meinen Augen die weitaus meiste Verantwortung schultern. Werden sie ihr gerecht?! Doch das Szenario ist zu einfach. Wir alle haben den Schlendrian und suchen lieber einen Sündenbock, anstatt uns selbst in die Pflicht zu nehmen. Wenn selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen (das ja einen Bildungsauftrag hat), so viel Schlendrian beheimatet, dass es nicht nur unseriös sondern gefährlich wird. Meinungsmache auf unterstem Niveau. Doch die Leute, die sich informieren, sie wissen Bescheid?!

Pustekuchen. Jeder will ein Fachmann sein. Deutschland stirbt aus; Deutschland lebt weiter; Wir kriegen zu wenig Kinder, und doch sind die, die wir gebären bloß potenzielle Massenmörder. Wir sind jung, forsch, intelligent, reich und sexy. Wir sind aber auch arm, dumm, alt und verwöhnt. Wir sind so vieles. Nein, wir sind eben alles. Doch, wir sind nicht in allem gleich gut. Jeder, der sich informiert, denkt: Er weiß Bescheid. Da kann dann kommen wer will, man wird schon Recht behalten. Es ist bald der Zeitpunkt gekommen – immerhin erodiert der Common Sense bereits -, auf Information zu verzichten, bringt sie doch am Ende nichts als Ärger.

Wir denken, wir wissen. Und dann kommt heute einer, und morgen ein nächster, und sie zeigen uns: Zum Beispiel zeigen sie uns, wie Fotos gefälscht werden, wie geladene Gäste zur politischen Bildung nur Populismus betreiben. Wir akzeptieren, dass uns ein X für ein U vorgemacht wird. Am Ende wissen wir alles besser, weil wir dem wahnwitzigen Irrglauben aufgesessen sind, dass unsere Informanten auch nur eine Sekunde auf den neumodischen Funken Faulheit verzichten. Verzichten tun die, denen keine Wahl bleibt, und doch tun die weitaus meisten das in diesem, unserem Land auf einem sehr hohen Niveau. Wir sind bequem geworden, und zwar durch alle Schichten hindurch. Die Fahrlässigkeit werden wir zu spüren bekommen, wenn nicht heute, dann morgen, wenn uns die anderen nicht mehr als Sündenbock dastehen können, weil sie uns überholt haben werden. Was tun wir? Wir gefallen uns dabei. Nun, natürlich, herrlich narzisstisch, und so. Allerdings: Vornehm geht die Welt zugrunde. Wenn ich in die Zukunft blicke, derzeit, habe ich empathisch eher das Gefühl, dass vieles schon Mal dagewesen ist.

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Kategorie Glocal, Media · Autor · 2 Kommentare


2 Kommentare

  1. Kommentar von dd
    March 30, 2007 · 5:34 pm

    @Alexander
    Stimmt Hühnersuppe is auch lecker …. könnt ich auch mal wieder machen :-)

    Grüsse ausm Schwabenland

  2. Pingback von Maybritt Illner, wenn der Kontext fehlt - Sajonara.de - Internetmagazin
    March 30, 2007 · 8:19 pm

    [...] Vor allem, wenn wir jetzt schon leicht verwirrt erahnen, dass uns eigentlich immer ein X für ein U vorgemacht [...]

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