3. May 2007

Information und was dann?!

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Eine Frage, an alle die dort draußen, die sich dazu ermuntert fühlen, eine Antwort zu geben. Was macht man mit Information?! Wir leben doch in einer Wissensgesellschaft. Für unsere nationalstaatlichen Grenzen wohl in einer, die die nachhaltige Bevölkerungsentwicklung missachtet und wenig Investitionen in die Zukunft tätigt, doch wir leben in einer Wissens- und Informationsgesellschaft trotz alledem. Wir sind informiert. Da schreibt einer ein Buch, und während es veröffentlicht wird, und mit den ganzen Vorarbeiten zum Druckmuster kann es sein, dass die wissenschaftliche Expertise, die darinter verarbeitet ist, bei Drucklegung zum Teil schon obsolet geworden sein könnte. Es gibt doch aber Periodika. Und ja, die sind viel eher am Zahn der Zeit. Aber: Die Artikel in Zeitschriften, und hier meine ich vor allem wissenschaftliche, sind aktueller. Doch sie sind weniger “tief”, nicht so differenziert in ihrer Betrachtung. Dann gibt es die Presse, die Medien, es gibt die Blogs und das Internet; die Tiefe nimmt ab, die Aktualität nimmt zu. Wir haben eine Menge Information, und es sollte sich jemand wagen, nur einen Tag den Stecker zu ziehen. Was passiert dann? Ein jeder möge ein Mal darüber nachdenken, wie er mit den Informationen um sich herum umgeht, und darf mir, darf “uns” gerne von seinen Erfahrungen schildern.

Wenn man in die Welt der Akademik eintaucht, und “noch” kann man das als Hochschulstudent tun – irgendwann, wenn das verschulte System aus Bachelor und Master zwar eingeführt sein wird, aber eben nicht so funktioniert, wie es bei den Erfindern funktioniert, nämlich entsprechend der Maxime von Humboldt, die Freiheit und Gleichheit von Lehre und Forschung betonend, wird man es vielleicht nicht mehr tun können. Doch, wenn man in das akademische Feld eintaucht, vor allem in die Sphären der Geisteswissenschaften, wird man in die “Tiefe” seiner Disziplin gezogen. Dort ist so unendlich viel zu entdecken, und wollte man es alles erkunden, man würde nichts anderes mehr tun. Vor dem Problem stehen wir jedoch alle. Manche sind in der Lage – sie merken es. Andere – sind sie in der glücklicheren Lage? – wissen davon nichts, sie leben einfach in den Tag hinein, und merken spätestens, wenn etwas nicht mehr so funktioniert, wie es soll, dass etwas schief gegangen ist. Doch dann könnte es zu einem GAU kommen, mit erheblichen Folgen. – Gehört es zur Pflicht eines gesellschaftlichen Akteurs, der im Informationszeitalter aufwächst, sich zu informieren?! Manchmal, nimmt man an Umfragen Teil, Telefonumfragen nach Kaufverhalten, nach Bank- und Kreditinstituten, nach Automarken oder Kino-, Film- und Fernsehverhalten. Man wird gefragt, ob man Kinoplakate gesehen hat. Haben wir sie wirklich gesehen, oder doch vielleicht nur wahrgenommen?! Kennen wir die Werbespots, alle? Einige? Was wäre, wenn wir keine kennen würden? Was ist so fatal daran, dass wir tagtäglich sehr viele Informationen produzieren, allerdings nicht in der Lage sind, als Akteure, diese gleichzeitig zu konsumieren, geschweige denn, zu verarbeiten?!

Es wäre nicht wirklich schlimm, wenn nicht die gesellschaftliche Teilhabe so sehr davon abhängig gemacht würde, wie in unseren Tagen. Jemand, der sich eine Auszeit gönnt, und eine Woche in Urlaub fliegt, dort auf Fernsehen und Zeitungen verzichtet, nicht daheim anruft, um zu hören, wie es den anderen geht, sondern einfach nur ausspannt und sich auf sich selbst besinnt – er wird garantiert erleben, wie ihm diese Woche an Informationsurlaub in vielen kleinen Situationen wie ein Filmriss beigebracht wird, den er erlebt haben soll. Von seinen Mitmenschen wird er oder sie (beinahe schon) stigmatisiert werden, nicht über die Dinge Bescheid gewusst zu haben. Froh kann derjenige sein, der sich in einer Nisch bewegt, der sich nur unter Gleichgesinnten aufhält. Ein Akademiker beispielsweise. Wenn Professoren unter “Menschen” kommen, könnte man ihnen das Stigma des Fachidioten förmlich anmerken. Wenn, ja wenn man denn darauf Wert legt. Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? – Wir bestimmen, wo es langgeht, weil wir die Stimmung vorgeben.

Ich mache Sprünge und ich tue es absichtlich. Jeder darf die Dinge gern im Geiste verbinden. Löwenzahn hat den Kindern geraten, sie mögen die Flimmerkiste ausschalten. Doch was, wenn eine Woche Urlaub in Zukunft mit Gefängnis bestraft werden kann, weil sich Dinge zu Ungunsten verändert haben. Wir verkommen zu Sklaven unserer Informationsgesellschaft, weil wir uns selbst dazu gemacht haben. Das prekäre daran ist, wenn jemand sich interessieren mag und möchte, wird er notgedrungen gezwungen, auf dem Laufenden zu bleiben. Da aber ja sein Fachgebiet tagtäglich mehr Informationen ausspuckt, als er selbst aufnehmen kann, muss er filtern. Modernes Informationsmanagement sei Dank, gibt es Instanzen, die für uns filtern. Doch wir entkommen diesem Sog trotzdem nicht. Der Sog, den die Information auslöst. Unsere gesellschaftlichen Gebilde, die einzelnen Teilsysteme, um in funktionalistischen Termini zu schreiben, aber eben auch das Ganze – sie haben eine Komplexität angenommen, die zu überschauen wir nicht mehr in der Lage sind. In groben Zügen, hier und da, und wohl auch noch dort – ja, das lässt sich einrichten, das kann man erledigen. Doch dann wird einem hier und dort, und sogar auch da das Recht abgesprochen werden, mitzureden. Wer heute eine Stimme haben will, der muss auf Zack sein, der muss up to date sein. Ist er das nicht, und weiß er es zumindest, merkt er, wie er von einem Fettnäpfchen in ein anderes tritt. Ist er es nicht? Nun, dann kommt es darauf an, ob Mr. X oder Mr. Y – es kommt darauf an, wie man sich in derlei Situationen verhält. Es soll Leute geben, gar nicht so viele, die beharren auf ihrem Recht, sie bestehen drauf, ohne wenn und aber.

Eine kleine Fehlinformation kann in unseren schönen Tagen der weltumspannenden, globalisierten Informationskommunikationen, wie Gesellschaften Neudeutsch im Soziologensprech auch ausgedrückt werden – so eine kleine Fehlinformation kann viel Geld kosten, sie kann jemanden sogar wirklich Leib und Leben kosten. Es gab eine Zeit, da waren wir selbst so etwas wie eine Instanz der Legitimation. Wir haben die Legitimationspflichten allerdings externalisiert, wir haben sie veräußert, und nun fingen wir eines Tages an, damit gar noch Handel zu treiben. Das fing just in dem Moment an, wahrscheinlich schon einen Augenblick früher, als wir gerade anfingen, der externalisierten Information (den Medien, der Presse) zu vertrauen. Das geht natürlich schon eine Weile länger. Nur, je länger es geht, desto mehr Schindluder, wird damit getrieben, wie wir erfahren. Es werden bewusst Fehlinformationen gestreut, wir werden in die Irre geführt, wir werden neuerdings sogar unserer Identitäten beraubt und müssen uns erwehren gegen Unsichtbare. Der klassische Kampf gegen Windmühlen, könnte man sagen. Diese Informations-Exegese, die wir dann betreiben müssen, um zu verstehen, was gesagt, geschrieben, oder ausgestrahlt worden ist – sie wird, wenn wir nicht lernen, verantwortungsvoller und medienkompetenter mit der Information umzugehen den Nutzen, den sie eigentlich bringen soll, ad absurdum führen. Geschichtsvergessenheit ist ein konservatives Schlagwort, das von Medienkritikern des Informationszeitalters manchmal gerne ins Feld geführt wird. Es gibt noch ein viel düstereres Szenario, nämlich jenes, nicht zu wissen, was man glauben soll, weil es zu viele Instanzen gibt, die allesamt Recht haben “könnten”. Und hinterher? Gibt es denn ein hinterher und wird das notwendig sein, sich darüber zu verständigen?! “Geschichte” in unseren Tagen lebt nicht mehr von Augenzeugen, sondern von legitimierter Information, die sie für uns konserviert. Was allerdings, wenn die Legitimation keine Grundlage hat?! Wenn Zeugnisse der Geschichte gefälscht sind?

Es gab Fälle in der Blogosphäre – der Rauswurf von Sam Sethi bei Techcrunch beispielsweise war so einer. Welcher Seite wollte oder konnte man Glauben schenken. Doch, worauf es mir viel eher ankommt. Es wir in einer Minute eine Information gestreut, die man aufschnappt, liest, sieht, hört, eben wahrnimmt und verarbeitet. Ein sehr wenig nachhaltiges Beispiel ist die Verstrickung von Sebastian Schweinsteiger, einem Fußballspieler des FC Bayern München, in einen Wettskandal. Eine Ente. Ein Redakteur nahm seinen Hut. Ob die Zahl derer, die davon Wind bekam, dass und dass nicht, identisch war? Es glauben noch heute viele Leute an die BILD-Schlagzeile von den 5 Euro pro Liter Benzin, zumindest hat es, vermittelt über eine “öffentlich” Debatte, das subjektive Empfinden der Akteure über den Benzinpreis verändert. Man könnte bald sagen, unnötige Hysterie verbreitet, hat diese Schlagzeile. Sind wir uns sicher, dass wir medienkompetent genug sind, um mit den Anforderungen der Informationsgesellschaft Schritt zu halten? Glauben wir, dass unsere politisch Delegierten es sind? Können sie es überhaupt sein, wenn sie ihren Pflichten nachkommen? Wenn jemand die Verantwortung der Elternschaft auf sich nimmt, ist er automatisch zeitlich daran gebunden und kann auf dem Arbeitsmarkt mit Kinderlosen nicht mehr konkurrieren. Alles, was wir tun, erfordert Ressourcen. Kommt es so weit, dass wir uns selbst einschnüren, weil wir nurmehr dafür Ressourcen werden verwenden müssen, auf dem Laufenden zu bleiben? Oder ist es ohne Weiteres möglich, sich eine Auszeit zu nehmen, oder einfach nicht informiert zu sein, und auch nicht mitreden zu können. Und wenn wir es trotzdem wollen? Und was, wenn Machthaber und Entscheidungsträger sich zwar dazu berufen fühlen, aber doch keine Ahnung haben?! Genug philosophiert, ich freue mich auf etwaige Kommentare.

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Kategorie Glocal, Media, Politics, Science · Autor Alexander Trust · 3 Kommentare


3 Kommentare

  1. Kommentar von Christian in Wien
    May 5, 2007 · 9:02 am

    Die Informationsflut ist tatsächlich eins der größten Probleme dieser Zeit. Information zu verarbeiten kostet Zeit, viel Zeit, sie nicht zu verarbeiten und darauf zu verzichten vielleicht Geld, Beruf, Zukunft und vielleicht sogar Menschenleben.

    Zwar werden viele Informationen weit verbreitet dargeboten, aber es gibt spezielle Informationen die man nur mit Suchen bekommt oder die von den großen Medien abgewertet werden. Oft sind es aber diese Unterschätzten Informationen die einen weiter bringen, die einem wirklich helfen oder die einem Horizonte eröffnen.

  2. Kommentar von Alexander Trust
    May 6, 2007 · 7:43 pm

    Was ich auch meinte, war, dass es Situationen gibt, in denen es keine Wahl mehr gibt. Weil es ist offenkundig so, dass wir Informationen nicht mehr mitbekommen, weil es zu viele davon gibt. Die Menschen haben früher gedacht: Schwäne sind weiß… bis dass jemand einen ersten schwarzen Schwan fand. Nur damals war der Glaube oder das Vertrauen auf “Information” noch nicht dermaßen institutionalisiert. Zudem “glauben” wir heute, dass wir alles wissen. Das ist a) ein Irrglaube, aber b) begründen wir unser Recht haben genau mit dem Aspekt, etwas zu wissen, was wir vielleicht gar nicht wissen. Auch dieser Aspekt ist sehr verfänglich. Aufgrund solcher Tatsachen wurden z. B. im Irak Kriege geführt (fingiert). Die Manipulationskraft, aber auch der Irrglaube an Information ist prekär. Wir “können” nicht allinformiert sein… sondern sind es immer nur zu Teilen. Also müssten wir uns selbst eingestehen, Mängelwesen in puncto Information zu sein. Und deshalb müssten wir uns grundlegend einschränken, was das “Recht” haben angeht. Wir würden Leute dafür töten, wenn wir nur “plausibel” fänden, dass er jemanden umgebracht hätte. Wir verwechseln, Plausibilität mit Wahrheit, die es nicht endgültig gibt.

  3. Kommentar von Christian in Wien
    May 7, 2007 · 4:14 am

    Das ist auch ein Aspekt, nur stellt sich dann die Frage welcher Information wir noch trauen können. Wenn wir nur einen Teil der Informationen mitbekommen, und das ist heute so, dann haben wir ein Problem. Dazu kommt noch das wir allen Informationen die wir bekommen keineswegs trauen können, sie könnten manipuliert oder falsch sein, sogar was wir selbst erleben kann manipuliert sein.

    Es gibt keine endgültige Wahrheit, und alles was uns vermittelt wird ist vielleicht eine Scheinwelt, eine Matrix, demzufolge leben wir auch in einer art Matrix.

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