Der Bild-Mann, der Uschi Obermaier war…
{1}Hamburg. “Wenn es denn der Wahrheitsfindung dient”: Dieser legendäre Satz von Fritz Teufel, 1967 Mitbegründer der Ur-Wohngemeinschaft “Kommune I” und immer einmal wieder Knastbruder, so nach dem vereitelten Tortenattentat auf den US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey und nach einem angeblichen Steinwurf bei der Anti-Schah-Demonstration zu Berlin am 2. Juni 1967, auch gelten lassen für “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, der ein Buch über die 68-er schreiben will? Titel: “Der große Selbstbetrug”. Lesen, wie er alle in einen Topf wirft: den Sozialistischen Studentenbund und die Rote-Armee-Fraktion, Anti-Springer-Demonstranten (”Enteignet Springer”) und die Ostermarschierer?
Zum “Selbstbetrug” neigt Kai Diekmann wahrlich nicht, wird er sich doch noch nie vorgestellt haben, dermaleinst mit Uschi Obermaier auf der Titelseite des “stern” geprangt zu haben, doch an den Pranger stellen wird er sie alle, fürchtet offenbar auch Alan Posener von der “Welt am Sonntag”, der auf “Welt-Debatte” geschrieben hat: “Die 68er haben K.D, gezwungen, als Chefredakteur der Bildzeitung nach Auffassung des Berliner Landgerichts ´bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer´ zu ziehen. Die 68er zwingen ihn noch heute, täglich auf der Seite 1 eine Wichsvorlage abzudrucken, und überhaupt auf fast allen Seiten die niedrigsten Instinkte der Bild-Leser zu bedienen, gleichzeitig aber scheinheilig auf der Papst-Welle mitzuschwimmen.”
Lange gestanden haben diese Sätze in diesem Welt-Debatte-Blog nicht, der Axel-Springer-Verlag schritt ein: “Dies ist die Entgleisung eines einzelnen Mitarbeiters. Der Beitrag von Alan Posener über Kai Diekmann ist ohne Wissen der Chefredaktion in den Weblog von Alan Posener gestellt worden. Der Beitrag ist eine höchst unkollegiale Geste und entspricht nicht den Werten unserer Unternehmenskultur. Bei Axel Springer gilt Meinungspluralismus, aber nicht Selbstprofilierung durch die Verächtlichmachung von Kollegen.”
Seither werden Poseners Zeilen durch das Netz gejagt, sind gelandet beispielsweise im law.blog: “Der Link funktioniert schon nicht mehr, wie auch BILDblog gerade meldet. Also, wenn Herr Posener Lust hat, kriegt er den vollständigen Text sicher auf unzähligen Weblogs unter, dieses eingeschlossen.”
Fritz Teufel hat wie kaum ein Anderer verknöcherte Zeitgenossen lächerlich gemacht. Als die Staatsanwaltschaft verkündete, der heute 63-Jährige sei als Kopf der “Bewegung 2. Juni” überführt, schwieg der Kommunarde, bis seine Aussage der Wahrheitsfindung diente, lieferte ein hieb- und stichfestes Alibi und verließ den Gerichtssaal als freier Mann.
Manchmal war auch die “Tagesschau” dabei, wenn Fritz Teufel seine Späße machte – und die “Tagesschau” wird dabei sein, wenn Kai Diekmann sein 68er-Werk präsentiert. In den Wald der Mikrophone wird er rufen: “Ich nehme nun meine Maske ab. Dies ist nicht mein erstes Enthüllungsbuch.” Die Kameras werden surren, wenn er sagt: “Seht her. Ich bin Günter Wallraff.” Dann groß im Bild das Cover des Buches: “Der Bild-Mann, der in der Kommune I Uschi Obermaier war.”
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Tags Hamburg, Kai-Diekmann, Springer, Uschi Obermaier
Kategorie Glocal, Media · Autor Heinz-Peter Tjaden · 1 Kommentar


May 10, 2007 · 11:34 pm
Dazu sage ich nur: Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht!