Coscun D. und Axel Springer contra SchülerVZ
Unglaublich aber wahr, ein 15-Jähriger wird über Nacht verhältnismäßig berühmt. Warum? Nun, weil der Junge, Coscun D., zusammen mit einem Freund zwei Mädchen, 12 und 13, vergewaltigt haben soll. Das hat immerhin für Seite 1 der BILD-Zeitung gereicht. In Hamburg sollen Coscun und sein Freund die beiden Mädchen in die Wohnung einer Tante gelockt haben. Über einen CHAT hatte man die Mädchen aufgegriffen, sich zu einem Treffen vereinbart, sie dann genötigt, mit in die Wohnung zu kommen.
Der Springer-Verlag macht daraus bislang zwei Artikel. Den ursprünglichen “Zwei Jungen (15) vergewaltigen Mädchen (12, 13)” über den Tathergang, und nun einen samariterhaften “Tatort Internet – So können Eltern ihre Kinder vor Sextätern am Computer schützen” über die Gefahren von Chats im Internet und wie man ihnen vorbeugen kann. In letzterem Artikel findet sich zudem ein Foto von Coscun D., mit ausgeschnittenem Gesicht – seine Silouhette also. Abgesehen davon, dass bislang lediglich der Vorwurf im Raum steht und die beiden Jungs noch nicht schuldig gesprochen wurden, ermangelt es dem Springer Verlag offenbar an der Fähigkeit, dieses Geschehen “wirklich” für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Das verwundert, lauten doch zwei der Tipps zum Schutz vor Übergriffen:
“Denk dir einen guten Spitznamen aus. Dieser „Nickname“ sollte reine Fantasie sein. Dein richtiger Name und dein Alter sind dein Geheimnis!” und “Verrate nie deine Adresse, Telefonnummer, deinen Nachnamen.”
Instrumentalisieren könnte der Springer Verlag nun, wenn man sich “wirklich” helfend hinstellen wollte. Dann nämlich, wenn man zum Beispiel darüber aufklären würde, dass das virtuelle Schüler-Gatter vom Konkurrenten Holtzbrinck gerade dazu aufruft, das Gegenteil zu tun. Realnamen (die wohl abgekürzt werden im Nachnamen) werden bei der Anmeldung im SchülerVZ vorausgesetzt. Während man natürlich Volljährigen in Social Networks zugesteht, über das, was sie tun eigene Entscheidungen zu fällen, wurde in diversen Bereichen gerade dieses Problem thematisiert. Doch scheint Springer nicht daran interessiert zu sein, echte Aufklärung zu betreiben, weil man eventuell selbst viel zu sehr ins Internetgeschäft mit Realnamen, Adressen und Telefonnummern verwickelt scheint und sich den eigenen Humus für gewinnbringende Geschäfte austrocknen könnte. Erbärmlich, angesichts der Tatsache, dass StudiVZ via Pressemitteilung über stetes Wachstum im Schüler-Gatter klagt
. Ist Handlungsbedarf geboten?!
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Tags BILD-Zeitung, Coscun-D., Hamburg, Holtzbrinck, SchuelerVZ, StudiVZ, Vergewaltigung
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