15. May 2007

Eins, zwei, drei…

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… Alles ist vorbei. Das Leben eines vierjährigen chinesischen Mädchens nahm ein Ende, weil sie nicht bis 100 zählen konnte. Die eigene Mutter prügelte das Mädchen zunächst bewusstlos, ließ das Kind wieder zu sich kommen und erstickte es dann (via 20minuten.ch). Da kann ich von Glück sagen, dass ich als Vierjähriger schon mehrstellig zählen konnte.

Was verleitet Leute dazu, so etwas zu tun? Mit Sicherheit sind wir, also das gesellschaftliche Umfeld nicht ganz unschuldig an solchen Situationen. Ähnlich wie (nicht nur) Models sich zu Tode hungern, weil sie einem irrwitzigen Ideal folgen, dürfte wohl in diesem Fall der Erwartungsdruck groß gewesen sein. Gerade in China, da wegen der immensen Population der soziale Aufstieg in einem sehr disparaten System nicht einfach erscheint, erscheint der verspürte Druck übergroß. Immer wenn ich von derlei Geschehnissen erfahre, werde ich unwillkürlich daran erinnert, dass wir eben doch “nur” Menschen sind.

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Kategorie Glocal · Autor · 6 Kommentare


6 Kommentare

  1. Kommentar von Thomas
    May 15, 2007 · 7:19 pm

    Darf ich darauf hinweisen, dass ich den Titel und den damit verbundenen ersten Satz eher für geschmacklos halte. Ist jetzt nicht böse gemeint, aber feinfühlig sieht anders aus.

  2. Kommentar von Alexander Trust
    May 15, 2007 · 7:34 pm

    Das darfst du gerne Thomas. Ich halte indes unser Verhalten oft genug für geschmacklos und bin der Meinung, dass man diese Situation nicht verklären braucht. Es ist manchmal gut, den Menschen den Spiegel vorzuhalten. Wir halten hier so sehr viel um unsere Moral, dass wir nicht merken, wie wir eigentlich alles andere sind, nur selten genug moralisch anständig. Bei einer etwaigen Frage – ja, ich habe Titel und den unmittelbaren Anschluss absichtlich so formuliert. Feinfühligkeit gegenüber wem soll ich eigentlich anbringen? Das Mädchen lebt nicht mehr. Ihr gegenüber hätte man Feinfühligkeit zeigen sollen, und dem Potenzial aus der Gesellschaft, das zu solchen Dingen führt, sollte man durchaus grob begegnen. Wobei grob eben nicht gewalttätig meint. Man kann mit Worten schon eine Menge ausrichten. Nämlich zum Beispiel die Leute daran erinnern, wo sie eigentlich herkommen.

  3. Kommentar von Stimme
    May 15, 2007 · 10:36 pm

    Das sind die Auswirkungen der 1-Kind Gesellschaft die dort geschaffen wurden. Mädchen sind dort dann perse erstmal weniger wert. Und wenn das einzige Kind dann auch noch “versagt” klickt der rest an Verstand bei den Eltern aus. Auch wenn es soetwas lapidares wie bis Hundert zählen ist.

    Was du noch dazu sagen könntest ist:
    “Nach einem Wiederbelebungsversuch habe sie das Kind erstickt, da sie hohe Krankenhausrechnungen und die Reaktion ihres Mannes fürchtete”

    Das Verhalten mag man grausam finden oder verurteilen, ist aber einfach das was aus der Gesellschaft entsteht. Nicht das ich das gut heissen oder relativieren will, ich hab nur schon genug Folgen dieser 1-Kind-Gesellschaft erlebt das es micht nicht sonderlich überrascht. Und diese, ich weiss gar nicht wie ich es nennen soll, Erwartungshaltung der Eltern an ihre Kinder endet noch lange nicht mit der Volljährigkeit, ein etwas längeres Gespräch mit einem beliebigen Austauschstudenten (noch besser Studentin) aus diesem Land zeigt dort noch mehr der Folgen…

  4. Kommentar von Alexander Trust
    May 15, 2007 · 10:44 pm

    Ich habe auch eine Kommilitonin, die Verwandte in dem moderaten Taiwan hat, und eine weitere, die in einem China-Seminar gewesen ist – deren Seminararbeit ich Korrekturlesen durfte – und auf Exkursion in China gewesen ist.

    Doch davon abgesehen, dürfen wir gerne vor der eigenen Haustür kehren: Immerhin erzeugen wir hier mitunter nicht weniger prekäre Erwartungshaltungen. Das äußert sich in Versagensängsten, in steigenden Suizidraten vor allem männlicher Jugendlicher, die zum Beispiel im Konflikt stehen mit einem propagierten Ideal von Männlichkeit, das es in der Realität kaum gibt. Ähnlich irre wie Schönheitsideale die in den Hungertod führen… ob man durch eine fremde Hand stirbt, die einem Druck nicht gewachsen war, oder selbst dem Druck nicht mehr standhält. Das sind, so kann man sagen, Erscheinungen, die mit Modernisierung und Industrialisierung einhergehen – oder?

  5. Kommentar von Stimme
    May 16, 2007 · 8:10 am

    >Das sind, so kann man sagen, Erscheinungen, die mit >Modernisierung und Industrialisierung einhergehen – oder?

    Damit gibt die Gesellschaft sich jedenfalls zufrieden. Impliziert ein “Wir hätten doch eh nichts tun können” und der “Einzelne ist doch hilflos bei so etwas”.

  6. Kommentar von Alexander Trust
    May 16, 2007 · 10:38 am

    Man kann sein Umfeld zumindest sehr sorgenfrei und ohne Druck gestalten, wenn man empathisch genug für die Belange anderer ist und zumindest auch mal sein eigenes Handeln reflektiert. Eltern und Kinder, Schüler und Lehrer, Schüler und Mitschüler… – Schüler können manchmal sehr grausam sein. *G* Ob es denn wirklich alle wollten? Das ist eine Frage, bei deren Beantwortung ich mir nicht sicher bin. Zu wissen, es würde alles gut werden – ob das ausreichen würde, die Leute dazu zu bewegen, ihr Handeln zu verändern?!

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