Kurz angemerkt: Jugendlicher Leichtsinn?!
{8}Yannick Eckl von Blogschrott ist auf der Suche nach bloggenden Jugendlichen. Auf seiner sukzessive größer werdenden Liste fand ich zum Beispiel den 17-jährigen Marcel Korstian aus Duisburg, der das Blog “Der Korsti bloggt” führt. Das tut Marcel seit April. Seine Beiträge über Webdesign sind interessante Ausgangspunkte um an weitere Quellen im Netz zu gelangen.
Während Yannick in seinem Beitrag fragt, ob die Jugend auf dem Vormarsch sei, möchte ich fragen, woran es liegt, dass Marcel in seinem vorgestrigen Artikel “Web 3.0 oder Schwachsinn? Der Computer via Internet: Nivio” ein neues Konzept von (materieller) Ressourcen-Umverteilung in puncto Datenschutz kritisiert.
Nivio, was ist das? – Marcel schreibt:
Irgendwo in der Ferne, besser gesagt bei Nivio lagert das Betriebssystem auf dem Server. Via Internet-Browser loggt man sich ein und benutzt die Hardware des Computers. So hat man überall den vollen Zugriff auf sein eigenes Betriebssystem und Daten.
Dann äußert er unter anderem folgende Bedenken:
Ein weiteres Problem, das ich sehe, ist der Datenschutz-Aspekt. Warum sollte ich meine privaten Dokumente auf einem fremdem Server lagern und dafür noch Geld bezahlen?
Mal abgesehen davon, dass man an dieser Stelle die Intension (=Sinn und ungleich Intention = Absicht) des Satzes auf den finanziellen Aspekt verschoben sehen könnte, dreht sich Marcel nicht im Kreis?! Wie ich darauf komme? Zu Beginn verlinkte ich hinter seinem Namen das Impressum seines Blogs.
Dort ist eine “Googlemail”-Emailadresse angegeben. Jemand, der Wert auf Datenschutz legt weiß, dass die AGBs von Gmail es Google erlauben, alle Mails mitzulesen, die über diesen Account abgewickelt werden. Das fällt für denjenigen, der die Mails verfasst, in seinen eigenen Zuständigkeitsbereich. Alle anderen jedoch, die mit Besitzern von Gmail-Accounts über selbige kommunizieren ist das eine böse Falle. Zumindest für sensitive Daten ist von einer Kommunikation via Gmail abzuraten. Mich wundert indes auch, warum die bloggende Kunstfigur Don Alphonso mit der Datenschutzkeule schwingt und trotz allem nur über eine Gmail-Adresse erreichbar ist.
Warum also wirken Datenschutzaussagen in diesem und anderen Fällen irgendwie opportun? – Vielleicht mag Marcel ja darauf antworten.
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Tags Blogschrott, Datenschutz, Gmail, Google, Marcel-Korstian, Yannick-Eckl
Kategorie Glocal, Media · Autor Alexander Trust · 8 Kommentare

May 17, 2007 · 7:28 pm
“Vielleicht mag Marcel ja darauf antworten.”
Gerne
Vorweg möchte ich auf meinen Kommentar zu Yannick Eckls Liste hinweisen, in dem ich schon sagte, dass es junge Blogger schwer haben und die Worte drei Mal auf die Goldwaage gelegt werden. Es scheint zu stimmen.
Dann ein Dankeschön für das Lob — freut mich, dass meine Artikel “interessante Ausgangspunkte” sind.
Nun zum eigentlichen Artikel und zum Datenschutzaspekt: Warum ich dieses “Konzept von (materieller) Ressourcen-Umverteilung” kritisiere hast du ja schon richtig erkannt: Miet(!)kosten und Daten auf fremden Servern.
So wie ich das jetzt verstanden habe, kritisierst du, dass ich trotz allem GMail nutze und mir damit selbst widersprechen würde. Ja, ich nutze GMail — allerdings nur in der Blogwelt und anderen Internetdiensten wie beispielsweise Flickr. Warum? GMail hat einen relativ guten Spamfilter und ist auch so praktisch.
Um dich zu beruhigen: Ich benutze GMail keineswegs für private Mails oder ähnliches — neben dem GMail Account besitze ich auch noch zwei weitere Adressen, die ich ausschließlich im privaten Bereich nutze und die ein POP3-Konto auf mir bekannten Servern haben.
Jetzt, wo ich zwei oder dreimal drüber nachdenke, hast du schon recht, dass meine Argumentation löchrig ist
Lieben Gruß,
Marcel
May 17, 2007 · 8:02 pm
Du kannst Timo oder Yannick fragen, wie ich zum Thema Jungblogger stehe. Wenn du mir ein Argument lieferst, dass mich überzeugt, aber dein Lehrer oder Professor oder Chef, oder sonstwer, der älter ist, würde dich kritisieren, würde ich mich trotzdem auf deine Seite stellen.
Datenschutz ist, mh… in meinen Augen etwas, das sehr schwierig zu fassen ist. Es ist für viele, die das Internet nutzen sowieso eher die große Unbekannte. Niemand (= wenige) macht sich ernsthaft Gedanken darüber. Das wird solange nicht geschehen, bis irgendwann ein Präzedenzfall auftaucht, der exorbitante Wahrnehmung genießt und eine Menge Schaden anrichtet, und selbst dann wird es schwierig. Sagen wir, die Konten aller Deutsche Bank-Kunden würden gehackt werden. Irgendwie so etwas.
Bei StudiVZ frönen doch beispielsweise weiterhin alle ihrem Treiben. Und “ich” persönlich sehe Datenschutz sehr kritisch an. Die Anstrengungen, die von Leuten unternommen werden, die Daten zu schützen, die sind allesamt mehr oder weniger unwirksam. Zudem überzeugen mich die Argumente dieser Seite nicht. Wir leben in “einer” Welt, wollen aber so tun, als gäbe es ganz viele. Intimität ist für mich etwas, das läuft auf der emotionalen Ebene ab. Deshalb könnte ein ganzes Lexikon über mein Leben niemandem “wirklich” ein Bild von mir machen. Gut, vielleicht einigen wenigen, die ähnlich wie ich ticken. Aber dann wäre man vielleicht froh, diesen Leuten vorgestellt zu werden. Who knows it?!
May 17, 2007 · 8:25 pm
Im Fall von Nivio legt man möglicherweise wirklich private Dateien (Vielleicht Excel-Tabellen mit Finanzdaten, Word-Dokumente mit Geschäftsbriefen, etc ?!) ab — und der Unwissende glaubt, er wäre sicher. Gmail nutze ich, wie gesagt, nicht für private Dinge. Kontaktmails via Blog oder anderen Webdiensten fallen meiner Meinung weniger in den privaten Bereich. Wenn mich jemand nur nach einem Artikel fragt oder ob er beispielsweise ein Bild verwenden darf, kann Google das ruhig wissen. Wenn es wirklich private Sachen zu besprechen gibt und mich jemand via Gmail anschreibt, gebe ich stets eine andere Mail an.
Du sprichst an, dass Datenschutz sozusagen nicht wirklich etwas bringt. Das sehe ich so: Ich möchte nicht, dass man meine Kontoauszüge einsehen kann, wenn man in Google meinen Namen eingibt. Dass jeder, der sich im Netz rumtreibt Spuren hinterlässt ist klar, aber warum sollte man Neugierigen nicht so viel Hürden wie möglich in den Weg legen?
“Deshalb könnte ein ganzes Lexikon über mein Leben niemandem “wirklich” ein Bild von mir machen.”
Der Mensch erstellt automatisch Bilder. Natürlich kein “wirkliches”, aber ist das nicht umso schlimmer? So stehst du vielleicht im Internet total negativ da — vielleicht durch Äußerungen, die falsch aufgefasst wurden oder so. Wäre dir das gleichgültig?
Marcel
May 17, 2007 · 9:25 pm
Schau, das Problem hast du zum Beispiel mit diesem Artikel. Ich habe dich angepingt darüber – und das Credo, das Motto dieses Blogs, es steht im Untertitel, den man z. B. bei Technorati findet: “Welcome to discourse”. Ich formuliere manchmal äußerst provokant, aber nie böswillig. Du bist auf mein Angebot zum Diskurs eingegangen, bist auch schon kurz nachdem ich den Artikel eingestellt habe, dann in meiner Blogroll gelandet. Es ging mir so ähnlich mit den Herren “Thomas allein in Trier” und “Der Tag und ich”. Die beiden fühlten sich angesprochen, wir haben etwas ausdiskutiert und beide Seiten hatten einen Eindruck gewonnen. Ich mag es, wenn die Leute konstruktiv mit den Argumenten umgehen, und ich bin niemand, der sinnlos irgendwelche Steine wirft.
Ich beschäftige mich in meinem Studium immer mal wieder mit dem Internet, obwohl ich eigentlich andere Dinge tun sollte. Hab mich viel mit Medien beschäftigt und obgleich ich mit sieben Jahren meinen ersten Computer bekam, hab ich nie den Blick für den Rest der Welt verloren. Das Internet ist “nicht” grenzenlos und global. Du würdest dich wundern, wie wenig Einfluss manche Dinge einfach haben. Davon abgesehen, ja, ich weiß, welchen Preis ich zahle. Wenn die Leute mich so negativ sehen, weil sie irgendwas in den falschen Hals kriegen – dann, so sagt mir meine bisherige Lebenserfahrung, muss ich nicht traurig sein. Leute, die keine Geduld haben, die verlieren den Blick für die Nachhaltigkeit. Leute, die keine Geduld haben, versuchen sich zu wehren gegen kurzfristige Erscheinungen deren Bedeutung allerdings auf Dauer unheimlich gering ausfällt. Die ganze Aufregung finde ich dann umsonst. Das Internet ist ein verzerrtes Bild der Realität. Zumindest in Teilen, und große Teile der Gesellschaft sind nicht “drin” sondern außen vor. Das Internet ist äußert “partial”… – weißt, ich grüble sehr viel, und bin dabei doch sehr gelassen. Weil ich genau weiß, dass im Prinzip herzlich wenig von Bedeutung ist. Streng genommen müsste mich, so viel ich über StudiVZ berichtet habe, und so viel Aufmerksamkeit dies Blog in der Zeit genossen hat, unheimlich viele meiner Kommilitonen eigentlich auch darauf ansprechen. Doch die wissen gar nicht, was ich im Internet treibe. Und das, wo ich in vielen Kommentaren meinen Klarnamen angebe, usf.
Suchen und Finden im Internet ist kontextsensitiv. Die Studis treiben sich zwar im StudiVZ rum, aber sie interessieren sich nicht für die Berichterstattung ums StudiVZ. Jedenfalls die wenigsten. Ich glaube, ich kenne “einen”, der weiß, wie ich zu StudiVZ stehe, der an meiner Uni studiert, und dem ich es nicht “selbst” erzählen musste, als man mal auf das Thema zu sprechen kam.
Was genau ist auf deinen Kontoauszügen Geheimnisvolles? *G* Also, wenn man ja in der Utopie negativ zeichnet, hat man “totale” Kontrolle. Wenn man es positiv zeichnen würde, hätte niemand mehr etwas zu verbergen. Ein sorgloses Leben, weil jeder Handlungen vollzieht, die nicht subversiv wirken. Ich bin der Meinung, wenn jemand etwas zu verbergen hat, dann hat das seine Gründe. Die Gründe sind “nie” positiv. Sei es Angst, sei es Geheimniskrämerei (bis hin zu negativ Kriminalität). Mit Ängsten sollte man klar kommen und kann dann besser damit umgehen… mit allem anderen… mh… da kann man sich selbst nen Reim drauf machen. Was genau hat denn zum Beispiel Don Alphonsos Schreibe für einen Einfluss auf Ehssan Darianis Privatleben gehabt?! Ich bin der Meinung – gar keinen. Ehssan hat vorher Freunde gehabt und hat sie jetzt immer noch. Schau dir an, was die britischen Tabloids über Paul McCartney schreiben und seine Ex, und den “Rosenkrieg” dort… schau dir aber an, was das im Leben beider verändert? Die Aufmerksamkeit, okay. Aber sowohl Heather als auch er haben ihre Freunde und niemand hat sich von ihnen abgewandt und wenn das jemand tut, ohne z. B. mit seinem Freund Tom, mit seinem Freund Ehssan zu reden, dann ist er in meinen Augen kein wahrer Freund. Die Einflüsse, die das Medium auf uns ausüben, bestimmen wir eher selbst. Es verändert den Umgang miteinander und mit den Medien, aber es hat weit weniger Einfluss auf das persönliche Erleben. Wenn man Leute negativ im Netz kennen lernt und dann mal gezwungen würde, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen, würde die Situation alles von selbst regeln. Denn: Entweder bestätigt sich das Bild, dann ist alles in Butter, und wenn man “intuitiv” auf einer gänzlich anderen Ebene einen Ehssan Dariani sympathisch findet, wird man sich nicht dagegen wehren können. Gut, streng genommen argumentiere ich hier gerade, dass alles, was wir hier treiben irgendwie überflüssig ist, aber psssst.
May 17, 2007 · 9:25 pm
Über Datenschutz, Googlemail und leichtsinnige Jungblogger…
Alles fängt mit einer Liste von bloggenden Jugendlichen an. Yannick Eckl will sich ein Bild von der jugendlichen Blogger-Riege machen und ruft alle Blogger unter 18 Jahren auf, sich in seinem Blog zu melden. Ich melde mich und merke an, dass es j…
May 17, 2007 · 9:38 pm
Ahh! Alexander, du hast da was falsch aufgefasst
Ich habe keinesfalls ein Problem mit dir oder dem Artikel — vielleicht in der ersten Minute
Aber deine Art habe ich schon verstanden und ich hab auch kein schlechtes Bild vor dir. Das war nicht auf dich bezogen! — Ich habe sozusagen die Gegenseite kritisch beleuchtet.
Hoffe, du hast jetzt kein falsches Bild von mir
Lieben Gruß
Marcel
May 17, 2007 · 9:57 pm
Nein, nein. Ich formuliere nur Kommentare immer auch an zwei Adressaten, an dich UND an den Rest. Ich weiß, dass es Leute gibt, die auch die Kommentare lesen, und für die ergeben sich ja aus dem was “wir” diskutieren auch immer neue Aspekte. Das ist der Grund, warum ich dann durchaus manchmal auch ausführlich werde.
March 20, 2008 · 2:41 pm
[...] paar Minuten später stellt Alexander Trust, 26, Chefredakteur von Sajonara den Artikel „Kurz angemerkt: Jugendlicher Leichtsinn?!“ ins Netz und weist darin Lücken in meiner Kritik an Nivio auf (siehe: „Web 3.0 oder [...]