12. July 2007

Endlich wieder ein Typ

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Die Fußball Bundesliga wird – ja man darf es kaum sagen – dank des FC Bayern München in der Folgezeit um einiges interessanter. Nicht, weil ich die Sorge oder Hoffnung hätte, die Bayern würden alle Titel gewinnen, wie es in manchen Medien kolportiert wird. Nein.

Denn ich habe nicht nur die Hoffnung, sondern das gute Gefühl, dass endlich wieder ein Typ in der Bundesliga für Stimmung sorgen wird. Typen, von denen man spricht, unter den Fans aller Vereine. Schillernde Figuren. Und Frank Ribéry dürfte so jemand sein. Wenn man liest, wie er schon innerhalb des Bayern-Teams für Stimmung sorgt, sich Späße mit den Mitspielern erlaubt und Fußball lebt anstatt es nur als seinen Job abzutun, dann muss einem nicht Angst und Bange werden. Die Bundesliga wird interessanter werden, weil sie menschlich bereichert wurde. Es ist egal, wieviel Euro die Bayern für ihn hingelegt haben, wichtig ist, dass dieser Mensch alle um sich herum mit seiner Leidenschaft anstecken kann und ansteckt.

In der Vergangenheit sind die Spieler der Fußballbundesliga merklich blass geblieben. Es gab niemanden, der wirklich (positiv) auffiel. Die deutsche Nationalmannschaft hat im Kollektiv eine ordentliche Leistung vollbracht, allerdings wirkte beinahe jeder Spieler für sich eher bieder und blass. Bei vielen hatte man eher noch das Gefühl, als hätten sie das Leben noch nicht angenommen, als käme es noch zu früh. Ribéry ist noch jung, und trotzdem schon voller Elan. Er denkt nicht in Zahlen sondern in Leistung, in Erfolgen. Dafür ist er bereit, alles zu geben.

Ribéry ist, so scheint es, jemand, der die Identifikation mit seinem Club sucht. Solche gibt es in der heutigen Zeit selten genug. Nicht zuletzt Willy Sagnol hat auch dafür gesorgt, dass sein Nationalmannschaftskollege den Weg nach München findet. Man kann den Münchnern ja vorwerfen, was man will, aber sie verfügen über ein professionelles Umfeld, das über dieses Maß an Prüfessionalität hinaus auch menschlich bleibt. Sie ermöglichen ihren Spielern, gerade jenen, die aus dem Ausland kommen, sich in München und Umgebung wohlzufühlen.

Wäre er nicht zu sehr vom Verletzungspech ereilt worden – Mehmet Scholl hätte ein Typ werden können. Oliver Kahn war einer, ist es aber nicht mehr. Seine Zeit ist eindeutig vorbei. Vielleicht straft er mich ja lügen, indem er sich in seiner letzten Saison noch ein Mal voll ins Zeug legt.

Was macht einen Typ aus? War Michael Ballack ein Typ? In meinen Augen war er genug Mensch, aber kein Typ. Mario Basler war weniger Mensch, aber doch ein Typ. Jay Jay Okocha war ein Typ, Krassimir Balakov war ein Typ auf dem Platz, Lothar Matthäus und Stefan Effenberg waren ebenfalls Typen. Zumindest in meinen Augen. Ulli Stein und Bodo Illgner waren Typen. War Gionvanne Elber ein Typ? Er war nahe dran. War Jürgen Klinsmann ein Typ? Waren nicht viele der Fußballweltmeister von 1990 Typen? Da ich erst 1980 das Licht der Welt erblickt habe, sind mir die Typen von davor eher verborgen geblieben.

Vielleicht wird auch Werders Spielmacher Diego über die Zeit ein Typ werden. Die Anlage hat er dazu, doch bei ihm ist alles noch zu spielerisch und zu schüchtern – so wirkt es jedenfalls auf mich. Ulf Kirsten war ein Typ. Wie ich zu diesen Urteilen kommen? Weil alle diese Namen sich mir aus dem Gedächtnis, aus der Erinnerung eingeben. Weil man sich – weil ich mich an diese Leute erinnere. Typen bleiben im Gedächtnis, sie bleiben in Erinnerung. Mit Sicherheit gibt es auch Typen neben dem Spielfeld, Christoph Daum, Reiner Calmund sind solche, aber auch Otto Rehagel oder Dragoslav Stepanovic. Rudi Assauer und andere mehr. Gerne würde ich auch von den Lesern hören, ob sie mir beipflichten können, oder gar noch weitere Typen erwähnenswert finden. Ich habe mich absichtlich zurück gehalten, damit noch Luft nach oben ist. :)

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Kategorie Glocal · Autor · 1 Kommentar


Ein Kommentar

  1. Kommentar von B.N.
    July 13, 2007 · 9:38 am

    Man kann die Liste sicher noch fortführen: Magath, Schuster, Schumacher… Aber ich springe mal für die Typen in die Bresche, die nicht immer das Licht der TV-Kameras gesucht haben und dennoch Leistungsträger und Persönlichkeiten waren, die sich voll mit ihrem Verein identifiziert haben – auch wenn sie vielleicht nicht so technisch und spiellenkend beschlagen waren, wie die von Dir genannten:

    Stellvertretend für diese seien nur Typen wie Bernd Hollerbach (HSV) oder Paul Stalteri (Werder) genannt.

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