Mal wieder vom Bau: Blogbar
{2}Don Alphonso hatte ja schon ein Mal darauf hingewiesen, dass er seine eigenen Kinder – vielleicht möchte jemand der Kunstfigur ein paar andichten? – nicht in den Journalismus, sondern auf den Bau schicken wollte. Ich habe schon damals zu dieser Aussage Stellung genommen. Von ehrlicher Arbeit hat der Alphons geschrieben, und so ist es dabei geblieben; nun allerdings kriegen wir des Rätsels Lösung: Gebaut wird immer.
Wenn er sich da mal nicht vertut. Da in meiner Familie zum Teil selbst selbständige Handwerker einen Betrieb führen, man aber durchaus auch immer wieder von Saisonarbeit bei Angestellten im Bereich der Baubranche hört – sollte man durchaus die Goldwaage nicht zu Hause verstauben lassen, wenn man die Einschätzung einer Kunstfigur aufwiegen möchte. Da der Alphons es durchaus versteht, Prognosen auf seiner eigenen Meinung gründen zu lassen, können wir hier an dieser Stelle ja auch ein Mal den Grips pauschal stellen und feststellen, dass es in jedem Berufsfeld Schwankungen gibt und in manchen Berufsfeldern über den Entstehungszeitraum bis zu einem Höhepunkt hin, dann stetig bergab geht, bis man einen gewissen Sockel erreicht.
In der Zeit, in der es bergab geht, weil neue Berufsfelder entstehen und der Fortschritt nicht halt macht – in dieser Zeit ist das Jammern am größten. Erforderlich wäre in dieser Phase jedoch eine Anpassungsleistung der gesellschaftlichen Akteure. Hilf dir selbst, dann hilft dir der Mann, den es gar nicht gibt. So oder so ähnlich, lautet ein weiser Spruch aus einem Buch, dass unseren Kulturkreis bis heute nicht loslässt. Nicht das Arbeitsamt, die Umschulungsmaßnahmen oder andere Mittel und Wege sind es, die uns zum Ziel bringen. Wir selbst sollten in die Hände klatschen und wieder dem Bruttosozialprodukt, das es so ja nicht mehr gibt, zu mehr Wachstum verhelfen. Natürlich könnte man in großem Maßstab Hinz und Kunz unter die Arme greifen, doch individuelle Hilfe wäre angebracht. Doch den Leuten fehlt die Zeit. Dass Zeit wichtig ist, wird sich spätestens dann wieder zeigen, wenn der Fortschritt mit riesigen Problemen zu kämpfen haben wird.
Derzeit haben wir noch das Glück, dass die Welt nicht zusammen gewachsen ist, und wir viele Volkswirtschaften mit ihren Aktueren auf der Welt haben, die alle noch Potenzial bieten. Aber: Sie sollten nicht denselben Fehler begehen, wie andere vor ihnen. Dann nämlich beginnt die Eule der Minerva ihren Flug von neuem und es wird ihr vorheriger Ruheort nur noch ein Häufchen Elend bleiben. Die Fähigkeit zur Anpassung ist so enorm wichtig. Dabei geht es nicht ein Mal um den technischen Fortschritt. Selbst wenn wir die Entwicklung von hier auf gleich stoppen würden, hätte die Menschheit noch unheimlich viel Nachholbedarf. Wenn Menschen meinen, dass sie Renter seien, und sich deshalb nicht mehr für die Welt zu interessieren bräuchten, das könne man ja den jungen Menschen überlassen – dann ist das zum einen schade für die betreffenden selbst, indes jedoch ebenso ein Denkfehler, der vielleicht nur aus der Unwissenheit heraus resultiert. Dies Argument habe ich mir nicht aus den Finger gesaugt, sondern es ist mir erst vor kurzem, zu Tisch, in einer Gesellschaft begegnet.
Sich abzuschotten ist zwar eine besonders einfache Variante, durch’s Leben zu gehen – ich behaupte aber, dass es nicht eben die gewinnbringendste für den eigenen Lebenslauf darstellt. Man möge mich eben eines Besseren belehren, ich höre mir die Argumente gerne an. Zurück zum Faden von der Blogbar. Sat 1 entlässt Journalisten. Einfach so. Ganz plötzlich. Es geschieht auf die harte Tour. Dass das Medium Print abgelöst werden soll – ich zweifle sehr stark daran. Denken wir an digitales Papier, und wann es zur Marktreife gelangen wird. In der Zwischenzeit stellen wir einfach fest, dass das herkömmliche Papier out ist, und das Bildschirmlesen sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Rein ergonomisch ist das zwar nie und nimmer begründbar, aber Menschen handeln nicht immer rational. Jedenfalls ist das derzeitige Problem, dass es Journalisten gibt, die mit den Medien von Heute nicht Schritt halten können. Man gebe den Leuten von Heute die Möglichkeit, sich anzupassen und erwarte von ihnen, dass sie es tun. Spätestens nämlich, wenn das digitale Papier durch die Hände von Otto Normalverbraucher flutschen wird, wird sich das Ergonomieargument von selbst geklärt haben. Doch um dann das digitale Papier mit Input zu füllen, und es außerdem in Betrieb zu nehmen, wird es der Anpassung von Produzenten und Rezipienten benötigen.
Wenn man sich die Mediengeschichte ansieht, stellt man Folgendes fest: Zwar sind viele Medien mit der Zeit verschwunden, nie aber deren Funktionen. Es gab Nachfolge-Medien, die die Funktion von Vorgängern ähnlich, abgewandelt, besser oder irgendwann wieder neu in Szene setzten. Wegen mir könnte man übrigens den technischen Fortschritt durchaus auch anhalten – ich bin nicht technikgläubig und argumentiere deshalb in Bezug auf Assimilation. Ich bin allerdings auch keineswegs technikfeindlich. Ich bin also weder Herbert Marshall McLuhan und eben auch nicht Harold Adams Innis. Offenbar bin ich ein wenig von beiden. Eine Diskussion darüber, ob man sich nicht lieber vom Zeitgeschehen in der Begründung lösen sollte, weil man dann viel leichter feststellen wird, dass die Dinge immer wiederkehren – würde meines Erachtens durchaus interessant sein.
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Tags Baubranche, Blogbar, Don-Alphonso, Handwerk, Journalismus
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 2 Kommentare

July 24, 2007 · 6:13 am
Köstlich.
Nu, das mit der ehrbaren Arbeit auf dem Bau, das ist eine Allegorie, die Sehnsucht aller Intellektueller, ihrem Denkkäfig und seinen Torturen zu entkommen. Ähnliches widerfuhr mir mit einem Psychologen mit Migrationshintergrund. Er kaprizierte sich in einer Lebensphase darauf, unbedingt Müllmann werden zu wollen.
Die wissen gar nicht, wie viel man bei monotoner, schlichter Tätigkeit denken kann. Es ist enorm, welches Chaos, welche Anstrengung. Sie würden defenestrieren (sich aus dem Fenster schmeißen).
Sich nix vormachend und lieber einen “mach-denkenden” Beruf habend (Designer).
July 24, 2007 · 10:59 am
Wenn wenigstens ein ganzer Mann diese Allegorie zur Kaprizierung einsetzen würde – aber eine Kunstfigur?