12. August 2007

Holtzbrinck: Volksverhetzung und Pornographie

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StudiVZ-Logo Im Namen des Volkes… – gegen das SchülerVZ und den Eigner Holtzbrinck ergeht Anklage (vgl. Stern.de – Vater zeigt SchülerVZ an). SchülerVZ, das ist ein Ableger für Pre-Graduierte, die noch zur Schule gehen, und nicht im StudiVZ angemeldet sein sollen. Welches virtuelle Ghetto schlimmer ist, sei dahin gestellt. Warum immer diese pejorativen Ausdrücke noch dabei? Was vor Gericht verhandelt werden wird, in meinen Augen hat es etwas mit Verantwortung zu tun. Man mag Worte dafür finden und es mag in Teilen um einzelne Beispiele gehen, doch des Pudels Kern – es geht um Verantwortung, ganz eindeutig tut es das.

Alle Betreiber tragen Verantwortung

Dieser Verantwortung entzogen sich die Betreiber der Sozialen Netzwerke aus dem SPD-nahen Holtzbrinck Verlag bisher weitgehend. Der Generalverdacht, er ist hier am größten, weil sich dort am meisten Leute tummeln. Der Fall StudiVZ nimmt Betreiber anderer Social Networks nicht aus deren Verantwortung, und ein Urteil in Sachen SchülerVZ könnte die Laisser-faire-Haltung aller Betreiber von derartigen Web 2.0-Angeboten mächtig erschüttern. Natürlich wird viel über Zensur diskutiert, und ebenso möchte man den Betreiber nicht ursächlich für die Inhalte verantwortlich machen – dennoch gibt es für jeden Grenzen, manche, die im Grundgesetzt festgezurrt sind, und solange wir für uns übereinkommen, uns an diese Grundwerte zu halten, solange werden etliche Spielfelder im virtuellen Raum unter verantwortungsvolle Beobachtung gestellt werden müssen.

Leere Versprechen

Sich bei StudiVZ einzukaufen, es war für Holtzbrinck eine politische Entscheidung. Man hat eine Menge Potenzial vermutet, und sich wohlmöglich irgendwoher beraten lassen. Einen Fuß in die Internet-Tür wollte man kriegen, und die Macher von einst? Von Studenten für Studenten heißt es. Die Studenten allerdings, sie organisieren sich weitgehend selbst. Funktionen zur Unterstützung der Bildung, oder gar Aktionen, die das Bildungssystem voranbringen oder gar nur beeinflussen sind Mangelware. Dafür allerdings haben schon einige Pressesprecher sich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Doch nun wird es auf ein Mal eng. Denn was der Spaßgesellschaft kein Dorn im Auge sein kann, und eben nur diejenigen enttäuscht, die von den Versprechen für eine gerechtere Bildungspolitik wissen, das wird neuerlich von einer ganz anderen Seite her unter die Lupe genommen werden. Die Jurisprudenz wird sich mit den Tatbeständen Vorwürfen der Volksverhetzung und Pornographie im Minderjährigen-Netzwerk SchülerVZ auseinandersetzen.

Der Fall StudiVZ

Schon der große Bruder (StudiVZ) sorgte immer wieder für Aufsehen, im Blickpunkt die polemisierten Hinweise der Kunstfigur Don Alphonso. Schon im November letzten Jahres galt es für ihn und Teile der Blogosphäre (uns eingeschlossen), die Anstößigkeit zu formulieren, die eine verkorkste “Nazistil-Geburtstagseinladung” des selbsternannten Business-Angels E. D. unseres Erachtens eindeutig erkennbar war. Es hieß, wir würden keinen Spaß verstehen. – Im selben Monat dann die Vorkomnisse ums Stalking und Gruppengruscheln, das einige weniger mit Selbstbewusstsein ausgestattete Akteurinnen aus dem Holtzbrinck-Ghetto vertrieb. Es hieß, wir würden keinen Spaß verstehen. – Im Januar dann die “Völkermordleugner und ihre Heimat im StudiVZ“. Wir berichteten ebenfalls von “posttraumatischen Erlebnissen, und mehr…“. Letztes Intermezzo – im August – eine virale Werbekampagne mit “Ekelvideos“, die noch vor Veröffentlichung für mächtig Wirbel sorgte. Manche behaupten: Wir würden keinen Spaß verstehen.

Familienvater zeigt an

Keinen Spaß versteht offenbar ein Familienvater einer 13-jährigen Tochter. Die Kriminalpolizei Schwetzingen bestätigte dem Stern, dass gegen den Betreiber des SchülerVZ sowie gegen den Holtzbrinck-Verlag eine Strafanzeige vorliegt.

Anlass für die Anzeige sind von Nutzern des Angebots eingestellte pornographische Fotos und Gruppen mit rechtsradikalen Bezeichnungen wie etwa ‘Hitler war schon ok, aber das mit den Autobahnen war echt daneben’”(Stern.de) Für den Vater, Ralf S., “erfüllen die Inhalte des Angebots die Straftatbestände der Volksverhetzung nach Paragraf 130 des Strafgesetzbuches und der Verbreitung pornographischer Schriften nach Paragraf 184 des Strafgesetzbuches. Bei einer Verurteilung drohen Haftstrafen (ebd.).

Langeweile contra Diskursivität

Zumindest bei den der Bezeichnung der Gruppe wird es wieder einige geben, die sagen werden: Wir verstehen keinen Spaß. So gibt es auch jetzt schon wieder einige, die bei Don Alphonso darauf verweisen, wie langweilig ein gelutschter Drops doch sei (vgl. Kommentar von Regen in der Blogbar). Man muss den Diskurs allerdings am Laufen halten, und wer die Funktionsweise des Internet und von Blogs nachvollziehen kann, der weiß, dass eine Wiederholung das Bewusstsein schärft. Denn ein einziger Blogbeitrag alleine, wirkt wie ein kleiner Stein, der – wirft man ihn ins diskursive Fahrwasser – nur von einem Bruchteil gelesen werden könnte, und am Ende sich der Aufmerksamkeit vieler entzöge. Immer wieder auf Geschehenes zu rekurrieren ist oberstes Gebot von Aufklärern (wie Don Alphonso), möchte man den Diskurs am Leben erhalten.

Präzendenzfall SchülerVZ?

Hinter dem Kaugummi-Thema-StudiVZ steckt kein böser Wille oder Neid der Kritiker. Und auch die Thematik ums SchülerVZ hatte bereits einige Ausschläge auf dem Aufmerksamkeits-Oszillographen zu verzeichnen gehabt. Nun erreicht das Leben innerhalb virtueller Ghettos die Realität. Ein rechtsfreier Raum ist das Internet schon längst nicht mehr, und nun könnte die Zeit gekommen sein, da sich verantwortungsvolles Handeln von Betreibern von Web 2.0-Angeboten nicht mehr länger als leere Floskel vermummen wird können. Der Schleier wird (hoffentlich) gelüftet werden und am Ende heißt es: wer von sich behauptet, verantwortlich zu handeln, muss auch dafür gerade stehen. Das Image der Netzwerke könnte Schaden nehmen. Die Klientel eines Schüler- und StudiVZ, sie sieht sich gegenüber einer viel breiteren Gesellschaftsschicht von Älteren. Wir haben erlebt, welche Früchte sich daraus zum Beispiel in Sachen Verbot von Killerspielen ergeben können. Das gesellschaftliche Machtgefüge ist jedenfalls nicht zugunsten von Pubertierenden und Pre-Graduierten aufgestellt.

Verantwortung, aber wie?!

Wie kann ein Betreiber eines solchen Netzwerkes vorgehen (vgl. wiederum Kommentar von Regen in der Blogbar)? StudiVZ ist hingegangen und hat von Beginn an die Zügel unheimlich locker gelassen. Zudem waren die Macher hoffnungslos überfordert. Ihre eigene Idee – sie gebaren wie Frankenstein ein Kind, dessen sie nicht mehr habhaft werden konnten; Kontrollverlust war die Folge, auf vielen Ebenen. Strikte Zensur wäre die andere Richtung, in die man agieren könnte. Ein diskursiver Mittelweg – wie er beispielsweise bei der gemeinsamen Diskussion des Verhaltenskodex im StudiVZ vonstatten gegangen war, könnte ebenfalls bei der Bewertung von Gruppenbeiträgen helfen. Eines der ersten Web 2.0-Produkte, die Wikipedia, sie zeigt, wie man Artikel diskutieren kann. Es ist natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss, doch wir Menschen werden damit leben müssen, dass es nie den goldenen, wohl aber einfache Wege gibt, die meist nur irgendwo enden, da man die Wirkungen bekämpfen kann. Oder eben schwierige Wege, auf denen man am Ende eine Lösung des Ursachenproblem finden kann. Das StudiVZ, ebenso wie das SchülerVZ, könnte eine Diskussionskultur gebrauchen.

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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 8 Kommentare


8 Kommentare

  1. Kommentar von Chris
    August 12, 2007 · 11:43 pm

    Billige Polemik. Mehr fällt mir zu deinem Schreibstil nicht ein.

  2. Kommentar von Alexander Trust
    August 13, 2007 · 12:48 am

    Macht ja nix. Kann ja nicht jeder einfallsreich sein. ;)

  3. Kommentar von Jochen Hoff
    August 13, 2007 · 8:21 am

    Verzeih mir bitte. Aber von Holtzbrinck Verantwortung zu verlangen ist abwegig. Du kriegst keinen dieser neoliberalen Wirtschaftsfaschisten in die Verantwortung. Das ist doch gerade der Trick.

    Sie verlangen von anderen Verantwortung sind aber selber vollständig verantwortungslos. Die Staatsanwälte werden einstellen und das war es.

  4. Kommentar von Alexander Trust
    August 13, 2007 · 10:40 am

    @Jochen: Verrat mir, warum du das glaubst? Ist es deine pessimistische Grundstimmung? Ich habe doch außerdem im Text eine Lösung angedeutet, wie die Betreiber ein Forum schaffen können, um solchen Fragen nachzugehen. Es kann doch durchaus sein, dass sich Nutzer beschweren, die Betreiber aber denken – die verstehen keinen Spaß. Nur, weil jemand etwas anstößig findet, muss das ja nicht gleich bei anderen so sein. Aber deshalb wäre der Diskurs die bessere Lösung. Als Betreiber hinzugehen, und nicht zu reagieren – somit gibt man dem anderen das Gefühl, ihn nicht ernst zu nehmen.

  5. Kommentar von dd
    August 13, 2007 · 11:48 am

    Ich finde, was sich StudiVZ zusammen mit Holtzbrinck alles geleistet hat, reicht einfach. Die meisten Probleme haben sie immer schon länger gewußt und es wurde nichts unternommen (obwohl möglich), teilweise bewußt gelogen oder verharmlost (Hackerangriffe, Sicherheitsmängel, extreme Gruppen, usw).

    Ich dachte mit einem Führungswechsel würde sich einiges verbessern (Man erinnere an Klovideos und Nazieinladungen des Gründers). War aber nix, wie die neue viral Kampagne zeigt. Einfach nur widerlich! Das krasse, ein renommierter Verlag wie Holtzbrinck lässt zu, dass sein Name so beschmutzt wird. Das ist das, was ich nicht begreife. Die Studis zu verstehen, die das alles unterstützen, hab ich aufgegeben.

    Ich hab mal ne Aktion gestartet, um meinen Protest gegen StudiVZ auch zu zeigen. Wer Lust hat kann ja mitmachen. Ich finde es ist mittlerweile ein Qualitätsmerkmal, sagen zu können “Not in StudiVZ” :-) ! Schaut mal vorbei:

    http://www.blog-n-roll.net/?p=479

  6. Kommentar von dd
    August 13, 2007 · 11:48 am

    Sorry für die Werbung Alex, aber es ist für den guten Zweck :-)

  7. Pingback von mein-parteibuch.com » PR-opaganda vom Bundeswirtschaftsministerium
    August 13, 2007 · 12:15 pm

    [...] frei erfundene Horrorstories erzählen lässt oder indem sie, wie StudiVZ Eigentümer Holtzbrinck und ihre PR-Agentur Aimaq Rapp Stolle das offenbar vorziehen, besonders geschmacklose Videos [...]

  8. Kommentar von Alexander Trust
    August 13, 2007 · 12:20 pm

    @Daniel: Schon in Ordnung. ;)

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