Wer braucht schon einen Presseausweis?!
{3}Es ist Monate her (März). Damals griff Frederic Schneider in seinem Blog einen Beitrag von Thomas Schaffer auf, der die Frage diskutierte, ob Blogger einen Presseausweis benötigten und sich damals sogar an zuständige Stellen in Österreich wandte.
Schaffer schrieb u. a.:
Wenn jemand in einem Medium täglich über ein Thema berichtet, dafür recherchiert, Hintergründe aufdeckt, Geschehnisse kommentiert, Menschen befragt (usw.), dann ist er im Alltagsverständnis ein Journalist. Viele Blogger tun genau diese Dinge. Vor dem Gesetz gelten sie aber weder als Journalisten noch als Medienmitarbeiter, sofern sie nicht ihr Auskommen mit der Tätigkeit finden (was im Moment völlig illusorisch ist). Das führt dazu, dass Blogger gewisse journalistische Rechte nicht für sich in Anspruch nehmen dürfen. Das österreichische Mediengesetz sieht etwa vor, dass ein Journalist oder Medienmitarbeiter auch vor Gericht den Namen einer Quelle nicht nennen muss – ein wichtiges Recht. (Thomas Schaffer)
Die Perspektive ist eindeutig. Warum aber nicht ein Mal den Blick wenden, und die Fragen anders stellen?! Wenn man von dem erwähnten Schutz einer Quelle absieht – und auch die… Doch langsam, eines nach dem anderen.
Blogger sollen mit Presseausweisen ausgestattet werden? Warum und wieso? Gibt es gute Gründe? Es heißt doch nicht umsonst, wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss eben der Prophet zum Berg kommen. Wir – die Blogosphäre – und unsere Leser, haben in Zeiten heftiger, erster Abmahnwellen einen sehr investigativen “Journalismus” auf Seiten der Bloggeria erlebt. Leute griffen zu Telefonhörern, löcherten Verantwortliche, usf. – manche tun es noch heute, schreiben Mails, bitten Verantwortliche um Stellungnahmen. Indem die Akzeptanz für das Bloggen zunimmt, wird eine Forderung nach einem Presseausweis mehr und mehr obsolet werden. Denn es ist keinesfalls so, dass ein Journalist per se auf alles eine Antwort erhält. Jeder hat seinen Preis, und alle Geheimnisse.
Und könnte es nicht sogar so kommen, dass eines Tages, in einem Präzedenzfall ein Blogger das Recht zugesprochen bekommt, seine Quelle nicht nennen zu müssen?! Warum so skeptisch? Warum immer die alteingesessenen Pfade betreten? Warum nicht einfach etwas Neues ausprobieren?! Türen öffnen, könnten sich eines Tages, in einer Gesellschaft der Informationsverarbeitung auch Hinz und Kunz, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie als Informationsverarbeiter tätig sind, ob nun Journalist oder nicht.
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Tags Blogger, Blogosphäre, Journalismus, Presseausweis
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 3 Kommentare

August 31, 2007 · 6:45 pm
Wer in Deutschland einen Presseausweis will, solch sich doch einen selber drucken. Der Selbstgedruckte ist gegenüber staatlichen Stellen genauso “offiziell” wie jeder andere auch.
Die Väter des deutschen Grundgesetzes haben es bewusst so festgelegt, dass der Staat nicht definieren darf, wer als Presse/Journalist gilt, und wer nicht.
Vor dem (deutschen) Gesetz, sofern es nicht gegen die Verfassung verstösst, muss man nicht seinen Lebensunterhalt als Journalist verdienen, um als Journalist und Angehöriger der Presse zu gelten.
September 3, 2007 · 6:52 pm
welche quelle gibt dir anonym heisse informationen, wenn sie nicht weiß, ob sie per gericht aufgedeckt werden muss? es geht nicht nur um die zuerkennung eines presseausweises, sondern um die anerkennung als journalistische arbeiter.
wer einem journalisten eine info zusteckt, kann sich sicher sein, dass dieser nicht sagt, woher er sie hat, und auch nicht dazu gezwungen werden kann.
September 17, 2007 · 11:16 pm
Deshalb geht es ja um die Anerkennung von journalistischer Arbeit, und eben nicht um einen Status als Journalist, der einen auf eine Art vogelfrei macht.