18. September 2007

Die Weiten des Internetz

Das Internet ist grenzenlos, und doch ist es das nicht. Nicht nur die Peripherie der Weltgesellschaft und alljene, die von ihren Regierungen künstlich aus dem Internet heraus komplimentiert werden, haben keinen Zugriff.

Seit einigen Jahren unterhalten ARD und ZDF eine Studie zur Onlinenutzung in Deutschland. Die Ergebnisse sind “repräsentativ” – so sehr sie es eben in akademischen Augen jemals sein können. In Deutschland, so geht aus der Studie hervor, sind über 40 Millionen Deutsche im Internet unterwegs (vgl. auch den Artikel von heise online “Über 40 Millionen Deutsche im Netz“). Wie willkürlich so eine Erhebung anhand von nur ca. 1800 Befragten anmutet, dies kann jeder selbst überdenken. Wer die aktuelle Studie überblicken möchte, dem sei das zugehörige PDF-Dokument ans Herz gelegt. Schlüsse daraus zu ziehen ist jedoch fahrlässig, noch dazu, wenn der Empirie die Risiko- und Zukunftsforscher im Nacken sitzen und behaupten, dass wir es nicht mit Wahrscheinlichkeiten, sondern viel öfter mit dem Zufall zu tun haben, als wir eigentlich selbst glauben können.

Die Sprache stellt überdies eine weitere, nicht zu unterschätzende Barriere dar, wenn es um die Rede von der Grenzenlosigkeit des Internets geht. Und dennoch, das Nutzerverhalten, die “Medienkompetenz” mit der wir uns an das Netzmedium heranwagen, sie macht uns Glauben, das Internet sei eine unendliche Weite. Um das Gegenteil festzustellen müsste freilich nur jeder sein eigenes Nutzerverhalten beobachten und analysieren. Der Irrglaube allerdings, er beeinflusst unsere Psyche und den Lauf der Dinge. Mediennutzung wird durchaus zum Stressfaktor und zeigt vor allem dem Nutzer seine Grenzen auf. Ist es doch so, dass, je mehr wir wissen, wir erst erahnen, was wir alles nicht wissen. Das widerstrebt den naiven und inhärenten Allmachtsphantasien und Visionen, die in jedem von uns stecken, die gerne mehr wissen würden, als wir zu Lebzeiten überhaupt aufnehmen können.

Es sind uns, wie noch nie irgendwelchen Menschen, Blicke nach allen Seiten vergönnt“, so schreibt Friedrich Nietzsche, “überall ist kein Ende abzusehen.” Ob er wohl geahnt hat, dass das Internet-Zeitalter seiner Nihilismus-Prädikation Futter geben würde?! Er sieht richtig beide Seiten der Medaille: “Wir haben daher ein Gefühl der ungeheuren Weite – aber auch der ungeheuren Leere voraus.

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Kategorie Media, Science · Autor · Keine Kommentare


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