Vom Lunch 2.0 und Ideen
Timo Heuer schreibt für Sajonara; in letzter Zeit war er häufig unterwegs, oft auch in der Hansestadt Hamburg. Timo weiß, was ein Lunch 2.0 ist, war er doch immerhin schon mal dabei. Nun diskutiert er auf seinem Privatblog die Frage, warum sich für das neuerlich angesetzte Lunch 2.0 einfach keine Gäste anmelden wollen und präsentiert zudem eine alternative Idee (vgl. Lunch 2.0 schon am Ende?).
Zunächst mein Senf zu der Lunch 2.0-Thematik. Wie Timo bereits andeutet, finden in HH alle Nase lang irgendwelche Konferenzen, Camps, Lunches usw. usf. statt. Der Markt ist übersättigt. Wenn man zudem immer mit denselben Leuten zu tun hat, kommt wenig dabei herum. Dort zu sitzen, nett zu plauschen und ab und an Ideen auszutauschen ist nicht im Sinne von Professionals. Visitenkarten sind keine Panini-Sammelsticker, die man in ein Album klebt und zu tauschen anfängt, wenn man sie doppelt hat. Hat man viele davon und läuft ansonsten Gefahr doppelte zu sammeln, bleibt man diversen Veranstaltungen fern. Solchen nämlich, die eigentlich nur zur Kontaktaufnahme gedacht sind. Etwas anderes sind Konferenzen auf denen auch Vorträge gehalten werden und die Teilnehmer Informationen erhalten.
Professionals wollen allerhöchstens ab und an plauschen. Die Ressourcen von uns Akteuren, die wir der Gruppe der Säugetiere angehören sind eben endlich. Wir können uns nicht drehen und verbiegen, und um in seinem eigenen Job und mit seiner Profession voran zu kommen, benötigt man Zeit. Da Timo als Urlaubsvertretung nicht in Frage kam, wird er wissen, wie das mit dem Faktor Zeit ist. Wenn er sich vergegenwärtigt, dass er noch zur Schule geht, wird er rasch feststellen, ein anderes Zeitraster zur Verfügung zu haben. Auch aus diesem Grund ist seine Idee ein zweitägiges Picknicken/Grillen/Lunchen zu veranstalten zwar sozial kommunikativ, passt aber in meinen Augen nicht in das Schema von Professionals.
Ich erinnere mich, zu Zeiten von Le Web, dass die Beissholzerin Nicole, der Timo schon im wirklichen Leben begegnete, in einem Videointerview zum Besten gegeben hat, dass sie keine Erfüllung darin sieht, mit Leuten gemütlich einen Trinken zu gehen. Das ist verständlich, insofern man sich in sein Thema vertiefen möchte. Das geht übrigens allen Leuten so, die sich spezialisieren möchten. Akademiker, die in der Wissenschaft Karriere machen möchten oder Journalisten, die wissen wollen, worüber in ihrem Metier verhandelt wird, usw. usf. – Auch engagierte Meister vom Fach, die auf Messen erscheinen und sich für neue Entwicklungen interessieren. Auch engagierte Lehrer und Mediziner wollen am Zahn der Zeit bleiben. Das gelingt jedoch nicht, wenn man seine Zeit in den jeweils persönlichen Augen vergeudet.
Die Idee von Lunch 2.0 ist aber genau das: konspirative Treffen in lockerem Ambiente. Natürlich tauscht man sich aus. Aber nicht alle Nase lang gibt es von Hinz und Kunz neue Ideen zu erzählen. Viel eher sind die Teilnehmer damit beschäftigt, ihre Ideen zu verwirklichen. Sehen und gesehen werden ist ein Fass, das irgendwann eben überläuft, und wenn ein Lunch 2.0 keinen Zusatznutzen anbietet, darf man sich nicht wundern, dass die Gäste ausbleiben. Ein Wordcamp 2008 beispielsweise wird sich nicht über Besuchermangel beklagen können. Da bin ich mir sicher.
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