25. September 2007

Fördert das Internet Dezentralität?!

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Ich lese dagerade wieder einen Aufsatz aus dem Bereich der Medientheorie. Er stammt von Eckhard Schumacher und thematisiert den Diskurs um Hypertext und das World Wide Web. Der Aufsatz ist in einem Sammelband erschienen, der “Einführung in die Geschichte der Medien” heißt, sich allerdings exemplarisch Diskurse über entsprechende Medien herausgegriffen hat, anstatt, wie sonst üblich, bloße Technikgeschichte zu beschreiben.

Schumacher ist beileibe nicht der Einzige, der folgendes Argument zur Sprache bringt: Das Internet födert die Dezentralisierung und damit die Demokratisierung. Da Schumacher nur den Diskurs beschreibt, und eben auch ein gegenteiliges Argument angibt, können wir nicht ohne Weiteres entscheiden, welcher Meinung er selbst ist. Doch wichtig ist mir dieses Argument zu widerlegen. In meinen Augen ist nämlich der Ort im Internet total unwichtig. Sagen wir, er ist es für den herkömmlichen Nutzer. Wir öffnen eine Webseite, rezipieren die Informationen, die darauf zu sehen sind und könnten spontan nicht sagen – und wollen es auch gar nicht wissen – wo auf der Welt der Computer steht, der diese Information beherbergt.

Politik und Gesetz interessiert es zuweilen, wo Informationen publiziert werden. Doch das ist eine artifizielle Unterscheidung, die dort getroffen wird, wenn z. B. Deutsche Blogger und Bloggerinnen ein Impressum benötigen, die Kollegen aus der Schweiz und Österreich aber nicht, obgleich ihre Webseiten rein äußerlich nicht zu unterscheiden sind. Wir rezipieren also die Information und der Ort der Herstellung wird mehr und mehr obsolet. Die “Dezentralisierung” von der immer wieder die Rede ist, sie ist in meinen Augen nicht fühlbar, sie wird nicht wahrgenommen. In der “virtuellen” Rezeptionsumgebung gibt es kein oben und kein unten und kein links oder rechts. Wobei: Vielleicht wird sich das in der Zukunft verändern.

Bislang erkenne ich kein Demokratisierungspotenzial, jedenfalls keines, das anhand der Dezentralisierung begründet werden könnte. Webseiten sind oder sind nicht – nur in dem Augenblick, in dem der Rezipient sie wahrnimmt. Informationen sind solange nicht, bis jemand auf sie zugreift. Dass sie auch ohne Rezeption da sind, hat jedoch keinen Einfluss auf die Praxis der Akteure. Und wenn wir praktisch im Web umgehen, dann nehmen wir die Dezentralisierung nicht mehr als solche wahr. Denn das Internet ist mittlerweile fast überall dort, wo wir sind. Unsere Wahrnehmung für die stattfindende Dezentralisierung, so glaube ich, wird verwischt. Aber gerade deshalb, weil wir es nicht so empfinden, weil das Internet keinen Ort kennt – deshalb, so denke ich, übt zumindest in diesem Punkt das Netz keinen Einfluss aus. Wenigstens nicht derart, wie manche uns glauben machen wollen.

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Kategorie Media, Science · Autor · 1 Kommentar


Ein Kommentar

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    September 29, 2007 · 8:14 am

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