Veröffentlicht am 26. September 2007 von Alexander Trust
Warum können Akademiker nicht metaphorisch denken? Marshall McLuhan hat dies getan, und seine Rezeption krankt daran, dass viel zu viele Akteure im wissenschaftlichen Feld ihn beim Wort nehmen wollen. McLuhan hat einige Schlagwörter produziert und drumherum eine Konstrukt entworfen, wie Medien unsere Welt verändern. Er hat vom “Global Village” geschrieben und von der “Extension of Man”, und anderen Ideen mehr.
Im Diskurs über Medientheorien wird McLuhan oft aufgegriffen – oft wird er leider (in meinen Augen) falsch verstanden. So auch im Fall von Eckhard Schumacher, der McLuhan anbringt, als er den historischen Mediendiskurs um Internet und WWW aufarbeitet (vgl. Schumacher 2004: S. 266f.). Schumacher argumentiert wie folgt gegen die Erweiterung der Sinne durch die Technik:
Dass derartige Versuche nicht nur ein in vielen Punkten fragwürdiges Verhältnis von Geist und Technik voraussetzen, sondern in der Praxis zudem auch relativ schnell die Grenzen der Machbarkeit erreichen, hat zuletzt die KI-Forschung [...] vorgeführt (ebd.: S. 267).
Die Erweiterung unsere Sinne durch Technik ist nicht wörtlich zu verstehen. So sehr manche von McLuhans Formulierungen auch dazu einladen mögen, gerade, wenn man sie in der Originalsprache liest. Wer das gesamte Gedankenkonstrukt in den Blick nimmt, stellt schnell fest, dass es McLuhan nicht auf die Übertragbarkeit 1:1 ankommt. Oft wird mit der KI-Forschung argumentiert, wenn man McLuhan den Garaus machen möchte. Das Argument geht jedoch an der Sache vorbei.
In Zeiten von Navigationsgeräten verlässt der Mensch sich zusehends auf die mobilen, technischen Helferlein. Das führt über die Jahre dazu, dass der eigene Orientierungssinn wenig bis gar nicht beansprucht wird – wozu auch? Mit der Erfindung des Taschenrechners hat man den Kellner von Heute, der Probleme mit dem Kopfrechnen hat quasi vorweggenommen. Und siehe da, in Restaurants werden Barcodes von der Karte gescannt und ein Kellner muss vor allen Dingen mit der technischen Apparatur umgehen können, und nicht mehr rechnen. Zeiten des Umbruchs wird es immer geben. Bis die Transformation abgeschlossen ist, wird der Mangel an Kopfrechenleistung auch noch auffallen. Danach jedoch wird kein Hahn mehr danach krähen. Gesetzt den Fall, die Entwicklung bleibt einspurig wie bisher. Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, oder?!
An den genannten Beispielen sollte deutlich zu machen sein, auf welche Weise McLuhan sehr wohl interpretierbar ist und mit seinen Annahmen Recht behält und eben nicht an Grenzen stößt, weil man ihm etwas zuschreibt, für das er sich selbst nicht verantwortlich fühlen kann.
Extension-of-Man, Global-Village, Kommunikation, McLuhan, Schumacher, Wissenschaft
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