1. October 2007

Wikipedia: Die Geister, die ich rief

Jimmy Wales hat Wikipedia (mit)gegründet. So ein Projekt bedarf immer vieler helfender Hände. Das Konzept des Online-Enzyklopädie, bei dem jeder mitarbeiten kann – wenn er möchte -, ist nun Wales zum Verhängnis geworden. Er verfasste einen Artikel für die freie Enzyklopädie und nach nur 22 Minuten wurde der Artikel von einem 19-Jährigen wieder gelöscht.

Derlei Erfahrungen dürften auch andere unter uns bereits gemacht haben. Das ist das Prinzip von Wikipedia. Um nicht zu sagen: So ist das Leben. Chad Horohoe, der 19-jährige Administrator, löschte den Artikel mit der Begründung, er sei irrelevant. Ich hatte damals einen Artikel über das Social Network Gotfriends geschrieben. Dieser überlebte keinen ganzen Monat und wurde dann gelöscht – Begründung: Er sei irrelevant. Dass StudiVZ ziemlich groß ist, für deutsche Verhältnisse, dürfte einleuchten. Doch andere Netzwerke nicht als relevant einzustufen – es müsste durchaus möglich sein, darüber zu verhandeln.

Wales als Gründer machte Dampf und ließ den Artikel wiederherstellen. Es ist jedoch eine schlechte Angewohnheit und vor allem keine besonders glücklich gewählte Methode, dass ein Einzelner über Wohl und Wehe eines Artikels entscheiden kann. In diesem Punkt ist Wikipedia wenig demokratisch. Zwar kann man mit dem entsprechenden Administrator eine Diskussion führen, doch wenn der sich stur stellt, wird man sobald nichts erreichen. Warum wird in Wikipedia nicht ein wenig demokratischer entschieden, ob oder ob nicht ein Artikel einen Sinn hat? Administratoren sind auch nur Menschen, und die können ganz subjektive Präferenzen haben, wegen derer sie sich subjektiv entscheiden, gewisse Artikel zu löschen.

Im ersten Schritt könnte man nicht-anonyme Artikelautoren auch per Email darüber informieren, dass ihr Artikel gerade gelöscht wurde, respektive zum Löschen vorgeschlagen. Dadurch entstünde wohl noch mehr Aufwand, der Ressourcen in Anspruch nähme als jetzt eh schon, doch – gesund programmiert könnte so ein Feature auch effizient sein und müsste nicht allzu viele Ressourcen schlucken. Spätestens jetzt, da es den Gründer selbst betraf, sollte der Verein ernsthaft darüber nachdenken, so eine technische Möglichkeit zu integrieren. Mehr über den Fall Wales vs Horohoe und diverse abstruse Diskussionen über Wikipedia-Artikel bei Spiegel Online.

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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · Keine Kommentare


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