Was ist Selbstreferenz?
{1}Die Frage könnte auch lauten: Was ist sie nicht? Benjamin B. stellt sich in einem neuerlichen Blogartikel dem eigenen Vorwurf, als Blogger selbsreferenziell zu wirken. Doch wie erläutert er den Bezug auf sich selbst? Was versteht er darunter? Er schreibt:
Es kann so unglaublich schwer sein, nicht die vorgestrigen Gedanken neu aufzuwärmen, nicht dieselbe Argumentation stets wieder zu verwenden, mit Sätzen zu spielen.
Ist es nicht gerade das, was eine Position und eine Meinung ausmachen? Selbst eine Kunstfigur wie Don Alphonso ist selbstreferenziell im Sinne wie B. es andeutet. Müssen wir nicht sogar immer wieder in dieselbe Kerbe schlagen, wenn wir etwas erreichen wollen? Müssen wir nicht ein Thema immer wieder aufwärmen und daran erinnern, wenn wir dauerhaft die Leute erreichen wollen? B. klagt sich selbst an; ich verteidige ihn. Ich verteidige uns, denn bin ich, sind wir nicht alle selbstreferenziell.
Und ich sehe darin auch das einzige Potenzial, was uns bleibt. Wenn wir nicht ein Programm haben, wenn wir nicht einen Standpunkt ausbilden und eine Meinung zu Politik, Bildung, Ungleichheit, etc. pp. – wenn wir nicht sagen können, was wir denken, und uns nicht ständig von anderen unterscheiden wollen, dann sind wir nicht in der Lage, anderen zu zeigen, worin wir gerade die Differenz zum Besseren oder Schlechteren sehen wollen.
Einzig die Moralkeule sollten wir daheim lassen. Warum? Nun, weil wir Menschen sind. Ob ein Goethe oder ein Diktator. Nichts und Niemand auf den wir stolz sein könnten, einfach weil jeder fehlbar ist und wenn wir möchten, dass man uns für voll nimmt, dann geht es gerade darum, nicht ständig einer anderen Meinung hinterher zu haschen, sondern ständig derselben. Fehlbarkeit bedeutet im besten Fall auch, sich eingestehen zu können, einen Fehler gemacht zu haben. Nicht Stillstand, sondern Fortentwicklung, lebenslanges Lernen, daraus schöpft sich vielleicht eines Tages die Weisheit, die wir bis dahin mit Löffeln gefressen haben werden, vielleicht auch nicht.
Wenn ich also auf die Ungleichheit im deutschen Bildungssystem hinweisen möchte, dann komme ich nicht umhin, immer mal wieder auf die Mechanismen zu verweisen, die dazu führen, dass falsche Selektion betrieben wird und zu wenig Information bereit gestellt und aktiv gestreut wird. Unser Bildungssytem ist eine Motivationsfalle. Warum und wieso? Das werde ich vielleicht eines Tages sehr ausführlich darstellen können. Zumindest mache ich mir Gedanken darüber, und würde gerne sogar umfangreichere Abhandlung verfassen, die den gordischen Knoten zu lösen hilft. Bis dahin muss ich mich mit Strohfeuern begnügen, die ich dann und wann aufflackern lasse.
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Tags Bildung, Bloggen, Diktator, Goethe, Hitler, Misanthrop, Moral, Politik, Selbstreferenz
Kategorie Glocal, Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar

October 14, 2007 · 12:24 pm
Danke für die Verteidigung.
In einem gewissen Sinne gebe ich dir auch recht, wenn man etwas erreichen will, dann muss man immer wieder dieselben Dinge (so vereinfacht wie möglich) wiederholen. Und ja, wenn man die eigene Meinung nicht andauernd radikal ändert, also absolut unstete ist, dann kommt man nicht umhin, seinen Standpunkt immer wieder zu erläutern.
Doch manchmal, da langweile ich mich persönlich, wenn ich die vorgestrige Position wieder aus dem Kämmerchen hole. Es ist für mich schlichtweg sehr uninteressant.
Einen Ausweg? Nein, den sehe ich nicht.
Mich mit meiner Selbstreferenz abfinden? Ja, das müsste ich wohl.