29. October 2007

Ulrike Meinhof die Biografie einer Terroristin

“Angefangen hatte alles in Wyhl. Die Kaiserstuhler Bauern wollten sich ihre Weinberge nicht durch einen Atommeiler versauen lassen. Sie protestierten vor Gericht und auf dem Bauplatz, sie bauten ein Hüttendorf, damit der Bau nicht begonnen konnte. Zunächst sah alles so aus, als ob sie recht bekämen. Als sich der Wirbel um Wyhl gelegt hatte, wurde dann Brokdorf, der kleien Ort an der Unterelbe zum Antiatomsymbol schlechthin”, schildert Grete Thomas 1982 in ihrem Buch “Die Grünen kommen!” den Anfang einer Bewegung, die sich 1976 auf einen Weg gemacht hat, der im Bundestag endete und in so manche Regierung führte.

Das war das Ende, meinte 23 Jahre später Jutta Dittfurth, die mit Grete Thomas, Petra Kelly und vielen anderen an der Wiege einer Partei gestanden hatte, die anders sein wollte. Ausgerechnet für die “Neue Revue” schrieb eine der Gründungsmütter der Grünen ihre Abrechnung mit Joschka Fischer. In einem Gespräch mit “Jungle World” begründete sie am 10. November 1999 , warum “die wahre Geschichte der Grünen” in diesem Schmuddel-Blatt gelandet war: “Ich arbeite seit 1980 als politische Journalistin. Seit Rot-Grün an der Regierung ist, habe ich faktisch Schreibverbot in Rot-Grün-nahen bürgerlichen Medien, am härtesten während des Krieges gegen Jugoslawien.”

Buchvorstellung in Landesmuseum

Für den Veröffentlichungsort ihrer jüngsten Publikation benötigt Jutta Dittfurth keine Rechtfertigung, ihre “Ulrike Meinhof – Die Biografie” stellt sie am 22. November um 20 Uhr im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte vor. Es ist die Geschichte eines Kriegskindes, das als eine der meist gesuchten Terroristinnen des 20. Jahrhundert am 15. Juni 1972 in Langenhagen bei Hannover festgenommen, am 21. Mai  1975 wegen vierfachen Mordes und Mordversuches angeklagt  und am 9. Mai 1976 tot am Zellenfenster baumelnd gefunden wurde.

Das Leben der Ulrike Meinhof ist eine Geschichte der Opposition. Als Jugendliche hört sie Jazz, spielt Schlagzeug und fetzt sich mit ihrer Pflegemutter, Adenauer wird ihr neues Feindbild, sie tritt früh in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) mit Rudi Dutschke an der Spitze ein und wird 1958 Mitglied der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschland (KPD).

Ihre scharfen Abrechnungen mit Nachkriegsdeutschland als Fernseh- und Rundfunkmoderatorin erregen Aufsehen, ihr Einsatz gilt Heimkindern, Arbeitsmigranten  und Industriearbeiterinnen, 1961 heiratet sie den Herausgeber der linken Zeitschrift “konkret”, Klaus-Rainer Röhl, der als KzweiR in die Mediengeschichte eingeht, später mit den 68er abrechnet und für eine den Vertriebenen nahestehende Zeitung schreibt, nach dem Attentat auf Rudi Dutschke im Jahre 1968 werden Ulrike Meinhofs  ”konkret”-Kolumnen noch radikaler, 1971 veröffentlicht der Berliner Wagenbach-Verlag ihr aufwühlendes Werk “Bambule – Fürsorge – Sorge für wen?”, das im Jahre 2002 eine Neuauflage erfährt, als Prozessbeobachterin lernt sie Andreas Baader und Gudrun Enslin kennen, sie wird zur mehrfachen Mörderin.

Warum eine Terroristin?

Warum ist Ulrike Meinhof eine Terroristin geworden? Dieser Frage spürt Jutta Dittfurth in ihrem Buch nach, sechs Jahre hat sie recherchiert, studierte bisher unbekannte Quellen und sprach mit vielen Zeitzeugen. Dabei kommt sie zu überraschenden Erkenntnissen und stellt völlig neue Zuammenhänge in der Lebensgeschichte der Gründerin der Rote Armee Fraktion (RAF) her, die als Baader-Meinhof-Bande in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einging.

Ulrike Meinhof ist am 9. Mai 1976 in ihrer Zelle tot aufgefunden worden, doch ihr Gehirn wurde erst am 22. Dezember 2002 beerdigt. Dafür sorgte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Ulrike Meinhofs Tochter Bettina hatte in jenem Jahr in der “Magdeburger Volksstimme” aufgedeckt, dass es in einer Magdeburger Klinik eine Pappschachtel mit Formalin gab, darin das Gehirn ihrer Mutter, das erneut untersucht werden sollte. Doch das wurde den Professoren von einer Ethik-Kommission untersagt.

Was nur wollten diese Professoren finden?

“Ulrike Meinhof – Die Biografie” erscheint am 12. November 2007 im Econ-Verlag und kostet 25 Euro.

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Kategorie Glocal, Media, Politics, Uncategorized · Autor Heinz-Peter Tjaden · Keine Kommentare


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