31. October 2007

Sleeq, oder wo bin ich?!

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Logo Sleeq Überwachung pur, das bietet Sleeq. Zumindest ist das die eine Seite von der Medaille. Wie so oft, oder eigentlich immer, hat’s auch eine zweite. Via Mobiltelefon (SMS) oder Internet kann ich eintragen, wo ich mich gerade befinde. Freunde von mir können diese Information abrufen. Angenommen ich habe in der Disco meiner Wahl keinen Handyempfang und Freunde könnten mich nicht mehr erreichen – über Sleeq werden sie mich finden. Jedenfalls, wenn ich so masochistisch veranlagt bin, meinen persönlichen Freiraum immer und überall teilen zu wollen.

Sinnvoll ist so eine Funktion in manchen Situationen sicherlich. Doch sollte man sich frühzeitig überlegen, ob man wirklich jederzeit bereit ist, mit allen Freunden oder Bekannten überall Zeit zu teilen. Immerhin lädt man ja bestimmt nicht alle 200 StudiVZ-”Freunde” zum Geburtstag ein, und so geht man denn auch mit Sicherheit nicht immer und überall mit allen aus.

Was mir bei Sleeq zudem noch auffällt – es ist kein Dienst, der alleine überleben wird. Sleeq sehe ich eher als Funktion für andere Social Networks. Die Möglichkeit im StudiVZ oder anderswo, seinen Freunden mitzuteilen, wo man gerade ist, zudem noch über einen Terminplaner verwaltbar – es ist ein Feature, das in soziale Netzwerke zu integrieren wäre. Als einzelne Web 2.0-Anwendung sehe ich Sleeq eher zum Scheitern verurteilt. Noch im trendigen Beta-Stadium, würde ich den Machern raten: lasst euch aufkaufen oder bietet eine API an, mit der andere Webseiten oder Netzwerke auf die Funktionalität von Sleeq zugreifen können.

Sleeq ist allerdings nicht kostenlos. Credits, die man aufladen muss, gegen Bares versteht sich, werden notwendig, um den Dienst auch wirklich “mobil” nutzen zu können. Eine Geschäftsidee also, die sich bezahlt machen könnte. Wenn, ja wenn Hinz und Kunz auf den Zug aufspringen werden. Nur, um das klarzustellen – ich verteufle diesen Dienst nicht, würde selbst allerdings immer nur sehr bedingt von einem Service wie diesem Gebrauch machen. Das, was ich vom Leben will, ist bestimmt nicht, dass alle Leute immer wissen, wo ich gerade bin, nur damit sie Zeit mit mir verbringen können. Es gibt genug Situationen, in denen man mit jenen oder diesen alleine sein möchte, oder gar gänzlich ungestört.

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Kategorie Media · Autor · 6 Kommentare


6 Kommentare

  1. Kommentar von Mika
    October 31, 2007 · 6:10 pm

    ui ui ui, ist der beitrag negativ. mit überwachung hat sleeq nichts zu tun, es wird nicht automatisch geortet, sondern man entscheidet selbst, wann man seinen freunden zeigen möchte, wo man ist. im unterschied zu studivz, schmeißt man auch nicht jeden wahllos in seinen freundeskreis, sondern nur kumpels, mit denen man auch im echten leben etwas unternimmt. im zweifel kann man freunde auch blocken, d.h. sie erfahren nicht wo man ist, merken das aber nicht.

    …und dann ist das ganze sehr genial. man muss nicht mehr alle anrufen, sondern sleeqt sich einfach ein. wenn man das einmal erlebt hat, wie geil das ist, wenn freunde dann spontan dazustoßen, möchte man es nicht mehr missen. cool ist es auch, wenn man allein unterwegs ist. ein “locate” an sleeq und man erfährt wo alle eingesleeqten freunde gerade stecken. an kosten fällt dabei nur die von sleeq an mich gesendete sms an und die zum normalen sms-preis, also bei der lokalisierung von mehr als 2 freunden schon billiger als direktes ansimsen …und schneller. über web ist es komplett kostenlos. fazit: ich würde es nicht mit studivz vergleichen, hat eine völlig anderen hintergrund und ist das perfekte tool für den alltag.

    ok zugegeben, nur nützlich, wenn man ein paar mehr freunde hat und nicht nur in der virtuellen welt, aber dann genial. probier es aus :)

  2. Kommentar von Alexander Trust
    October 31, 2007 · 6:55 pm

    @Mika: Mh, zum einen ist der Beitrag nicht negativ, sondern realistisch. Es gibt genügend Leute, die gar nicht wissen, warum oder wieso sie etwas tun – einfach, weil es “in” ist.

    Zudem habe ich mich nicht “gegen” Sleeq ausgesprochen – wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Nebenbei bemerkt ist Sleeq eher für faule Leute, und nicht für coole Leute. Sich Aufgaben abnehmen zu lassen, anstatt Verantwortung zu übernehmen ist nicht cool, sondern fahrlässig. Am Ende wird man selbst zur Dienstleistung schlechthin. Leute muss man erstmal kennen lernen. Das geht nicht über Sleeq. Freundschaften wollen gepflegt werden. Wenn man sich mit Leuten treffen möchte, dann ist es nicht Aufgabe der Freunde, sich zu informieren, wo steckt der denn gerade. Das kann auch ganz schnell in eine Sackgasse führen. Wenn dann jeder wo anders ist und quasi vom anderen erwartet, dort auch hinzukommen. Schlimmstenfalls unternimmt man dann nie wieder etwas zusammen, und alle entfremden sich, weil keiner mehr den Sinn erkennen mag, die Gemeinschaft zu pflegen.

    Man kann sich das Leben natürlich einfacher machen – aber soziale “reale” Kompetenz fördert Sleeq eher nicht, sondern virtuelles Organisationstalent. ;)

    Alles hat zwei Seiten, und wenn ich Sleeq-Mitarbeiter wäre, würde ich auch so ein Pamphlet absetzen. Ich habe Sleeq ja nicht den Nutzen abgesprochen, aber es macht keinen Sinn um eine Zusatzfunktion herum ein ganzes Netzwerk aufbauen zu wollen. Ab mit Sleeq als Widget für Facebook und Co und gut ist.

    “Freunde” sind zudem ungleich Freunde. Ich kann Partypeople nicht als Freunde bezeichnen. Man kann mit Leuten durchaus Interessen teilen, aber sie sind trotz allem nicht für einen da, wenn man sie braucht, obwohl sie die Stimmungsraketen schlechthin sein können, aber sich vor Verantwortung oder sozialer Kommunikation drücken. Jeder ist sich zunächst selbst der Nächste.

    Man steht mit Freunden in Kontakt, so oder so. Und ich bezweifle gerne auch mein ganzes Leben lang, dass jemand so viele “Freunde” haben kann, um wirklich viel organisieren zu müssen. Für echte Freunde ist das Ding unnötig wie ein Kropf. Wenn man mit Mitschülern, Kommilitonen, Bekannten oder sonstigen Gruppen von loseren Kontaktpersonen etwas organisieren möchte, dann kann es sinnvoll sein, einen Organisationspunkt zu haben. Let’s meet at, or whatever. Nur verschon mich und andere mit platten Parolen, wenn’s um Freundschaft geht.

  3. Kommentar von mistario
    November 1, 2007 · 10:35 am

    Hi Alexander, Mica hat mich gerade auf deinen Blogpost aufmerksam gemacht. Zuerst einmal Mica ist kein Mitarbeiter von sleeq, aber ich :)

    Was meinst du mit “wer lesen kann, ist klar im Vorteil”? Klingt für mich auch sehr negativ, wenn ich lese “Überwachung pur, das bietet sleeq” :)

    Irgendwie hast du ein anderes Verständnis von sleeq als wir. Wir nutzen ja sleeq im Freundeskreis und was sind für dich Freunde? Für mich sind das Leute, mit denen ich gerne etwas unternehme. Klar gibt es engere Freundschaften und lockerere Freundschaften. Aber ich z.B. habe einen großen Kreis von Leuten, die ich gerne treffe, aber zeitlich einfach nicht schaffe, mich mit jedem fest zu verabreden.

    Zum Kennenlernen neuer Freunde ist sleeq ja nicht gedacht, sondern eben zum Pflegen bestehender Freundschaften. Und was meinst du mit Verantwortung übernehmen und sozialer Kompetenz? Das möchte sleeq dir doch gar nicht abnehmen. sleeq heißt ja nicht, dass man seine Freunde nicht mehr anrufen soll, um sich zu verabreden, sondern ist eine Ergänzung, um in Kontakt zu bleiben. Damit auch Freunde, die man nicht erreicht hat, dazukommen können. Den Terminkalender nutzen wir auch nicht als Ersatz für Telefonate beim Treffen mit zwei Freunden, sondern um gemeinsame Aktivitäten wie z.B. Fußball spielen zu organisieren. Und da ist es sehr praktisch auf einen Blick zu sehen, wer dabei ist. Also für mich ist sleeq einfach ein praktisches Tool, das mir persönlich mehr Nutzen bringt als studivz.

    Um jetzt nicht ein endloses Kommentar-Hin-und-Her in Gang zu setzen, du siehst sleeq einfach mit anderen Augen als wir. Bin aber ganz deiner Meinung, wenn du sagst, dass Freundschaften gepflegt werden wollen. Denke, dass wir da sehr ähnliche Ansichten haben. Der eine findet sleeq gut, der andere nicht, das ist ok.

    Ob sich sleeq durchsetzen wird, das wissen wir auch nicht. Klar möchten wir gerne mal davon leben, aber es ist vor allem eine Idee, bei der wir voll dahinterstehen und in der sehr viel Herzblut steckt. Deine Idee mit der API ist sicherlich gut, daran hatten wir auch schon mal gedacht. Momentan haben wir jedoch noch ein paar andere Entwicklungspunkte, denn die Funktionalität von sleeq ist noch nicht komplett.

    Wünsche dir einen schönen Tag, Michael

  4. Kommentar von Alexander Trust
    November 1, 2007 · 11:21 am

    Alle Texte hier, vor allem meine, nehmen sich heraus, die Dinge überspitzt darzustellen. Ein Vergleich gefällig? Niemand zwingt 11-Jährige mit Mobiltelefonen rumzurennen, die ihre Eltern ihnen gegeben haben. Trotz allem gibt es den Eltern gegenüber den Kindern gewisse Kontrolle und dient eben auch der Überwachung. Natürlich wird das jede einzelne Familie anders interpretieren – manche oder viele werden sagen: Das hat mein Kind nur für den Notfall, usf.

    Es geht ja um den gemeinen User. ;) Der wo sich nicht so mit Sleeq auseinandersetzt, wie ihr es idealistischerweise gerne hättet. Alles hat seine zwei Seiten, und ich denke, dass die zweite Seite diejenige ist, in der die Nutzer faul werden und zudem jeder nur noch davon ausgeht, ich sleeqe ja wo ich bin, also können die anderen ja nachsehen.

    Ich habe nichts gegen euer Projekt, überhaupt nicht. Falls du Lust hast, ein Interview hier veröffentlicht zu wissen, würde ich mich freuen. Ein kurzes okay, und ich werde dir per Mail 7 Fragen zukommen lassen.

    Grüße,

    Alexander

  5. Kommentar von mistario
    November 1, 2007 · 5:42 pm

    klar gerne
    Viele Grüße,
    Michael

  6. Pingback von 7 Fragen an… - Sleeq - Sajonara.de - Internetmagazin
    November 19, 2007 · 2:04 pm

    [...] das nicht von allen Nutzern so gesehen werden könnte, hatten wir vor einiger Zeit bereits in einem kritischen Pamphlet zum Besten gegeben. Umso schöner, dass einer der Macher, Managing Director Stadelmann, unsere [...]

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