7. November 2007

Kindo can do?!

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Kindo Logo Ich weiß, ich werde mich im Folgenden wieder ein Mal unbeliebt machen. Nun, vielleicht auch nicht. Ein Schulterklopfer, so heißt es bei Pierro Marie, hätte dazu geführt, über eine von vielen Web 2.0-Anwendungen zu schreiben. Zunächst ein Mal möchte ich über den Schulterklopfer informieren. Ich denke, ich habe denselben erhalten, in Form einer halbwegs persönlich gehaltenen Email.

Darin stand, dass der Autor mein Blog lesen würde, und es interessant fände, und so weiter und so fort. Derlei Emails erreichen uns Blogger mittlerweile nicht selten. Was tun? Zum einen hatte und habe ich viel um die Ohren, zum anderen wollte ich mir die Sache zumindest ein Mal ansehen. Ich weiß, dass Pierro hier auch ab und an vorbeiliest und es erstaunte mich, dass ich seinen Blog in der Blogroll vom Kindo-Blog fand. Der Stein des Anstoßes war also gefunden.

Bei Kindo angemeldet habe ich mich nicht. Das Blog wirkt verbesserungsfähig. Es sprudelt mit mehreren Sprachen nur so aus sich heraus, doch leider ist die Navigation mitunter unterbrochen, weil nicht für alle Sprachen auch alle Seiten vorhanden sind. Ein Freund, der als Fachinformatiker auch im Bereich Web 2.0 angestellt ist, zumindest an Projekten aus dem Bereich immer mal wieder beteiligt ist, fand die Flash-Animation von Kindo “ganz nett”.

Was hat Kindo sonst noch zu bieten, außer einer subtilen Email, die mich bittet, über das Netzwerk zu berichten. Natürlich nur, wenn ich selbst auch davon angetan bin. Ich zweifle, dass der Autor mein Blog liest, doch das sei mal dahingestellt. Was bei Kindo jedenfalls direkt ins Auge fällt, man benutzt eine PHP-Framework namens Seagull, um seine Applikation zu erstellen. Das ist per se nichts Schlechtes, deutet jedoch auch darauf hin, dass die Entwickler dort wohl nicht ganz so viel Eigenes in das Projekt einfließen lassen. Wenn ich mich irre, möge man mich von oberster Stelle gerne korrigieren.

Wir hatten bei StudiVZ das Problem des Plagiarismus. In den Alpha-Zeiten war eindeutig nachzuweisen, wir haben es mit einem Facebook-Klon zu tun. Bildschirmfotos aus jenen Tagen konnten den Beweis antreten. Wenn wir bei Kindo dann zwar keinen Plagiarismus feststellen können, so doch zumindest, dass es sich hierbei mehr als offensichtlich um Ware von der Stange halten muss, oder wie sonst wollte man die Nutzung von Seagull erklären?! Ich bin hilfsbereit und offen für jedwede Diskussion, aber ich mag es nicht, wenn Leute nicht auch gerade heraus sagen können, was sie wollen.

Was mich dann allerdings irritiert, sind die vielen Indizien auf die Lebendigkeit und Lebhaftigkeit des Teams hinter Kindo. Zu finden vor allem im schon kritisierten Blog. Ich kann es gutheißen, wenn Leute über den Globus verteilt zusammenarbeiten. Welches Ziel verfolgt Kindo? Und warum sollte man auf diese Weise die goldene Kokosnuss erwerben können? Einen Familienstammbaum anlegen, das möchte Kindo. Allerdings tun das, wie Pierro Marie klarstellt, schon eine Menge anderer Bewerber. Auch solche, die sich nicht zu schade sind, eine eigene Web-Applikation zu schustern und zudem noch über Trigami oder andernorts ein Budget dafür bereit zu halten, um Blogger für ihre Kritik/Werbung wenigstens zu entlohnen.

Silvio Ströver, seines Zeichens Diplom Pädagoge, fragt sich, was Kindo zu leisten im Stande sein wird. Er nennt Kindo einen Treffpunkt für Familien. Ich möchte dem Herrn Pädagogen zu bedenken geben, was beispielsweise in all den Zeilen dadrüber von mir geschrieben steht. Eigentlich möchte ich es nicht, weil ich Herrn Ströver nicht kenne – doch es bleibt mir wenig anderes übrig, als seine Beurteilung als naiv einzustufen. Schreibt er doch:

Kindo versteht sich als Familien-Plattform im Internet und ist eine lockere, junge Art, Familien-Beziehungen neu zu definieren. Was Kindo längerfristig leisten wird, bleibt noch abzuwarten. Ich bin gespannt, wie sich dieses Internet-Projekt entwickeln wird. (S. Ströver)

Ich persönlich bin derzeit der Meinung, dass sich Kindo nirgendwohin entwickeln wird. Nicht, weil ich nicht an das Engagement der Beteiligten glaube, sondern schlicht und ergreifend, da mir die Art und Weise, wie hier an Blogger herangetreten wird übel aufstößt. Vielleicht, ja bestimmt sogar, hat dieses Urteil mit meiner großen Skeptik zu tun. Ein Video auf dem Blog von Kindo zeigt in nicht ein Mal drei Minuten, was man von dem Netzwerk zu erwarten hat. Die Funktionalität ist rudimentär. Das liegt wiederum daran, dass man auf ein Framework zurückgreift, und eigenen Spielraum zu entwickeln, benötigt Zeit. Gerne mögen die Macher den Blogbeitrag als kritischen Anstoß sehen und ihr Projekt verteidigen. Denn es soll nicht selten geschehen, dass Leuten Unrecht getan wird – und sie wissen nicht, wie ihnen geschieht.

Wenn Projekte wie solche allerdings dazu beitragen könnten (und wollten?), Bildung und Erziehung neu zu definieren – bin ich der letzte, der etwas dagegen hat. Denn Deutschland hat sein Kulturkapital verplämpert und sich bildungstechnisch herabgewirtschaftet.

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Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 7 Kommentare


7 Kommentare

  1. Kommentar von Mario
    November 8, 2007 · 2:14 am

    Hallo Alex,

    erstmal danke für deinen Post. Ehrliche Kritik ist uns lieber als unehrliche Lobhudelei, vielleicht bezahlen wir deshalb Blogger nicht über Trigami (Dein Beitrag hätte sich sonst vermutlich auch anders angehört ;-) .
    Auch wenn ich jederzeit bereitstand (und immernoch stehe mario @ kindo.de) grundlegende Fragen per Email zu klären, nehme ich auch Stellung zu öffentlicher Fundamentalkritik.

    Ich denke, verteidigen muss Kindo sich nicht, aber einige Missverständnisse ausräumen. Die Verwendung von Seagull beispielsweise lässt sich ziemlich einfach erklären: Demian, der Initiator von Seagull, ist wie man im Blog lesen kann unser Chefentwickler ;-) Man kann also nicht behaupten, dass “die Entwickler nicht ganz so viel eigenes” einfliessen lassen.

    Unser Blog ist bewusst mehrsprachig, aber mit lokalen Inhalten. Es sollen also gar nicht alle Posts in alle Sprachen übersetzt werden, ist auch nicht alles für alle relevant (was nicht heisst dass man nichts am Blog verbessern könnte).

    Ich lese tatsächlich hin und wieder deinen Blog. Und ja ich habe auf Kindo hingewiesen und geschrieben, dass wir uns über Feedback oder Erwähnung freuen aber dabei klar gemacht, dass ich an dem Projekt mitarbeite.

    Silvio’s Satz “eine lockere, junge Art, Familien-Beziehungen neu zu definieren” trifft unsere Vision ziemlich gut. Kindo soll das “Facebook für die Familie” werden, und StudiVZ/fb haben bereits Beziehungen verändert. Wir wollen Familien helfen besser in Kontakt zu bleiben, dass ist unser Fokus – verglichen mit Ahnenforschung bei anderen Seiten.

    Entschuldige die Ausführlichkeit, ein langer Post verlangt nach langen Antworten.

    Liebe Grüße
    Mario

  2. Kommentar von Alexander Trust
    November 8, 2007 · 9:45 am

    Mh, ich habe schon einige Beiträge für Trigami geschrieben, sie lasen sich mitunter nicht anders als dieser hier, vor allem wenn in der Auftragsbeschreibung stand, man solle mit Kritik nicht zurückstecken. Zum Beispiel hier und dort. Ich bin nicht bei Trigami angemeldet, um andere Leute mit Lorbeeren zu überhäufen. ;)

    Die Ausführlichkeit ist schon in Ordnung, und ich bin ja auch froh, wenn die Leute Stellung nehmen. Du wirst verzeihen, wenn mir ein Florian, ein Daniel und wie sie alle heißen, Emails schicken, in denen sie sich bei einer Antwort sogar noch verhäddern, oder schon in der ersten Mail einen Autotext vergessen haben auszutauschen und nicht mein Blog, sondern ein anderes meinten. Viele Leute versuchen so, günstig an Werbung für ihr System zu gelangen. Daher auch meine Skepsis.

    Ich werde dir, wenn du nichts dagegen hast, auch ein paar Interviefragen – 7 an der Zahl, per Mail schicken, und das Interview dann gerne hier veröffentlichen.

    Grüße zurück,

    Alexander

  3. Kommentar von Silvio Ströver
    November 8, 2007 · 7:52 pm

    “Daher auch meine Skepsis.”

    Ich nehme an, dass diese Skepsis auch dafür verantwortlich ist, dass Du mir Naivität zumutest? – Sachte, sachte… ;-)

    Einen schönen Gruß von einem erfahrenen Blogger, ;-)
    Silvio Ströver

  4. Kommentar von Alexander Trust
    November 8, 2007 · 8:09 pm

    @Silvio: Davon ein Mal abgesehen, wie erklärt denn der Pädagoge seine Einschätzung? Würde mich durchaus interessieren, weil ich auch medienökologische und soziologische Aspekte immer gerne in Betracht ziehe. Wie die Technik die Welt verändert interessiert mich, und ich mache mir auch meine eigenen Gedanken dazu. Welche Hoffnungen setzt Du in Kindo oder ähnliche Applikationen? Und wie genau kann man den Weg von der Virtualität zurück in das reale Leben beschreiben? Welche Effekte soll die Applikation im wirklichen Leben zeitigen?

    Grüße von jemandem, der auch ein Dutzend Jahre Weberfahrung und noch mehr mitbringt. ;)

  5. Kommentar von Silvio Ströver
    November 8, 2007 · 9:23 pm

    “…wie erklärt denn der Pädagoge seine Einschätzung?”

    Pädagogisch… natürlich. ;-)

    Also, der Pädagoge interessiert sich stets für die Bedingungen, die Entwicklung fördern und weiterbringen kann. Persönliche Einstellungen sind da erst mal irrelevant.
    Familienbeziehungen im klassischen Sinn werden im virtuellen Zeitalter neu gefunden, z. B. durch die besagte Internetplattform Kindo. Was mich, bleiben wir bei Kindo, besonders interessiert, ob so etwas auch tatsächlich zunehmend von Menschen so angenommen und verstanden wird, wie sich Kindo selbst einschätzt. Beispielsweise könnte untersucht werden, ob Familien im Netz immer mehr Nischen finden und damit das Internet in ihrem Sinne beeinflussen. Wird Kindo, als junges, kleines virtuelles Family-Projekt, eines Tages eine große Plattform für Familien? Welche Projekte werden noch entstehen, wo sich Familien, aber auch speziell Kinder bewegen werden? Es passiert im Moment sehr viel, und gerade wenn man den “Beginn” eines neuen Projekts mitbekommt, kann das durchaus spannend sein: Was sich dann im Einzelnen entwickeln wird, wissen wir natürlich nicht… Mir geht es erst mal nur darum (durchaus kritisch, aber eben auch offen), das zu sehen und zu beobachten…

    Gruß,
    Silvio Ströver

  6. Pingback von Sajonara.de - Internetmagazin
    November 14, 2007 · 12:06 pm

    [...] europaweit und sein “deutscher Onkel” ist Mario F. Ruckh. Kindo ist von mir vor kurzem besonders kritisch unter die Lupe genommen worden, da mich ein Mail privater Natur erreichte, in dem ich gebeten [...]

  7. Pingback von Kindo: Es war einmal… - Sajonara.de - Internetmagazin
    February 17, 2008 · 3:41 pm

    [...] Zusammentreffen mit diesem Blog, letztes Jahr im November, stand unter keinem guten Stern (vgl. Kindo can do?!). Allerdings hat dieser Ausgangspunkt eine durchaus interessante Begegnung erst möglich gemacht. [...]

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