Killerspiele töten Mitleid
{1}Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie, kurz GWG, fordert ein Verbot von Killerspielen (vgl. ZDNet). Die Sprecherin der GWG, Ursula Reinsch, argumentierte gegenüber ZDNet unter anderem wie folgt:
[...] wenngleich ein negativer Zusammenhang zwischen Killerspielen und dem Verhalten von Kindern nicht schwarz auf weiß nachgewiesen ist, so zeigt sich doch, dass diese Spiele zuallererst das Mitgefühl töten.
Warum töten diese Spiele das Mitgefühl? Das Argument ist die “Belohnung” fürs virtuelle Töten. Man sollte der GWG die Frage stellen, inwiefern der Wehrdienst und generell die Bundeswehr das Mitgefühl der SoldatInnen minimiert?! Werden diese nicht auch belohnt, in Übungen, wenn sie auf Zielscheiben schießen, die der Form nach wie Menschen ausschauen? Die Begründung in diesem Fall ist, wie in anderen Bereichen auch, sehr opportunistisch und einseitig. Wäre es nicht angebracht, vom GWG nicht auch den Wehrdienst neu zu diskutieren?
Es bleibt die Frage, ob Killerspiele wirklich das Mitgefühl töten. Es gibt eine Fülle von Faktoren, die dazu führen können, dass Menschen ihr Mitgefühl ablegen. Im Prinzip gilt das Vorurteil gegenüber einer Vielzahl von Gesellschaftsmitgliedern. Stadtmenschen seien emotional kälter als Landbevölkerung, heißt es. Arme Leute wären potenziell sehr viel hilfsbereiter als großkopferte Gutsbesitzer. So weit jedenfalls die Stammtischparolen. Das alles nützt jedoch wenig, wenn es darum geht, die eigentlichen Ursachen dafür zu finden, warum wir in einer Welt leben, da Tote auf der Mattscheiben-Tagesordnung stehen und der gleichzeitige Griff in die Tüte Chips nicht vielleicht auch als Belohnung interpretiert werden kann?!
Ich finde die Aussagen von Frau Reinsch unverantwortlich. Wenn Sie selbst zudem noch Wissenschaftlerin sein sollte, müsste man ihr vorwerfen den Ethos dieses Standes mit Füßen getreten zu haben.
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Tags GWG, Killerspiele, Reinsch, ZDNet
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 1 Kommentar

November 30, 2007 · 5:29 pm
Die Frage ist doch auch: Hätten unsere Ahnen und Urahnen ebenfalls Killergames gespielt, wenn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten?
Ist die Antwort ja, dann liegt jene Sehnsucht im Naturell des Menschen. Und erst dies sollte uns wirklich ängstigen.