19. December 2007

Hin und her großes Gerudere im StudiVZ

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StudiVZ-LogoSie können es nicht lassen. Vielleicht allerdings sind sie die Vorreiter für andere?! Immerhin kann man einen Sachverhalt immer zu zwei Seiten hin auslegen.

Vor knapp einer Woche geschah es, dass die Holtzbrinckler ihren Kunden Nutzern neue Allgemeine Geschäftsbedingungen aufs Auge drücken. Dies ist in der Vergangenheit schon ein Mal geschehen. Damals jedoch wurden, bei Nicht-Akzeptieren keine Konsequenzen gezogen. Nutzer, die nie auf das elektronische Schreiben vom VZ reagiert haben, sind auch heute immer noch dabei. Glaubt man den Versprechungen Ankündigungen des Holtzbrinckschen Sozialen Netzwerks, soll das nun anders sein. Spätestens im März 2008 werden Nutzer, die den AGB nicht zustimmen, nicht mehr aktiv am VZ teilnehmen können. Wir werden gespannt sein, was sich daraus entwickelt. Denn ein Medienecho – es soll eines gegeben haben? – hat dazu geführt, dass StudiVZ zurückrudert. So soll bereits eine neue, verbesserte Fassung der “neuen” AGB an die Nutzer geschickt worden sein. Ein wenig verhält es sich hier wie mit der Rechtschreibreform, und ihrer Reform der Reform, und der Zurücknahme von ein wenig von beidem.

Erster! – Don Alphonso noch vor Mitternacht

Mit als erster, wenn nicht sogar als Erster, berichtete die Kunstfigur Don Alphonso über die Verschlimmbesserungen der AGB beim einstigen Berliner Start-Up. Und auch anderswo wurde später explizit auf den veränderten Paragraphen 3.3 hingewiesen. Gelöscht hieß es früher, nur heute heißt es eben dann nur noch:

Mit der erfolgreichen Exmatrikulation eines Nutzers ist der Account des Nutzers nicht mehr zugänglich und sind die vom Nutzer in seinem Profil (”Meine Seite”) gemachten Angaben über das studiVZ-Netzwerk nicht mehr einsehbar.

Dieser Passus allerdings, er soll sich schon wieder verändert haben. Don Alphonso, alias Rainer Meyer hebt ebenfalls hervor, wie personalisierte Werbung über diverse Kanäle verschickt werden soll. Über solche Kanäle, die man bei StudiVZ hinterlegt hat. Werbung via SMS oder Instant Messenger wären davon nicht ausgenommen. Die Reaktionen (derer schon 117) unter dem Artikel sind zum Teil konsequenter als noch zu Zeiten der privaten Skandale der Gründerväter Dariani und Co. – Thomas Euler beispielsweise hat seinen StudiVZ-Account gelöscht; er ist nicht allein. Weiterhin wird in den Kommentaren sogar spekuliert – wie eigentlich immer, ob diese Änderung der AGB nicht Kalkül war, um wieder Gesprächsthema Nummer Eins zu werden.

Zweiter! – Die Konkurrenz (Welt) um Mitternacht

Welt Online geht um Mitternacht mit einem Artikel online, der von “den Datenplänen” des StudiVZ berichtet, und darüber, dass die Nutzerdaten zum Ausverkauf angeboten werden würden. Ganz nach amerikanischem Vorbild. Personalisierte Werbung à là Facebook. Objektivität müssen wir bei beiden nicht erwarten. Die Welt gehört einem Konkurrenzverlag, und Don Alphonso hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine Berichterstattung im Falle StudiVZ – aber auch sonst – möglichst subjektiv sei. Ein Satz wie dieser, den wir in der Welt lesen, verwundert daher nicht:

Das Studenten-Portal StudiVZ will endlich richtig Geld machen – mit maßgeschneiderter Werbung.

Datenschützer, so wird in der Welt berichtet, warnen vor der Nutzung des StudiVZ. Außerdem würden unbedarfte Nutzer  mit den neuen AGB ausgenutzt. Unbedarft bezieht sich hierbei wohl weniger auf technische Fähigkeiten, als auf die gesunde Skepsis und das fehlende Pflichtgefühl, die AGB auch zu lesen, ehe man ihnen zustimmt. 11 Seiten sind sie lang, oder doch 15?, wie bei Peter Kroener zu lesen. Wer möchte sich so viel Zeit nehmen?! – Kroener ist es auch, der von Datenvergewaltigung spricht. Dies alles sind jedoch Einschätzungen, zu einem Zeitpunkt, bzw. über eine Version der veränderten AGB, die bereits wieder zurück gerufen, respektive verschlimmbessert wurden. Und es gibt noch mehr Leute, die ihrer Drohung, sich abzumelden nachkommen. Doch auch andere Stimmen lassen sich finden, wie bereits damals, alles nicht so schlimm.

Heise, Heise, Heise…

Mit den Veränderungen wollte StudiVZ die Voraussetzungen schaffen, dass es auch zukünftig kostenlos bleiben kann. So gibt Heise am 14. Dezember den Wortlaut aus einer StudiVZ-FAQ wieder. – Es hieß einmal “von Studierenden für Studierende”. Davon ist, zumindest was Bildung angeht, nichts umgesetzt worden. Von Entrepreneuren zur Gewinnerzielung – so könnte das Credo wirklich lauten. Die Entrepreneure indes, sie wurden geschasst, haben sich abgesetzt, sind gegangen worden – man möchte es nennen, wie man lustig ist. Wir vermissen aber die Einmischung der potenziellen Lobbyisten des StudiVZ/SchülerVZ trotzdem. Keiner der Mitarbeiter hat sich in irgendeiner Form für Bildung(spolitik) eingesetzt. Nun, vielleicht haben es ja doch einige getan. Wir wissen es nicht. Fakt ist aber durchaus: Zettel kleben können sie, doch Druck ausüben, um Projekte anzuschieben, das geht nicht (kostet zu viel? erwirtschaftet zu wenig?). Wir können uns Fragen, ist Bildung ein Geschäft oder ist es ein Geschäft?!

Das Netzwerk bietet aufgrund der Fülle der Mitglieder viel Potenzial. Man könnte mit den Hochschulen kooperieren und ergonomische Arbeitsumgebungen etablieren, die zum Austausch von wissenschaftlichen Dokumenten, Bibliographien und ähnlichem Mehr dienen könnten. Alles, was in Sachen Produktivität im VZ geschieht, ist in Form von “Gruppen” auf dem – nicht falsch verstehen – Mist der Studenten selbst gewachsen. Daumen Hoch für diese Eigeninitiative. Als StudiVZ sich dann aber so etwas als eigene Lorbeeren anzuheften ist nicht schicklich.

Man ruderte zurück, wie bereits erwähnt, und Heise durfte davon berichten. Und man ruderte und ruderte, und wieder berichtete Heise. Dieses Mal am 15. Dezember, und wir erfuhren, dass erneut AGB an die Nutzer verschickt wurden. Eine veränderte Fassung, die vor allem darauf verzichtete, SMS und Instant Messenger als potenzielle Orte von Werbung zuzulassen. Der erste Schock allerdings, er führte in der Tat zu einigen Austritten. Dem entgegen steht wiederum die Meinung , dass man ruhig bleiben solle, und StudiVZ nur das tut, was andere auch tun. Diese Argumentation ist indes nicht wirklich hilfreich. Bloß weil andere sich nicht an Regeln halten, muss ich sie noch lange nicht übertreten. Wenn wir dauerhaft die Grenze des Machbaren immer nur nach oben korrigieren, müssen wir uns nicht wundern, wenn hinterher alle, mit unserer Erlaubnis, auf unseren Nasen herumtrampeln.

Spiegel Online (wie immer) mit von der Partie

Spiegel Online kennt sich aus in der Berichterstattung um das StudiVZ. Man war eines der ersten Onlineportale eines großen Printerzeugnisses, das bereits früher die skandalträchtigen Geschichten aus der Bonkerwelt zum Besten gab. Drum kommt es jetzt nicht völlig überraschend. Und auch das Schema der Berichterstattung hat sich nicht verändert. Mit einem Artikel allein ist es bei SpOn nicht getan. Am 14. Dezember wird zum einen darauf hingewiesen, dass Experten einen Schnüffel-Passus in den neuen AGB kritisieren. Um diese Meinung zu untermauern, und den Begriff des Schnüffel-Passus bei den Lesern zu festigen, gibt es dann eben auch einen entsprechenden Artikel (vom selben Tag), in dem derselbe Autor, Konrad Lischka, von dem genannten Abschnitt als Strategie spricht.

Rechtsexperten habe die Redaktion von SpOn die neuen AGB des StudiVZ vorgelegt. Deren einhellige Meinung lautet: uneindeutig. Und dies, wo es für die Bonker-Produzenten doch glasklar schien. So klar offenbar, dass man, wir wiederholen uns, zurück ruderte. Bei Spiegel Online schreibt man deswegen einen Tag später, am 15. Dezember von Datenschutz-Kosmetik. Trotz dieser Kosmetik gibt es Nutzer, die dem StudiVZ Lebewohl sagen wollen, so auch Björn Roettgers. Ein bisschen sehr merkwürdig wirken indes Beiträge wie dieser, vom Jurablog. Das Blog wirft dem StudiVZ vor “dicke Kohle zu ziehen” und ist dabei selbst einen Werbebanner-Weblogwüste.

Was bleibt?! – Ein fader Beigeschmack, wie eigentlich immer, wenn es publicitywirksamen Trouble um das Holtzbrinck-Netzwerk gibt.

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Kategorie Media · Autor · 3 Kommentare


3 Kommentare

  1. Trackback von www.verstecken.net
    December 28, 2007 · 3:50 am

    Neue StudiVZ AGBs/Datenschutzerklärung: Nutzer wandern ab…

    Ein Bekannter von mir berichtete mir heute, dass er auf einmal 4 Freunde weniger im StudiVZ hätte. Zunächst dachte er jene hätten die Freundschaft gekündigt, aber dem war nicht so. Jene hatten sich einfach abgemeldet, weil sie die…

  2. Pingback von StudiVZ macht ernst, oder doch nicht?! - Sajonara.de - Internetmagazin
    January 15, 2008 · 9:55 pm

    [...] sollten am 9. 01. diejenigen nicht mehr auf ihre Profile zugreifen können, die den neuen Geschäftsbedingungen nicht zugestimmt haben. Don Alphonso berichtet davon, dass dem nicht so ist. Allerdings habe ich [...]

  3. Pingback von Funktionalität wird kapitalisiert - Web 3.0 kann kommen - Sajonara.de - Internetmagazin
    January 17, 2008 · 3:18 pm

    [...] wohin der Hase hoppelt. Das haben einige schon sehr früh gewusst, und dass man, nachdem man die AGB verändert hat, sich nun wieder versucht bei den eigenen Nutzern einzuschleimen (vgl. Blogbar), [...]

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