3. January 2008

Phantasie zu Wissen degradiert

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Es geht im Folgenden um ein Zitat von Michel Foucault: Seite 402. Band 1. – In den Schriften in 4 Bänden finden sich die folgenden Worte:

“Das Imaginäre haust zwischen Buch und Lampe. Man trägt das Phantastische nicht mehr in seinem Herzen und erwartet es ebensowenig von den Ungereimtheiten der Natur, sondern schöpft es aus der Exaktheit des Wissens [...]. Um zu träumen, muss man nicht die augen schließen; es genügt, dass man liest.

Können wir Foucault ohne Ausnahme zustimmen, wenn er solche Aussagen tätigt? Ich bin der Meinung: Nein, das können wir nicht. Nachdem er sich über die historisch-analytische Betrachtung des Wahnsinns, der Literatur und Sprache, der Medizin… – irgendwann war Foucault an einem Punkt angelangt, da er das Phantastische in der Welt verorten wollte. Es gibt Leute, die von der Unhintergehbarkeit der Sprache überzeugt sind. Es gibt andere, die das nicht so sehen. Foucault war meines Wissens keiner von jenen, die die Sprache als Apriori ansahen, und trotzdem liest man von ihm eine solche Aussage. Das macht mich stutzen.

Wer hält es für möglich, dass die Imagination nur außerhalb von unserem Bewusstsein vor sich geht? Hat Foucault das überhaupt ausdrücken wollen? Ist es nicht eher so, dass ein Überfluss an Wissen die eigene Kreativität beschränkt, insofern man sich nicht selbst die Zeit nimmt, zu phantasieren? Ich weiß nicht mehr genau, über welches Blog (sorry for that) ich gestern auf einen Artikel in der NY Times stieß (vgl. Innovative Minds Don’t Think Alike, engl.). Aber auch dort wird thematisiert, dass Kreativität und Wissen nicht zwangsläufig gut miteinander harmonieren. Könnte Foucault in dieser Richtung argumentiert haben? Oder ging es ihm gar nur darum, zu zeigen, dass heutzutage keine echte Innovation mehr stattfindet? Der Medienwissenschaftler Lev Manovich beispielsweise vertritt die These, dass wir in einer Remix-Kultur leben. Und ein Freund von mir ärgert sich jedes Mal, wenn er zu zeichnen beginnt, und feststellt, dass er das Rad nicht neu erfinden wird können. Die Geschichte lähmt uns, oder können wir aus ihr noch mehr Nutzen ableiten, als das in der Antike der Fall war?

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Kategorie Media, Science · Autor · 1 Kommentar


Ein Kommentar

  1. Pingback von Foucault, ein interessanter Geist - Ansichten eines Clowns
    January 4, 2008 · 2:31 pm

    [...] liegt. Zwei kurze Artikel sind in der Zeit schon entstanden, die einerseits das Verhältnis von Wissen und Phantasie anreißen, und andererseits eine Analogie in den Funden von Foucault zeigen, die mit dem utopischen [...]

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