4. January 2008

1984 Überwachen und Strafen

Kennt jemand das Buch “Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses” von Michel Foucault? In diesem analysiert F. die Veränderungen im Gefängniswesen vom Wechsel des 18ten zum 19ten Jahrhundert. Dort ist für ihn im Übrigen der Übergang in die Moderne verortet, wie er bereits in früheren Werken am Beispiel des Wahnsinns, der medizinischen Klinik u. a. m. nachweisen wollte. Mit der Einführung von Gefängnissen und der Ablehnung öffentlicher Stigmatisierung und Hinrichtungen wurde der Blick weg vom Körper hin auf die Seele gelenkt. Allerdings ist es so einfach nicht getan, und nun skizziert Foucault das System und welche Funktion es ausübt, nämlich eine zur produktiven Erziehung. Er greift dabei über das Gefängnis hinaus. Er schreibt von einer “Technologie der Macht” (S. 34). Im Wesentlichen wird deutlich, wie die Institutionen den Weg aufgenommen haben, ihre Macht zu reproduzieren.

Es bleibt nicht bei dem Blick auf das Gefängnis, denn die Technologien der Macht erstrecken sich über andere Institutionen wie Kasernen, Schulen oder Fabriken. Wenn ich dann lese, dass die Seele, die eigentlich bestraft werden soll, kein subjektives Phänomen ist, sondern ein Produkt der Repression – “durch Machtausübung an jenen, die man überwacht, dressiert und korrigiert, an den Wahnsinnigen, den Kindern, den Schülern, den Kolonisierten, an denen, die man an einen Produktionsapparat bindet und ein Leben lang kontrolliert” (S. 41) -, dann erkenne ich viele Analogien zu den Strukturen, die in dem utopischen Roman “1984.” eine Rolle spielen. Foucaults Publikation entstand im Anschluss an die 1968er, und in einer Zeit, da er selbst gegenüber der Exekutive (publizistisch) aktiv wurde. – Wer ein wenig darüber nachgrübelt, kann vielleicht feststellen, dass wir nicht ganz unvorbereitet in eine Zukunft gehen könnten, und indem wir Diskurse mitgestalten, uns gewissen Machtgefügen widersetzen, um nicht in eine Sackgasse zu manövrieren.

Doch nicht nur Foucault, aber auch Pierre Bourdieu hat sich mit gesellschaftlichen Feldern und Systemen beschäftigt, Praktiken der Reproduktion offengelegt. Machtverhältnisse werden beispielsweise im Bildungssystem wunderbar tradiert. Und der Medienökologe Arthur Kroker aus der kanadischen Schule hat im Anschluss an Herbert Marshall McLuhan und Harold Adams Innis gar Versuche unternommen die Codes zu entschlüsseln, die unsere technologische Gesellschaft bestimmen (vgl. “The Will to Technology and the Culture of Nihilism. Heidegger, Marx, and Nietzsche (Digital Futures)“). Kroker wähnt uns in einer Kultur des Nihilismus, die wir gerade deshalb zu leben bereit sind, weil wir die Technologie(n) akzeptieren. Von Codes hat auch Foucault gesprochen, im Kontext eben der Diskursanalyse. Sind Diskurse ein Weg zur Macht? Wenn wir sie selbst mitbestimmen können, haben wir dann Einfluss?

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