Fakten – woher?!

Veröffentlicht am  14. Januar 2008 von  

Anlässlich eines kritischen Pamphlets von Don Alphonso über einen Stänkerer gegen Blogger von der FAZ, muss man fragen, woher der Homo Internetsiensis sich seine Informationen holen soll? Ist es nicht eigentlich die Gewissheit der Speerspitzen der Blogger, dass man sich “kritisch” mit dem Journalismus auseinander setzen muss?

Zum einen, möchte man meinen, dass Blogger ja gar nicht auf die Presse angewiesen sind. Warum liest der Alphons Zeitungen? Weil ihm die Haptik zusagt und er das Streicheln mit Druckerschwärze getünchter Seiten gut findet? Natürlich kann man auch durchaus Onlinevarianten von normalen Printerzeugnissen lesen. Doch das macht den Braten nicht fett, oder? Journalismus ist die Welt 1.0 und Blogger ist das Web 2.0. Das ist vor allem zu kurz gedacht. Doch als Oberkritiker der Journaille – es wundert einen schon, wieviel Aufmerksamkeit der Alphons in den Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit legt.

Die Sache ist die: Es ist notwendig! Denn erst der Hinweis und die Aufklärung erzeugt den Nährboden für eine (selbst)kritische Stimmung. Bitte nicht falsch verstehen, aber ich bin der Meinung, dass die Journalisten, gerade durch Kaliber wie den kritisierten Tobias Rüther dauerhaft das mediale System des Journalismus dekonstruieren. Wir haben über Jahrhunderte gelernt, Vertrauen in dies mediale System zu haben. Das Schlimme aber ist, die Fehler, die sich dort einschleichen, im Journalismusbetrieb – sie sind unumgänglich. Wo gehobelt wird, da Fallen Späne.

Allerdings bin ich nicht der Auffassung, dass es möglich sein wird, als Bloggeria, den Journalismusbetrieb abzulösen. Warum nicht? Zum einen, weil wir dieselben Fehler begehen, und zum anderen, weil unser Interesse nicht in der Information anderer liegt. Nur wenige von uns haben dieses Interesse und grundlegend geht es bei der Bloggerei um Selbstdarstellung. Angesprochen fühlen werden sich wohl die Richtigen. Wenn man den Journalismus ersetzen wollte, durch etwas Eigenes, dann reicht es nicht, lediglich die Fehler der Anderen aufs Tapet zu bringen. Don Alphonso ist diesbezüglich eine Chimäre, eine Chimäre im biologischen oder medizinischen Sinn gefasst. Er ist ein bisschen von beidem Kritiker und Informant – ist er mehr Informant oder mehr Kritiker? Er stellt sich selbst dar, indem er kritisiert. Aber worin liegt die Qualität seiner Information? Ist es gerade die Kritik, oder ist dort noch mehr?

12 Kommentar(e) bisher

  1. wabe says:

    Es gibt auf beiden Seiten begnadete Selbstdarsteller oder sie halten sich zumindest dafür und da ist Kritik nur an der anderen Seite zulässig und dient dann der Selbstbefriedigung

  2. Nun, aber Blogger haben sich nicht institutionalisiert. Es gibt in der Gesellschaft noch kaum Indizien für das Vertrauen in Blogs. Das Problem ist aber, dass die allermeisten Blogschreiben sich gar nicht bewusst sind, dass Informationen falsch sein können. Medienkompetenz ist ein Stichwort, was hier sehr wichtig ist.

  3. Frederic Schneider says:

    Ich glaube, er nimmt sich inzwischen viel zu wichtig. Möglicherweise war es ein Fehler, ihn zur DJV-Podiumsdiskussion einzuladen. Der Mann wird langsam zum Symbol für den Traum einiger Blogger, als Einzelner Agenda-Politik zu betreiben.

  4. Mh, wir haben noch heute über Gatekeeping in einem Kolloquium diskutiert, und “noch” ist es so, dass die Validierung von Informationen in Blogs nicht denselben Stellenwert erreicht, wie die von Journalisten. Aber eigentlich ist es ein notwendiger Kampf um das Recht auf Meinungshoheit. Wie Blogger von manchen Journalisten abgestempelt werden ist nun natürlich auch nicht die feine Englische. Vor allem, wo es durchaus genügend Fehler in der Berichterstattung durch den Journalismus zu beklagen gibt und natürlich auch Manipulation.

  5. Mathieu says:

    Der Unterschied zwischen Bloggern und Journalisten ist ungefähr so wie der zwischen einem Richter und einem Schöffen: Journalisten wissen Bescheid, weil sie es lernen müssen, sie wissen wie man Informationsquellen prüft, kennen den Unterschied zwischen Information und eigener Meinung, können abwägen zwischen Persönlichkeitsinteressen und Interesse der Öffentlichkeit bzw. kennen die rechtlichen Grundlagen dafür. Sie werden beobachtet und bei groben Fehlern gerügt (vom Presserat (so eine Art Selbstkontrolle)) und und und… Kurz gesagt, auch Journalisten machen Fehler. Wenn Blogger aber Fehler machen (sofern sie sich in der gleichen Rolle sehen und nicht bloß etwas über sich schreiben), dann wissen sie es oft nicht einmal. Ein Journalistenschwein weiß wenigstens, dass er ein Schwein ist.

  6. @Mathieu: Wir wissen beide, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. ;)

  7. Mathieu says:

    @Alexander Trust: Na, dann reicht es uns ja offenbar, wenn wir beide die Wahrheit wissen.

  8. Mit Sicherheit, und drum darf man sie auch gerne dann und wann verbreiten.

  9. Mathieu says:

    …und nicht nur Fragen stellen.

  10. Fragen Stellen ist eine Form von Sinnproduktion. Ohne Fragen kommen wir nicht weiter in der Welt. Es soll Leute geben, die verlernen zu fragen und nur noch ein Opfer ihrer Zeit sind.

  11. Mathieu says:

    Na, dann stellen Sie doch Fragen, wenn Sie meinen Kommentar nicht verstehen, statt zu schreiben „Wir wissen beide, dass das nicht die ganze Wahrheit ist“, dann hätte ich auch zur Sinnproduktion beitragen können. Die ganze Wahrheit kenne ich übrigens genausowenig wie Sie und es wäre hier wohl auch kaum Platz genug, sie auszubreiten. Ich will aber mal zwei reale Beispiele nennen. Ein Journalist fälscht ein Interview. Er hat Pech, es fliegt auf und er muss die Konsequenzen tragen, er verliert seinen Job. Die Zeitung gesteht den Fehler ein und entschuldigt sich. Ein Blogger beleidigt und verleumdet eine Person, die nicht im Rampenlicht steht, auf übelste Weise. Das Opfer wendet sich direkt an den Blogger und wird dafür noch verhöhnt. Der Blogger ist sich keiner Schuld bewusst. Er sieht es als seine aufklärerische Pflicht an, die Menschheit vor dem Betroffenen zu warnen. Es geht um den Schaden, den Veröffentlichungen jedweder Art anrichten können. Es gibt Journalisten, die schlechte Journalisten sind und es gibt Journalisten, die schlechte Menschen sind. Vielleicht gibt es das unter den Bloggern auch, doch die Strukturen der klassischen Medien schützen die schlechten Journalisten davor, allzu schlecht zu sein. Und es gibt auch Strukturen, sich gegen unfaires Verhalten zu wehren. Bei Bloggern ist man aber einzig und alleine darauf angewiesen, dass sie gut sind oder sich die Mühe gemacht haben, sich Sachverstand anzueignen. Es gibt keine Strukturen und viele Blogger meinen, das Bloggen sei eine Art basisdemokratischer Journalismus. Wenn Blogger sich Regeln auferlegen, gucken sie zudem bei den klassischen Medien ab und wiederholen dabei auch noch deren Fehler. Die freie Meinungsäußerung hat da Grenzen, wo sie in die Freiheit anderer eingreift. Diese Grenze ist nun einmal die Achillesferse jedweder Berichterstattung und Meinungsäußerung. Man kann sie auch nicht klar ziehen und es wird immer Diskussionen darüber geben, ob man sie grundsätzlich oder in einem Einzelfall in diese oder jene Richtung ziehen soll bzw. hätte ziehen sollen. Über kurz oder lang wird es im Internet genügend Schaden geben und die Geschädigten werden Strukturen einfordern. Anfänge in dieser Hinsicht gibt es ja, auch wenn Seiten wie Blogkiller auch die Fehler wiederholen, die sie anprangern. Es geht mir wie Ihnen nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen und nicht ohne Grund werden an Gerichten Schöffen eingesetzt, um noch mal auf meinen Vergleich zurück zu kommen. Die klassischen Medien sind vielleicht deshalb aufs Bloggen nicht gut zu sprechen, weil sie früher zu wenig kontrolliert wurden. Etliche Blogs sehen ihre Aufgabe ja gerade darin, Medien zu beobachten und zu kontrollieren. Nur wollen die Kontrolleure nie selbst kontrolliert werden. Ohnehin geht es hier nur um die Blogs, die sich als journalistische Blogs verstehen. Jeder angehende Journalist bekommt ganz schnell einmal den Satz zu hören „Vorsicht bei Namensnennungen“. Diese Vorsicht kennen viele Blogger nicht. Chefredakteure streichen Volontären die Namen raus, wenn es um bestimmte, sensible Themen geht, Blogger haben es da schwerer. Sie werden ihre Erfahrungen erst durch juristische Prozesse und Gegenblogs machen müssen.
    Um einen weiteren Anteil an der großen Wahrheit hat sich übrigens Ihr Artikel „Don Alphonso – Opportunist“, dem ich nichts hinzuzufügen habe, verdient gemacht.

  12. Gut gebrüllt, Löwe. Schade wohl, dass so ein Beitrag dann als Kommentar endet, und nicht selbst auch einen eigenen Blogeintrag irgendwo ausmacht.


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