17. January 2008

Was geschieht in deutschen Kinderheimen? Broschüre erschienen

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von Heinz-Peter Tjaden 

Unter uns leben zwischen 500 000 und 1 000 000 Frauen und Männer, die in den 50er- und 60-er Jahren in Kinderheimen aufgewachsen sind. In vielen katholischen Heimen gab es “Schläge im Namen des Herrn”. Jüngst demonstrierten ehemalige Heimkinder in Dernbach und machten auf ihr Schicksal aufmerksam. Doch nicht nur damit habe ich mich beschäftigt. Ich erzähle in einer Broschüre auch diese Geschichte:

Im Frühjahr 2003 besteht Jessica aus Mönchengladbach den Schultest, der Direktor meint, dass die Sechsjährige ein wenig zu lebhaft sei und deswegen eine dreiwöchige Therapie angebracht sein könnte. Die Eltern von Jessica folgen diesem Rat – eine unglaubliche Leidensgeschichte beginnt.

Inzwischen lebt Jessica seit vier Jahren in einem Heim, das vom Heimkinderverband als “Horrorheim” bezeichnet wird, ihr Zustand hat sich so negativ verändert, dass sie mit Medikamenten ruhig gehalten werden muss.

Träger der Einrichtung ist viele Jahre ein katholischer Orden gewesen, der sich schweren Vorwürfen ausgesetzt sieht, auch das Kinderheim, in dem Jessica lebt, ist im August 2007 Thema einer Fernsehreportage gewesen. Thema war die angebliche Misshandlung eines Kindes.

Die Broschüre “Papa, böse Kinder kommen in böse Kliniken” als Download oder Print

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Kategorie Glocal, Media, Politics · Autor Heinz-Peter Tjaden · 3 Kommentare


3 Kommentare

  1. Kommentar von Liliana
    January 17, 2008 · 11:01 am

    “Zu lebhaft” find ich eine ziemlich bescheidene Aussage …
    Hey, das Kind sitzt nicht wie andere nur vor der Flimmerkiste – das muss sofort in Therapie! …

  2. Kommentar von Tjaden
    January 17, 2008 · 12:48 pm

    Fax an das Jugendamt von Mönchengladbach mit heutigem Datum

    Sehr geehrte Frau Karley,

    eine Kopie dieses Schreibens bekommen die Westdeutsche Zeitung und Familie Müller, mit der ich seit Sonntag in telefonischem Kontakt stehe.

    Anfang des Jahres habe ich von der Familie Müller aus Mönchengladbach eine 31-seitige Petition an das Europäische Parlament zugemailt bekommen. Bis dahin kannte ich diese Familie nicht, aufmerksam war sie auf mich geworden, weil ich zwei Berichte über die Dernbacher Schwestern geschrieben hatte, die auch lange Zeit für Schloss Dilborn verantwortlich zeichneten. In diesem Schloss lebt seit vier Jahren die inzwischen 10 Jahre alte Jessica Müller.

    Vor dem Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt kommt es am 30. Januar 2008 zu einem weiteren Anhörungstermin. Die Eltern wollen das Sorgerecht für ihre Tochter zurück und haben bei Gericht beantragt, dass dieser Termin öffentlich ist.

    Zu diesem Termin haben Sie mit Datum vom 10. Januar 2008 eine Stellungnahme des Jugendamtes an die zuständige Amtsrichterin geschickt, in der Sie zu dem Ergebnis kommen, dass dem Antrag von Jessicas Eltern nicht stattgegeben werden sollte.

    In Ihrem Schreiben berufen Sie sich auch auf ein Gutachten von Dr. Dr. Zoch, der als Gutachter an allen Gerichten des Landes Nordrhein-Westfalen zugelassen ist. Vor Jahren bescheinigte er darin den Eltern von Jessica “Erziehungsunfähigkeit”.
    Seitdem sind aber einige Jahre ins Land gegangen, Jessica geht es in dem Heim immer schlechter, sie bekommt inzwischen gegen den Willen der Eltern Medikamente.

    Ich habe darüber eine Artikelserie gestartet und natürlich auch Dr. Dr. Zoch befragt. Der schrieb mir am 13. Januar 2008 per Fax, dass er Jessica seit der Begutachtung im Jahre 2004 nicht mehr gesehen habe und das Heim, in dem Jessica lebe, nicht kenne. Letzteres fand ich merkwürdig, weil dieser Gutachter in mehreren Schreiben an das Amtsgericht mitgeteilt hat, er werde das Mädchen in dem Heim untersuchen…Außerdem schrieb er in seinem Gutachten, dass Jessica in diesem Heim eine professionelle Betreuung habe. Wie kann er so über ein Heim urteilen, das er angeblich gar nicht kennt?

    Fragen, die ich in diesem Zusammenhang an das Kinderheim und an Ihr Amt geschickt habe, sind bis heute nicht beantwortet worden. Ich halte fest: Dass sich Jessica negativ entwickelt habe, bestätigen auch Sie in Ihrer Stellungnahme vom 10. Januar 2008. Dann müssten Sie doch zumindest für einen Heimwechsel plädieren.

    Ich kümmere mich als Redakteur um die Vorgänge, andere Redakteure sollten es auch tun. Jessicas Geschichte habe ich auch in einer Broschüre veröffentlicht, siehe http://www.sajonara.de

    Mit freundlichen Grüßen
    Heinz-Peter Tjaden

  3. Kommentar von Tjaden
    February 20, 2008 · 11:35 am

    Gestern habe ich diese mail von der CSU-Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär bekommen:

    Sehr geehrter Herr Tjaden,

    ich danke Ihnen für Ihre Mail vom 30. Januar 2008 und die darin enthaltenen
    neuen Informationen zur Petition zu Jessica Müller.

    Ich stehe in diesem Fall in engem Kontakt mit meinen Kollegen Dr. Günter
    Krings, MdB. Wir werden uns beide weiterhin dafür einsetzen, dass es zu
    einer Lösung im Sinne Jessicas kommen wird.

    Ich danke Ihnen für Ihr Engagemnt für die Familie Müller und wünsche Ihnen
    persönlich weiterhin alles Gute.

    Viele Grüße,

    Ihre Dorothee Bär

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