Der Malus, ein Blogger zu sein?!
{5}Robert Basic hat sich vor einiger Zeit gewundert, ob einer seiner Sub-Blogger tatsächlich keine Probefahrt von einem Autohaus genehmigt bekam, weil er angab, Blogger zu sein und dies im Sinne bürgerjournalistischer Aufklärung zu tun.
Der Artikel gibt mir Gelegenheit einmal grundlegend zu dem Thema Stellung zu nehmen. Es gibt ja in diesem Blog durchaus die Ambition ein wenig mehr an Information zu bieten als nur eben die Selbstdarstellung der Autoren. Gleichwie ist es eben nicht immer einfach, sein (bürger)journalistisches Begehren auch durchzusetzen. Es gibt Widerstände gegen die Aufklärung, und dies nicht zu knapp. Ich möchte – aus dem Gedächtnis heraus – ein paar Fälle schildern, in denen ich gemerkt habe, was es eigentlich heißt, ein Blogger zu sein.
Interviews und solche, die es werden sollten
Da ist zum Beispiel der Fall Martin Perscheid. Einige mögen sich noch erinnern. Perscheid ist ein Karrikaturist, hatte auf seiner persönlichen Webseite ungenaue Angaben zur Verwendung der Grafiken gemacht. Hinterher wurden Privatleute abgemahnt. Ich hatte damals um ein Interview gebeten, und zunächst auch eine positive Antwort erhalten. Ein Interview mit Perscheid gibt es bis heute dennoch nicht, denn, wie der Artikel Anfang letzten Jahres es skizziert, scheint Perscheid in der Versenkung verschwunden. Ich wollte aufklären, und musste ernüchtert feststellen, dass manche Leute gerne lieber etwas verbergen wollen.
Ein anderes, aufklärendes Interview indes, es hat mich durchaus einiges an Reputation gekostet. Warum? Nun, weil eine Kunstfigur mich in der Folge auf die Blacklist in seinem Blog setzte, und davon sprach, ich würde ihm Unrecht tun, indem ich behauptete, ein Spamfilter sei eine Zensurinstanz. Ich bin der Auffassung, alle von uns, mich eingeschlossen, die einen Spamfilter benutzen, zensieren damit in irgendeiner Art und Weise. Zensur muss dabei ja nicht grundlegend negativ ausgelegt werden. Gleichwie hat mein Interview mit Beteiligten des Österreichischen Presseerzeugnisses “Die Presse” die Kunstfigur verstimmt. In der Folge hat sie auf der Blogbar meinen Namen in den Kommentaren durchaus durch den Dreck gezogen. Meine Glaubwürdigkeit wurde in Frage gestellt, mehr noch.
Androhungen und Abmahnungen
Wie ihr merkt, ist es nicht immer einfach, aufklären zu wollen. Dieses Blog wurde von einigen Zeitgenossen mit der Androhung von Abmahnungen schon, zwei, drei Mal dazu gedrängt, aufklärerische Beiträge aus dem Verkehr zu ziehen. Da gibt es zum Beispiel einen Gewissen Herrn G., der derzeit unter anderem mit schlechten Kopien von Sozialen Netzwerken versucht, zu Geld zu kommen. Dieser hat bereits mit einigen Insolvenzen sein unternehmerisches Geschick unter Beweis gestellt.
Dieser Herr G. trat jedoch auch in anderen Kontexten auf, und für mich, zunächst völlig unerwartet. Ein Mal ging ich einer Erotik-Spammail nach und recherchierte die Urheber, bzw. Besitzer der verschiedenen Mail-, Weiterleitungs- und Webhosting-Dienste. Es traten Verbindungen zutage, die wieder auf einen Herrn G. führten. Eines schönen Tages, respektive ziemlich spät, mitten in der Nacht, Monate nach der Veröffentlichung der Rechercheergebnisse rund um die gefakten Erotik-Spammails und die unseriösen Anbieter dahinter (zwielichtige AGBs, etc. pp.), bekam ich unschöne elektronische Post von Beteiligten, die mir drohten, Anwälte einzuschalten – das was ich mache sei Rufschädigung. Außerdem würden sie Herrn G. davon in Kenntnis setzen. Ich weiß heute, dass diese Personen nur heiße Luft produzierten. Als Privatmann, noch dazu Student, verfüge ich nicht über eine gute Rechtschutzversicherung, deshalb konnte ich es mir damals nicht erlauben, nicht den Forderungen nachzukommen. Wenn ich mir überlege, diesen Weg zu gehen, und das Bloggen noch zu intensivieren, wäre eine Rechtschutzversicherung im Übrigen das Erste, was mir ins Haus käme.
Im Kontext der Berichterstattung von StudiVZ gab es ebenfalls ein paar Drohungen, die allerdings nicht mich selbst, sondern einen potenziellen Interview-Kandidaten betrafen. Jener hatte eine Protestseite (StudiVZBoykott.net) gegen StudiVZ ins Leben gerufen, wollte damit gegen das damals akute “Stalking” vorgehen. Als Domaininhaber hatte er das Pech, dass Aktivisten ihm und seiner Freundin sogar am Telefon Drohungen entgegen gebracht hatten. Ich verstand, dass er Sajonara aber auch sonst niemandem mehr, ein Interview geben wollte.
Von weiteren Widrigkeiten
Damit ist jedoch noch längst nicht Schluss. Als Blogger erlebe ich es nicht selten, dass ich nicht gerade die Auskünfte bekomme, die mir lieb wären. Interviewanfragen werden immer mal wieder “hingehalten”. Vor allem dann, wenn man heikle Themen anspricht und vor kritischen Fragen nicht zurück schreckt. Einige Leser werden sich erinnern, dass eine Anwältin etliche Antiquariate abgemahnt hatte, weil sie Bücher vertrieben, die auf dem Index stehen. Mit einem der Beteiligten, einem abgemahnten Antiquariatsbesitzer, wollte ich ein Interview führen. Das war vor Weihnachte. Er bat mich darum, doch bis im Neuen Jahr zu warten, da die Kuh noch nicht vom Eis sei, salopp formuliert. Im neuen Jahr schließlich bekam ich bislang keine Antwort.
Ebenfalls aus dem letzten Jahr ist eine Interviewanfrage an Sevenload. Don Alphonso hatte einige Anschuldigungen in die Richtung der Kölner formuliert, vielmehr hatte er einen Artikel auf Maingold gepusht, in dem das Image von Sevenload dezidiert nach unten geschrieben wurde (derzeit ist Maingold nicht zu erreichen). Ich wollte Sevenload die Gelegenheit geben, Stellung zu nehmen. Zunächst schrieb ich an die info-Adresse. Keine Reaktion. Dann schrieb ich einen der Mitarbeiter persönlich an. Er antwortete, dass man zu tun gehabt hätte, und er sich jetzt aber der Sache annehmen wollte. Bis heute habe ich noch keine Antwort auf meine Interviewfragen erhalten. Es bliebe natürlich noch die Möglichkeit, dass die Antwortmail im Spamfilter gelandet ist. Den habe ich gewissenhaft durchsucht, immer und immer wieder. Doch trotzdem könnte es ja mein Lapsus gewesen sein. Ein kurzer Blackout und ich würde Sevenload heute Unrecht tun. Update: Wie man den Kommentaren prima entnehmen kann, ist Hopfen und Malz in dieser Sache noch nicht verloren. Eventuell kommt das Interview mit Sevenload verspätet doch noch zu seinen Ehren (; hat sich dieser Artikel doch auf alle Fälle schon gelohnt).
Als Blogger muss man Geduld haben, und mit Niederlagen leben
In einem anderen Fall bekam ich sehr wohl ein Interview, musste aber eine ganze Weile hinterherlaufen. Da das Interview auf Sajonara erschienen ist, mache ich fairerweise keine weiteren Angaben.
Wenn man nicht schon einen Namen hat, dann stehen einem als Blogger nicht unbedingt alle Türen offen. Ich selbst bin da persönlich relativ unvoreingenommen und habe trotz etlicher – dies waren nur einige Ausschnitte – Widrigkeiten noch nicht die Flinte ins Korn geworfen.
Gleichwie frustriert es dann doch auch, wenn man als Blogger von Bloggern ähnlich auf die lange Bank geschoben wird, bzw. mündliche Vereinbarungen dann nicht eingehalten werden. Ein Mal handelte es sich um bekanntere Kollegen aus der Blogosphäre, die mir eine potenzielle Mitarbeit an einem ihrer Projekte in Aussicht stellten, es sich jedoch anders überlegten. Ein anderes Mal habe ich auf Granit gebissen, um das Rechtsempfinden eines Jungbloggers auch nur annähernd zum Klingen zu bringen. Anstatt selbst gegen Verfehlungen zu Felde zu ziehen, hat jener sich lieber in der vergoldeten Grauzone bewegen wollen, und gehofft, damit nicht aufzufallen. Es gäbe durchaus noch einige Erfahrungen zu schildern, doch für dieses Mal soll es mit dem Plaudern aus dem Nähkästchen genügen.
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Tags Blogger, Boykott, Bürgerjournalismus, Don-Alphonso, Interview, Journalismus, Maingold, Martin-Perscheid, Presse, Sevenload, StudiVZ
Kategorie Media · Autor Alexander Trust · 5 Kommentare

January 22, 2008 · 9:34 pm
Ich bin jetzt mal so frank, zu behaupten, es würde nicht am Bloggen liegen.
Es liegt daran, dass niemand Leute mag, die kritische Fragen stellen. Man lässt die Wahrheit lieber im Keller eingesperrt, und man will auch nicht daran erinnert werden, dass man einen Fehler begangen hat. Lieber verdrängt man alles, wenn nötig auch mit Anwälten.
Kritische Denker sind lästig, besser man bricht ihnen früh das Genick. Leider.
January 22, 2008 · 9:38 pm
Das stimmt wohl. Aber “Journalisten”, die von einer großen Redaktion kommen, fällt es leichter, Fragen stellen zu dürfen.
January 22, 2008 · 10:15 pm
Wohl wahr. Ein starkes Schlachtschiff im Rücken öffnet manche Türen. Es ist, ehrlich gesagt, auch nicht sonderlich reizvoll, einem kleinen Blättchen oder Blögchen (Ich weiss, du bist da schon grösser, aber da Blogs sowieso nicht gerade den besten Ruf haben…) Rede und Antwort zu stehen.
January 22, 2008 · 10:27 pm
Die Mail mit den besagten Antworten hatte ich nach kurzer Zeit abgeschickt. Ich bin doch hoffentlich nicht mit meiner E-Mail Adresse auf einer Spamblackliste gelandet und von vornherein auf dem Mailserver ab-blockiert worden?
Da die Zeit aktuell sehr fortgeschritten ist, würde ich mich freuen, wenn wir uns morgen noch einmal zu “Bürozeiten” austauschen können.
January 22, 2008 · 10:39 pm
@Mike: Gerne doch. Vielleicht magst du das Mail einfach noch ein Mal schicken? Wenn es noch vorhanden ist? Die letzte Post von dir war die Rückmeldung vom 3.12.07. Danach habe ich Posteingang und Spambereich gecheckt, doch nichts gefunden. Eine Weiterleitung an sajonara [at] gmx [dot] net wird vielleicht etwaige Hürden am Mailserver des Webhosters vermeiden helfen. Grüße nach Köln.